Überregionales : Google muss Rekordstrafe an EU-Kommission zahlen

Geldbuße von 4,3 Milliarden Euro wegen Missbrauchs der Marktmacht bei Handybetriebssystem Android

Oliver Voss

Berlin - Die EU-Kommission hat eine Rekordstrafe gegen Google verhängt. Sie wirft dem US-Konzern „illegale Praktiken“ beim Vertrieb seines mobilen Betriebssystems Android vor. Daher muss der US-Konzern 4,34 Milliarden Euro zahlen. Google kündigte Widerspruch gegen die Entscheidung an.

„Google benutzt Android als Vehikel, um seine Dominanz bei der Internetsuche zu sichern“, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Konkret wird Google vorgeworfen, von Smartphone-Herstellern verlangt zu haben, die App zur Google-Suche und den eigenen Internetbrowser Chrome von vornherein zu installieren. Andernfalls war die Nutzung von Googles Play-Store nicht möglich. Nutzer hätten dann keine Apps herunterladen können. Zudem habe Google Zahlungen an Gerätehersteller und Mobilfunkanbieter geleistet, damit diese ausschließlich die Google-Suche auf den Smartphones installieren. Das Ergebnis ist ganz im Sinne von Google: „95 Prozent der Suchanfragen auf Androidgeräten erfolgten 2016 über die Google-Suche“, sagte Vestager. Der Konzern ist nun aufgefordert, die missbräuchlichen Praktiken „innerhalb von 90 Tagen endgültig“ abzustellen. Ansonsten drohten über das Bußgeld hinaus Zwangsgelder von bis zu 15 Millionen Euro pro Tag.

Android hatte 2017 laut Zahlen des US-Marktforschers Gartner weltweit einen Marktanteil von fast 86 Prozent. Apples iOS verzeichnete 14 Prozent, alle anderen Wettbewerber kommen zusammen nur noch auf 0,1 Prozent. Konkurrent Microsoft hat die Weiterentwicklung des eigenen Smartphone-Betriebssystems Windows Mobile im Vorjahr eingestellt.

Mit 4,34 Milliarden Euro ist es die mit Abstand höchste Kartellstrafe aus Brüssel für ein einzelnes Unternehmen. Google soll damit sogar mehr zahlen als ein Lastwagen-Kartell mehrerer Hersteller, das mit 3,8 Milliarden Euro zur Kasse gebeten worden war. Der Internetkonzern war auch der vorherige Rekordhalter im Verfahren um die Shopping-Suche im vergangenen Jahr mit gut 2,4 Milliarden Euro. Vestager sagte, politische Überlegungen hätten keine Rolle gespielt. Es gibt Befürchtungen, dass US-Präsident Trump die Entscheidung als weiteren Anlass nimmt, um im Handelsstreit mit der EU nachzulegen. Oliver Voss