• Humboldt-Forum: Das Kreuz mit dem Schloss: Franco Stella und der ZWEIFEL

Humboldt-Forum: Das Kreuz mit dem Schloss : Franco Stella und der ZWEIFEL

Christiane Peitz

Das Kreuz mit dem Kreuz, es nimmt kein Ende. Die Debatte um das vergoldete Kuppelkreuz an der Westseite des wiedererrichteten Berliner Schlosses treibt die gesamte Bürgergesellschaft um und hat inzwischen eine Fahrt aufgenommen, dass einem schwindelig wird. Mitten im Trubel überraschte die Gründungsintendanz des Humboldt-Forums diese Woche mit dem Vorschlag, auf der anderen Schlossseite den Schriftzug ZWEIFEL in großen Lettern anzubringen. Es handelt sich um eine Installation des Künstlers Lars Ø Ramberg, entstanden für die letzten Tage des Palasts der Republik.

Der Vorschlag des Trios – der britische Museumsmann Neil MacGregor, Hermann Parzinger als Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und der Kunsthistoriker Horst Bredekamp – missfällt wiederum dem Schloss-Architekten. Diese Zeitung erreichte am Donnerstag folgende Depesche von Franco Stella, formuliert in italienisierend poetischem Deutsch: „Die vorgeschlagene Schrift auf der Ostfassade des Berliner Schlosses stellt eine Form mit einer feinen ,Seele’ und einem riesigen ,Körper’ dar. Während ich mich aus der Diskussion über die symbolischen Inhalte lieber heraushalten möchte, fühle ich mich fast gezwungen zu sagen, dass ich den ,Körper’ dieser Form als eine erhebliche Verunstaltung meiner Architektur ansehe.“

Mit anderen Worten: Stella will seinen Entwurf retten, sich in die Diskussion über die Neutralisierung religiöser Symbole durch Kunst-Lettern aber nicht einmischen. Die Ostseite, dort, wo der ZWEIFEL hin soll, ist seine Seite, die einzige Fassade, die keine historische Rekonstruktion mit barockem Ornament- und Figurenschmuck darstellt, sondern Architektur von heute. Stella hatte sie ursprünglich als Loggienwand im Renaissance-Geiste seines Landsmanns Andrea Palladio entworfen, geblieben ist nur eine schlichte, durchfensterte Fassade. Schon da hatte er gegenüber den Raumbegehrlichkeiten der Museumsleute verloren. Und jetzt wollen sie seinem Schloss auch noch von außen an den Kragen, wo er doch gerade erst das Stülersche Kreuz verteidigen musste!

Es ist ein Kreuz mit dem Zweifel und dem Forum, in buchstäblich jeder Hinsicht. Außen der Barock. Innen ein modernes Museum der Weltkulturen. Im Westen das Zeichen der Christen. Im Osten der säkulare Zweifel. Die Intendanten wollen es, der Architekt ist dagegen, der Künstler Ramberg freut sich, auch Berlins Kultursenator Klaus Lederer findet das mit dem Schriftzug eine gute Idee, „völlig unabhängig von der Kreuz-Debatte“. Nun schlichte, wer kann. Christiane Peitz

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