• Hochwasser: Brandenburg in der Zange Anstieg von Elbe und Oder / Angst im Norden

Überregionales : Hochwasser: Brandenburg in der Zange Anstieg von Elbe und Oder / Angst im Norden

Perleberg/Frankfurt (Oder) - Das Hochwasser nimmt Brandenburg in die Zange: Am Freitag war die Lage sowohl an der Elbe und Havel als auch an der Oder angespannt. „Große Sorge bereitet uns die Stabilität der Deiche“, sagte Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) am Freitag bei einem Besuch in der Prignitz. „Täglich mehren sich die Schadstellen.“ Die Elbe stieg nach Angaben des Katastrophenstabes zunächst nicht weiter an und erreichte bei Wittenberge 7,16 Meter; normal sind dort etwa 3,70 Meter. Die Oder kletterte bei Frankfurt auf 5,18 Meter. Das Ufer wurde überschwemmt. Bei 5,30 Meter kann dort die Alarmstufe drei ausgerufen werden. Sie gilt bereits für Oder und Lausitzer Neiße im Landkreis Oder-Spree.

Vorerst seien keine Evakuierungen notwendig, sagte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), der den Rühstädter Bogen - einen besonders gefährdeten Elbabschnitt - besuchte. Die Pläne dafür lägen allerdings in der Schublade. Die Lage sei unter Kontrolle. „Unsere Aufgabe ist es, die Deiche zu verteidigen.“ Zuvor hatte Schönbohm Perleberg besucht und sich vom Hubschrauber aus einen Überblick verschafft. Bundeswehrsoldaten dichteten von zwei Amphibienfahrzeugen aus kritische Stellen ab. Die Gesamtzahl der Helfer sollte noch gestern auf etwa 1100 steigen.

Laut Woidke stieg die Havel in der Nacht zum Freitag um 16 Zentimeter. „Wir liegen knapp unter der Alarmstufe vier.“ Sollte der Fluss weiter anschwellen, müsste erneut über eine mögliche Flutung der Polder nachgedacht werden. „Ich will die Havel-Polder als Reserve halten.“ Sie sollten nur bei akuter Gefahr für die Orte am Fluss oder zur Entlastung der Elbe genutzt werden, sagte Woidke. Noch immer führe die Havel mehr Wasser, als in die Elbe abfließen kann, erläuterte der Präsident der Landesumweltamtes, Matthias Freude.

In Niedersachsen übertrifft das Elbe-Hochwasser hingegen bereits die als Jahrhunderthochwasser eingestufte Flut vom Sommer 2002. In mehreren Landkreisen in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wurde wegen Katastrophenalarm ausgelöst. In Lauenburg stand das Wasser schon höher als 2002. Die Behörden erwarteten, dass über weite Strecken die Höchststände von damals noch um 30 Zentimeter übertroffen werden. Die Scheitelwelle wird am Wochenende erwartet. Kritisch war die Lage besonders in Hitzacker, wo die Altstadt von den Fluten eingeschlossen war. Flussaufwärts in Sachsen gingen die Pegelstände langsam weiter zurück.