Überregionales : „Feiger Anschlag“ – das Ziel waren Kinder

Weltweit Entsetzen über Selbstmordattackenach PopkonzertIn Manchester sterben mindestens 22 Menschen,59 werden verletztQueen Elizabeth:Die ganze Nationsteht unter Schock

Frank Jansen Berlin Sascha Zastiral Manchester
Eine Stadt nach dem Schock. Am Tag nach dem Anschlag auf ein Popkonzert reagierten die Menschen in den Manchester mit demonstrativem Selbstbewusstsein.
Eine Stadt nach dem Schock. Am Tag nach dem Anschlag auf ein Popkonzert reagierten die Menschen in den Manchester mit...Foto: Peter Nicholls/rtr

Ein Terroranschlag auf ein Popkonzert in Manchester mit vielen jugendlichen Fans hat Großbritannien schwer erschüttert. Ein mutmaßlich islamistischer Selbstmordattentäter zündete im Eingang der Konzerthalle einen Sprengsatz und riss mindestens 22 Menschen mit in den Tod. Viele der 59 Verletzten in Manchester wurden schwer verletzt. Mehrere Opfer befanden sich am Dienstag noch in Lebensgefahr.

Der Anschlag löste weltweit Entsetzen aus. Großbritanniens Premierministerin Theresa May verurteilte die Attacke als besonders widerwärtig und feige, da wehrlose Kinder und Jugendliche das Ziel waren. Es handle sich um einen der schlimmsten Anschläge in der Geschichte des Landes und um den schwersten Terrorakt, den Nordengland je gesehen habe. May rief dazu auf, nicht die Bilder des „sinnlosen Gemetzels“ in Erinnerung zu behalten, sondern Erinnerungen an den Einsatz der Helfer. Die Terrorwarnstufe des Landes werde wie bisher bei „akut“ bleiben, was bedeutet, dass jederzeit mit Anschlägen gerechnet werden muss.

Am Dienstag identifizierte die Polizei den mutmaßlichen Attentäter als den 22 Jahre alten Salman Abedi. Weitere Angaben wolle er nicht machen, sagte der Polizeipräsident von Manchester, Ian Hopkins. Priorität habe weiter die Frage, „ob er allein gehandelt hat oder Teil eines Netzwerks war“. Salman Abedi wurde im Dezember 1994 in Manchester geboren. Seine Eltern sollen laut Medienberichten Flüchtlinge aus Libyen sein.

Der Täter habe am späten Montagabend am Ende eines Konzerts von Teeniestar Ariana Grande seine selbst gebaute Bombe gezündet, sagte Theresa May nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts in London. „Er hat Zeit und Ort absichtlich so gewählt, um das größtmögliche Blutbad anzurichten.“ Den Rettungskräften zufolge waren unter den Verletzten zwölf Kinder und Jugendliche unter 16. Eine Achtjährige starb. Auf den Tag genau vier Jahre zuvor hatten zwei Islamisten in London den Soldaten Lee Rigby ermordet.

Manchesters Bürgermeister Andy Burnham sagte, die Gemeinschaften der Stadt rückten jetzt näher zusammen. Die Einwohner hätten vergangene Nacht gezeigt, dass sie es nicht gestatten würden, auseinandergedrängt zu werden. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ bekannte sich am Dienstag zur Tat. Ein „Soldat“ habe eine Bombe platzieren können, teilte die für den IS tätige Medienagentur Amaq mit. Anhänger der Terrormiliz feierten den Anschlag in sozialen Netzwerken. Der IS hatte Anfang Mai in seinem Internetmagazin „Rumiyah“ zu Anschlägen auf Konzerthallen und weiteren gut besuchten Gebäuden aufgerufen, weil dort viele „Ungläubige“ massakriert werden könnten.

Am Mittag wurde im Süden Manchesters ein 23 Jahre alter Mann festgenommen. Ob er eine Verbindung zu dem Attentäter hat, war zunächst unklar.

Der Wahlkampf vor den Parlamentswahlen am 8. Juni wurde unterbrochen. Queen Elizabeth II. erklärte, die ganze Nation stehe unter Schock. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: „Es ist unbegreiflich, dass jemand ein fröhliches Popkonzert ausnutzt, um so vielen Menschen den Tod zu bringen oder ihnen schwere Verletzungen zuzufügen.“ Die Kanzlerin und CSU-Chef Horst Seehofer sagten aus Mitgefühl mit den Terroropfern eine Wahlkampfveranstaltung in München ab. US-Präsident Donald Trump verurteilte den Anschlag auf das Schärfste. „So viele junge Menschen sind von bösartigen Verlierern ermordet worden“, sagte Trump bei seinem Besuch in Bethlehem.

Die Berliner Polizei sieht sich auch nach dem Anschlag in Manchester weiter gut vorbereitet auf die Großveranstaltungen der kommenden Tage. Diesen Mittwoch beginnt in der Stadt der 36. Evangelische Kirchentag, zu dem wahrscheinlich 100 000 Menschen kommen werden, darunter der frühere US-Präsident Barack Obama. Er wird am Donnerstag vor dem Brandenburger Tor mit Bundeskanzlerin Merkel öffentlich diskutieren. Am Sonnabend, dem Ausklang des Kirchentags in Berlin, findet zudem im Olympiastadion das DFB-Pokalendspiel zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt statt. Die Polizei will von Mittwoch bis Sonnabend mit 6000 Beamten Anschlägen sowie Krawallen vor und nach dem Fußballspiel vorbeugen. mit dpa

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