Handelskrieg : Die Welt kann nur verlieren

Til Knipper

Am Anfang wollte es keiner glauben. Einen Handelskrieg anzetteln im Zeitalter der Globalisierung? Was für eine irrsinnige Idee, selbst für Donald Trump. Mittlerweile dominiert das Thema jeden internationalen Gipfel, wie man am Wochenende auf dem Treffen der G20-Finanzminister in Buenos Aires wieder erleben konnte.

Die Zeiten, in denen man vielleicht noch darüber schmunzelte, dass Jack Daniel's Whiskey und Harley-Davidson-Motorräder in Europa nun etwas teurer würden, sind endgültig vorbei. Denn Trump dreht immer weiter an der Eskalationsspirale. Den Europäern droht er vor dem Treffen mit Kommissionspräsident Jean- Claude Juncker mit einer Verzehnfachung der Zölle auf aus der EU importierte Autos. Und im Zollstreit mit China kennt er überhaupt keine Grenzen mehr: Bei Bedarf will er Zölle auf praktische alle chinesischen Einfuhren im Wert von 500 Milliarden Dollar erheben.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds hat beim Gipfel in Argentinien zurecht gewarnt, dass das weltweite Wirtschaftswachstum durch den von Trump angezettelten Handelskonflikt um einen halben Prozentpunkt niedriger ausfallen könnte – das entspricht einem Minus von 368 Milliarden Euro.

Das ist noch konservativ gerechnet, weil Trump zusätzlich zur Einleitung eines Handelskrieges durch seine Politik dabei ist, die wirtschaftliche und geostrategische Nachkriegs-Weltordnung zu zerstören. Das dadurch erodierende Vertrauen zwischen den USA und Europa, begleitet vom steigenden Einfluss der Chinesen, könnte dazu führen, dass die Folgen eines internationalen Handelskrieges ähnlich dramatisch werden wie nach der Finanzkrise 2008.

Man muss nur mal durchgehen, was passiert, sollte China, der größte Gläubiger der USA, anfangen, als Gegenmaßnahme bloß einen Teil der von Peking gehaltenen US-Staatsanleihen im Wert 1300 Milliarden Dollar zu verkaufen. Sofort würden die Refinanzierungskosten der US-Staatsschulden in die Höhe schießen. Trump müsste zwangsläufig mit Steuererhöhungen reagieren, mit denen er unweigerlich das Wachstum abwürgen würde. Heftige Verwerfungen an den Finanzmärkten und eine Weltrezession wären nicht auszuschließen, zumal sich schon jetzt das Wachstum in der Euro- Zone, in Großbritannien, Japan und einer großen Anzahl von Schwellenländern erheblich verlangsamt.

Die Auswirkungen einer globalen Krise würden wohl vor allem in Europa sogar schlimmer sein als 2008, weil die Staaten auch wegen der Finanz- und Eurokrise wesentlich höher verschuldet sind als damals. Konjunkturprogramme, staatlich geförderte Kurzarbeit oder Maßnahmen wie die Abwrackprämie, die vor zehn Jahren viele Arbeitsplätze erhalten haben, wären jetzt für viele Euro-Staaten gar nicht mehr finanzierbar. Auch die Notenbänker wären weitestgehend machtlos. Der Leitzins der EZB liegt bei null. Bei einer erneuten Weltwirtschaftskrise ließen sich die Zinsen also gar nicht mehr weiter senken, um durch billigere Kredite das Wachstum zu stimulieren.

Es zeigt sich jetzt erneut, dass die Euro-Zone nicht in der Lage ist, international tatsächlich als einheitlicher Wirtschaftsraum aufzutreten. Dass die Deutschen, die es sich noch leisten könnten, im Falle einer weltweiten Rezession massiv investieren, um einen Konjunkturabsturz zu vermeiden, erscheint politisch nicht durchsetzbar in einem Europa, in dem die Populisten und Nationalisten auf dem Vormarsch sind.

In diesem Zusammenhang ist es nur noch grotesk, dass jetzt ausgerechnet Steve Bannon, Ex-Berater von Donald Trump und Galionsfigur der radikalen Rechten in den USA, vor der Europawahl 2019 hier eine „rechtspopulistische Revolte“ anzetteln will.

Das Schmunzeln ist einem jedenfalls schon länger vergangen. Denn es bleibt dabei: Ein internationaler Handelskonflikt kennt nur Verlierer. Wenn er zum Krieg wird, erst recht.