Überregionales : Glockenläuten für Opfer des 14. April 1945

Gedenken an Zerstörung der Stadt vor 60 Jahren / Grundsteinlegung für neue Garnisonkirche

Gedenken an Zerstörung der Stadt vor 60 Jahren / Grundsteinlegung für neue Garnisonkirche Potsdam – Mit zahlreichen Veranstaltungen gedachten gestern Tausende Potsdamer der Opfer des Luftangriffs britischer Bomber vor 60 Jahren auf die Stadt. Bei dem Angriff am 14. April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, waren mehr als 1500 Menschen getötet und wichtige Kulturgüter zerstört worden, darunter Stadtschloss und Garnisonkirche. In Anwesenheit der drei Schirmherren, Ministerpräsident Matthias Platzeck, Innenminister Jörg Schönbohm und Bischof Wolfgang Huber, wurde am Nachmittag in der Breiten Straße der Grundstein für den Wiederaufbau der Garnisonkirche gelegt. Das rund 65 Millionen Euro teure Projekt soll komplett aus Spenden finanziert werden und bis 2017 fertiggestellt sein. Mit dem Aufbau des Turms soll schon im kommenden Jahr begonnen werden. Die Kirche war während des Angriffs vor 60 Jahren stark beschädigt und 1968 von der DDR-Führung als angebliches Symbol preußischen Militarismus gesprengt worden. Die Kirche soll weitgehend originalgetreu wieder entstehen, allerdings sollen architektonische Besonderheiten auf die Brüche in der Geschichte der Kirche hinweisen. Der Nachbau soll als offene Stadtkirche, Symbolkirche und Versöhnungszentrum der Internationalen Nagelkreuzgemeinde genutzt werden. Kritiker befürchten, dass der Bau Neonazis und Revanchisten anziehen wird. Am 21. März 1933 - am „Tag von Potsdam“ - war es mit dem Handschlag zwischen Hitler und Hindenburg zum symbolischen Schulterschluss zwischen Nationalsozialismus und Preußentum gekommen. So gab es während der Grundsteinlegung lautstarke Proteste von etwa 100 Gegnern des Wiederaufbaus. Der Generalsuperintendent der evangelischen Kirche Potsdam, Bertram Althausen, sagte, dass in dem Versöhnungszentrum alle willkommen seien, „auch diejenigen mit gegensätzlichen Positionen“. „Die Diskussion um den Wiederaufbau der Kirche war wichtig und hat gut getan. Vor uns liegt aber noch ein langer Weg“, sagte Platzeck vor den mehr als 1000 Anwesenden. Schönbohm forderte „Ausdauer, Geduld und Gemeinsamkeit“ für das Projekt. Als symbolischer erster Stein wurde ein Behälter, gefüllt mit Bibel, Tageszeitungen und Urkunden im Fundament versenkt. Zu dem liturgischen Festakt waren auch Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundesbauminister Manfred Stolpe gekommen. Am Abend fand im Nikolaisaal ein Gedenkkonzert statt. In der Friedenskirche trafen sich hunderte Potsdamer zu einer Andacht zum Gedächtnis an die Opfer des Bombardements. Daran nahm auch Canon Stuart Beake von der Internationalen Nagelkreuzgemeinde aus Coventry teil. Beake hatte bei der Grundsteinlegung für die Garnisonkirche daran erinnert, dass die Menschen dieser Stadt und er selber „Teil einer Gemeinschaft sind, die auf die Zerstörung der Kathedrale von Coventry zurück geht“. Das Kirchenhaus war 1940 von deutschen Bomben zerstört worden. Ein aus der Ruine gerettetes Kreuz wurde zum Symbol für die weltweite Versöhnungsarbeit der Nagelkreuzgemeinden, zu denen die Garnisonkirche gehört. Höhepunkte des Gedenktages waren am Abend die Aufführung des Requiems aeternam, einer musikalischen Totenmesse für die Opfer des 14. April 1945, von Gisbert Näther in der Friedenskirche. Um 22.20 Uhr, dem Zeitpunkt des Beginns des Bombenangriffs vor 60 Jahren läuteten die Glocken Potsdamer Kirchen zum Gedenken an die Opfer.