Überregionales : „Größter Handelskrieg der Geschichte“

US-Präsident Trump droht China mit noch mehr Abgaben. Deutsche Außenhandelswirtschaft in großer Sorge

Carla Neuhaus

Berlin - Die Summen, um die es geht, werden immer größer. Gerade erst sind die Strafzölle in Kraft getreten, mit denen sich die USA und China gegenseitig überziehen, da droht US-Präsident Donald Trump bereits mit den nächsten Abgaben. Diesmal sollen sie chinesische Produkte im Wert von bis zu 500 Milliarden Dollar treffen: Das wären sämtliche Waren, die die Chinesen pro Jahr in die USA verschiffen. Regierungschef Xi Jinping sprach am Freitag vom „größten Handelskrieg der Weltgeschichte“, den Trump ausgelöst hat. Xi warnte, wer einen solchen Konflikt anzettele, schade sich und anderen.

Was er damit meint, zeigen die jüngsten Strafzölle Chinas gegen die USA. Sie treffen Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar. Vor allem auf Agrarprodukte werden die neuen Abgaben fällig, etwa auf Sojabohnen, Schweinefleisch und Meeresfrüchte. Das belastet insbesondere Landwirte im Mittleren Westen und Fischer an der Ostküste der USA, für die China ein wichtiger Absatzmarkt ist. Beeindrucken lässt sich der US-Präsident davon aber kaum. Er wirft den Chinesen Technologie-Klau vor, auch würden sie ihre eigenen Industrien mit unfairen Subventionen abschotten. Trump stört sich an dem hohen Exportüberschuss der Chinesen, die so viel mehr Produkte in die USA verkaufen als umgekehrt. Dabei schwindet inzwischen allerdings auch unter den US-Konzernen der Rückhalt für Trump. Die Strafzölle seien „kontraproduktiv“, sagt der Vorsitzende der US-Handelskammer (AmCham) in China, William Zarit. „Es gibt keine Gewinner in einem Handelskrieg.“

Längst ist dieser Konflikt nicht mehr nur ein Problem für China und die USA. Auch andere Handelspartner – allen voran Deutschland – geraten zwischen die Fronten. „Wir beobachten die Eskalation zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt mit großer Sorge“, sagt der deutsche Außenhandelspräsident Holger Bingmann. Insbesondere die Autobauer fürchten Konsequenzen. Zwar beschränken sich die bereits verhängten Strafzölle auf Agrar- und Technologieprodukte. In einer zweiten Stufe will China aber auch US-Autos mit einem Strafzoll belegen. Das träfe dann auch deutsche Autobauer, die in den USA Wagen für den chinesischen Markt fertigen. Daimler etwa hat deshalb bereits seine Prognose gekappt. Mercedes befürchtet, weniger Geländewagen loswerden zu können. Und BMW plant, seinen X3 nun zum Teil in China statt in den USA zu bauen.

„Die Wahrscheinlichkeit ist, dass alle sich schaden, und das sollten wir vermeiden“, sagt Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Die Europäer haben als Gegenmaßnahme für die US-Zölle auf Stahl und Aluminium Strafabgaben auf Motorräder, Jeans und Whiskey aus den USA eingeführt. Im Bundesfinanzministerium schätzt man, dass allein Deutschland in diesem Jahr 5,5 Milliarden Euro einnehmen wird. Trotzdem profitiert die Bundesrepublik davon nicht, argumentiert Scholz. Ziehe man die Zollschranken hoch, dämpfe das das Wirtschaftswachstum und führe so letztlich an anderer Stelle wieder zu weniger Einnahmen.

Deshalb sucht die Bundesregierung nach Auswegen aus dem Handelsstreit. Trump droht mit Zöllen auf Autos aus der EU – sein Botschafter in Berlin kann sich als Lösung aber auch vorstellen, dass die Autozölle auf beiden Seiten auf null gesenkt werden. Weil eine bilaterale Lösung mit den USA aber gegen die Regeln der Welthandelsorganisation verstoßen würde, will Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch mit anderen Staaten sprechen. Sie sei bereit zu Verhandlungen „über Zölle im Automobilbereich mit mehreren Staaten, also nicht allein mit den Vereinigten Staaten“, sagte ihr Sprecher.

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