Überregionales : Heftige Proteste gegen „Wegezoll“ für Park Sanssouci

Geplanter Pflicht-Eintritt stößt auf harsche Kritik Schlösserstiftung verteidigt Pläne

Potsdam - Der geplante Zwei-Euro- Pflichteintritt im Park Sanssouci ab 2013 erregt heftigen Streit. So lehnt Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) die gestern vorzeitig publik gewordenen Pläne der Preußischen Schlösserstiftung strikt ab: Ein „Wegezoll“ mitten in der Stadt sei nicht akzeptabel. Kritik kommt auch von Linken, SPD, CDU sowie der Tourismus-Marketing-Gesellschaft Brandenburg (TMB). Dagegen verteidigte Sanssoucis Generaldirektor Hartmut Dorgerloh (Foto M.) gestern auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz das Vorhaben, zwischen Ostern und Ende Oktober Eintritt zu verlangen. Er begründete es mit dem hohen Pflegeaufwand für die zum Unesco-Welterbe gehörenden Gärten und der angespannten finanziellen Situation der Stiftung, deren Parkflächen sich seit 1991 von 450 Hektar auf 700 Hektar vergrößert hätten. In internationalen Anlagen wie in Versailles, aber auch im Berliner Britzer Garten oder im Potsdamer Buga-Park sei ein Eintrittsgeld akzeptiert. „Kostenpflichtige, gepflegte Parks haben mehr Besucher“, sagte er. „Die Alternative wären höhere Zuschüsse.“

Träger der Stiftung sind Brandenburg, Berlin und der Bund. Der Stiftungsrat will darüber am 5. Mai beraten. Eine Prognose zum Ausgang wollte selbst Dorgerloh nicht wagen. Nach PNN-Recherchen ist die Zustimmung ungewiss. Zwar sind der Bund und Berlin für den Sanssouci-Eintritt als Modell allein auf diesen Park begrenzt. Doch die rot-rote Regierung Brandenburgs ist uneins. Pikanterweise lehnt das Finanzministerium, vom Linken Helmuth Markov geführt, die Zusatzeinnahmen ab. „Das war, ist und bleibt die Position“, sagte Sprecherin Ingrid Mattern. „Was als Modellprojekt getarnt daherkommt, wäre der Einstieg für Eintritte in die Parks.“ Dass die frei zugänglich sind, sei eine „große Errungenschaft“. Auch die Staatskanzlei von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ist bislang gegen Eintritt, während das Kulturministerium – geführt von der früheren Potsdamer Uni-Rektorin Sabine Kunst – dem Vorhaben laut einem Sprecher „wohlwollend gegenübersteht“, „angesichts der finanziell angespannten Lage der Stiftung.“ Kritiker lassen das nicht gelten. Die SPD-Vizechefin Klara Geywitz aus Potsdam erinnert daran, dass die Stiftung schon 2006 mit einem solchen Vorstoß scheiterte. „Das erinnert an Loch Ness oder an den Versuch, im Tiergarten ein Grillverbot durchzusetzen.“ Dorgerloh dagegen sagte, das Vorhaben nun sei eine „abgespeckte“ Version der damaligen Pläne, die auch Berlin einbezogen hätten. Oberbürgermeister Jakobs sagte dazu, es könne nicht sein, „dass in Potsdam allein Eintrittspreise verlangt werden“. Bund und Länder sollten die Stiftung mit „ausreichend“ Mitteln ausstatten. Die Linke wollen per Eil-Antrag einen Beschluss des Potsdamer Stadtparlamentes gegen den Parkeintritt erwirken.

Bedenken meldete auch Katherina Reiche an, CDU- Kreischefin in Potsdam und parlamentarische Staatssekretärin im Bund. Zwar gebe es in der Union differenzierte Stimmen, sie habe aber „mehr Fragen als Antworten“, etwa zu Aufwand und Nutzen. Für Reiche droht ein Präzedenzfall. „Am Ende werden Familien in Potsdam, das sich als familienfreundlichste Stadt Deutschlands rühmt, überall Parkeintritt zahlen. Es läppert sich.“ Irritiert und „überrascht“ reagierte Brandenburgs oberster Tourismus-Vermarkter, TMB- Chef Dieter Hütte. Es bestehe nicht nur die Gefahr, dass die Eintrittsdebatte die Jubiläumsveranstaltungen für den 300. Geburtstag Friedrichs des Großen 2012 „überschatte“. Auch werde die Reiseindustrie „völlig außen vor gelassen“. Dabei reagierte insbesondere die Gruppentouristik auf solche Signale empfindlich. Da der freiwillige Parkeintritt gescheitert sei, werde ein Pflicht-Entritt „zwangsläufig“ zu weniger Besuchern führen, „und dies wirkt sich auch auf den Tourismus in Brandenburg insgesamt aus“.

 

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