Hauptstadtflughafen : Routen werden nach Flugstart erneut geprüft

Minister Ramsauer gegen totales Nachtflugverbot

Klaus Kurpjuweit
Zeichen des Widerstands. Auch in Kleinmachnow überall sichtbar.
Zeichen des Widerstands. Auch in Kleinmachnow überall sichtbar.Foto: M. Thomas

Berlin/Potsdam - Das am Montag von der Deutschen Flugsicherung (DFS) vorgestellte Konzept für die Flugrouten des künftigen Flughafens Berlin-Brandenburg „Willy Brandt“ in Schönefeld ist nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) „wohl genehmigungsfähig“.Bei der Forderung nach einem Nachtflugverbot steht Ramsauer aufseiten der Flughafengesellschaft, die auch zwischen 22 Uhr und 24 Uhr sowie zwischen 5 Uhr und 6 Uhr Flugverkehr haben will, was viele Anwohner ablehnen. Ein totales Nachtflugverbot sei nicht möglich, sagte Ramsauer.

Gleichzeitig kündigte sein Ministerium an, Teile der von der DFS vorgestellten Routenvorschläge noch einmal überprüfen zu lassen – etwa Abflugrouten über die Region Teltow und Anflugrouten über Werder und die Region Schwielowsee (Potsdam-Mittelmark). Zuständig für die Genehmigung ist das Ramsauer unterstehende Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, das die Entscheidung im nächsten Jahr treffen soll. Das letzte Wort sei auch dann noch nicht gesprochen, sagte Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle am Dienstag in Berlin. Ein halbes Jahr nach Beginn des Flugbetriebes in Schönefeld solle erneut geprüft werden, ob die Vorgaben, die in der Theorie zu einer Entlastung vieler Anwohner führten, auch eingehalten werden. Sonst müssten sie geändert werden.

Unter anderem solle kontrolliert werden, ob Teltow wirklich so vom Lärm verschont werde, wie es die Flugsicherung verspricht, sagte Scheurle, der am Dienstag mit einigen Bürgerinitiativen das Routenkonzept diskutiert hatte. Schwer lösbar sei das Problem der Anflüge über den Havelseen, sagte Scheurle, der Aufsichtsratsvorsitzender der DFS ist. Hier werde es weitere Gespräche geben. Der Flughafen sei aber nun einmal umgeben von Siedlungsgebieten. Scheurle will nach seinen Angaben auch die Flughafengesellschaft drängen, bei der Nutzung der Start- und Landebahnen flexibler zu sein, um so Flüge über dicht bewohnten Gebieten zu minimieren. Der Flughafen in Frankfurt am Main sei hier weiter als in Berlin, monierte der Staatssekretär.

Klaus Kurpjuweit