Überregionales : Gratis-Kita: Brandenburg lässt Berlin davon ziehen

Nach Start des beitragsfreien letzten Kita-Jahres verspricht Woidke weitere Schritte. In Berlin sind Kitas jetzt komplett beitragsfrei

Potsdam/Neuseddin - Nach der Abschaffung der Kita-Beiträge für das Jahr vor der Einschulung sollen Familien in Brandenburg weiter entlastet werden. Das haben Ministerpräsident Dietmar Woidke und Bildungsministerin Britta Ernst (beide SPD) am Mittwoch nach dem Besuch einer Kita in Neuseddin angekündigt. Beide wollten sich nicht auf ein konkretes Datum festlegen, wann Eltern für die Kita-Betreuung auch in Brandenburg gar keine Beiträge mehr zahlen müssen – so wie ab jetzt in Berlin. Die nächsten konkreten Schritte machten beide vom angekündigten Bundesgesetz für den Kita-Ausbau in Deutschland abhängig, das Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) im Herbst vorlegen will. „Wir sagen zu, dass weitere Schritte kommen, bei der Beitragsfreiheit, bei der Gruppengröße“, sagte Ernst. „Aber da wir seriöse Politik machen, können wir noch nicht sagen, wann wir das hinkriegen.“ Finanzminister Christian Görke (Linke) erwartet, dass die Beitragsfreiheit – trotz der schwierigen Finanzierung – in der nächsten Legislaturperiode Realität wird. „Wer A sagt, muss auch B sagen“, so Görke gegenüber den PNN.

Seit Mittwoch müssen in Brandenburg Eltern für die Kita-Betreuung im letzten Kita-Jahr nichts mehr zahlen, wovon die Familien von 24 000 Kindern in 1900 Einrichtungen profitieren. Sie sparen - abhängig von kommunalen Satzungen und ihrem Einkommen – jährlich bis zu 2000 Euro. Nicht betroffen sind Essensgeld und zusätzliche Kita-Leistungen. Es seien 44 Millionen Euro pro Jahr, die jungen Familien zugute kommen, betonte Woidke. „Es wird junge Familien ermuntern, dass sich die Tendenz, das mehr Kinder geboren werden, fortsetzen wird.“

Trotzdem wird sich das krasse Gefälle bei den Kita-Beiträgen innerhalb der Hauptstadt-Region, in der Potsdamer Regierung und Berliner Senat sonst oft die enge Kooperation betonen, nicht so bald ändern. Woidke erklärte es mit unterschiedlichen Prioritäten. „Wir wollen Beitragsfreiheit und eine bessere Betreuungsqualität“, sagte Woidke. „Berlin hat sich anders entschieden.“ Zudem sei die Betreuungsquote dort geringer. „Und Berlin hat da eine ganze Reihe weitere Probleme.“ Damit spielte er offenbar auf die massiven Schwierigkeiten von Berliner Eltern an, einen Kita-Platz zu finden. Allerdings ist der Kita-Betreuungsschlüssel in Berlin – trotz der vor Jahren begonnenen und nun abgeschlossenen Abschaffung der Beiträge – nicht schlechter als in Brandenburg, was im Widerspruch zu den Aussagen Woidkes steht. Er sagte, dass aus seiner Sicht die komplette Beitragsfreiheit in Brandenburg „in den zwanziger Jahren“ möglich sein werde. Man werde sie Stück für Stück einführen. Ziel sei es zugleich, bis „Mitte der Zwanziger Jahre“ einen Betreuungsschlüssel zu erreichen, bei dem ein Erzieher drei Kleinstkinder unter drei Jahre (bisher 1:6) und bei den Größeren acht Kita-Kinder (3 bis 6 Jahre) betreut. Das entspricht den Empfehlungen der Bertelsmann-Stiftung. Woidke betonte, dass mit dem Start des beitragsfreien letzten Kita-Jahres auch der Betreuungsschlüssel für die Drei- bis Sechsjährigen von Eins zu 11,5 auf Eins zu Elf abgesenkt wurde. Damit liegt das Land im Ländervergleich auf hinteren Rängen. Auch das soll sich ändern. „Wir sind fest entschlossen, den Weg weiter zu gehen“, sagte Ernst. „Die nächsten Jahre werden die Jahre der Kitas.“ Die Kita-Landeszuschüsse haben sich seit 2009 von damals 150 Millionen auf fast 400 Millionen Euro erhöht. Mit kompletter Beitragsfreiheit und kleinen Gruppen geht es laut Görke um jährliche Kita-Ausgaben von rund einer Milliarde Euro.