Überregionales : Experten: Feuerwehren besser ausrüsten

Brand in Fichtenwalde nahezu gelöscht. Länderübergreifende Ausbildung zu Naturgefahren gefordert

Fichtenwalde/Freiburg - Experten fordern nach dem Waldbrand bei Fichtenwalde (Potsdam-Mittelmark) eine bessere Ausbildung und Ausrüstung der Feuerwehren in Deutschland. Bislang werde die Bekämpfung von Landschaftsbränden in der Ausbildung von Feuerwehrleuten gar nicht oder nur unzureichend berücksichtigt, sagte der Feuerökologe Johann Goldammer von der Universität Freiburg im Interview mit dieser Zeitung. Der Brand in Fichtenwalde habe gezeigt, dass die Feuerwehren für derartige Situationen nicht optimal ausgerüstet seien: „Es gibt keine spezielle leichte Schutzbekleidung, die den Löschkräften erlaubt, sich über viele Stunden bei extremer Hitze im Gelände zu bewegen.“ In Fichtenwalde hätten Rettungskräfte teils sogar mit freiem Oberkörper gearbeitet.

Goldammer fordert ein länderübergreifendes Konzept, um die Ausbildung für die Bewältigung von Naturgefahren wie Starkniederschlägen, Fluten, Stürmen und Landschaftsbränden zu verbessern: „Wir brauchen mobil, flexibel und schnell einsetzbare Löschkräfte“, sagte der Experte, der die einzige Professur für Feuerökologie in Deutschland innehat.

Goldammer geht davon aus, dass es im Zuge des Klimawandels öfter zu schwieriger beherrschbaren Bränden kommen wird. Ähnlich sieht das auch der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Feuerwehrverbandes, Rudolf Römer: „Wir müssen die Zeichen des Klimawandels frühzeitig erkennen und gerüstet sein, wenn es mit den Trockenperioden so bleibt“, sagte Römer der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Prinzipiell sei Deutschland durch das Netz von 23 000 Feuerwehren und 32 000 Feuerwachen gut auf größere Brände vorbereitet. Es werde aber über die Anschaffung von Fahrzeugen mit größeren Wassertanks sowie den Einsatz von Löschdrohnen nachgedacht. Der Einsatz von Löschflugzeugen, die Goldammer fordert, sei in Deutschland indes nicht möglich, so Römer. Dafür seien große Seen zum Auftanken nötig, die es in Deutschland aber nicht gebe. Ähnlich hatte auch das Brandenburger Innenministerium argumentiert (PNN berichteten).

Unterdessen hat sich die Situation in Fichtenwalde beruhigt, auch dank des Regens am Samstagabend. Der Brand auf rund 50 Hektar Wald nahe dem Autobahndreieck Potsdam sei nahezu gelöscht, sagte Kreissprecherin Andrea Metzler den PNN am Sonntag. Am späten Sonntagabend sollte die Feuerwehr abrücken können. Am Waldboden gebe es aber noch einzelne Glutherde, die Brandwache sollten dann die vier Waldbesitzer stellen.

Das Feuer hatte am Samstag erneut für Probleme gesorgt, weil Gas aus einer Leitung strömte. Die Polizei sperrte daraufhin erneut die Autobahnen A9 und A10, die Einsatzkräfte zogen sich aus einem Sicherheitskreis von rund 1000 Metern zurück. Wenig später konnte das Leck abgedichtet werden.

Teils kräftige Regenfälle haben auch anderswo in Brandenburg die Gefahr von Waldbränden in Brandenburg gebannt – vorerst. Das Feuer in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz), wo ein Lager mit Reifen in Flammen stand, sei weitgehend unter Kontrolle, wie die Polizei mitteilte. Anwohner waren wegen des beißenden Rauchs aufgefordert worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Löscharbeiten dauerten am Wochenende an, eine Gefahr für die Bevölkerung bestand laut Polizei aber nicht. Auch die Lage auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jüterbog (Teltow-Fläming) sei nicht mehr dramatisch, hieß es bei der Polizei. Die Stadt hatte am Samstag berichtet, dass zeitweise mehr als 250 Hektar in Flammen standen. Auch am Samstag war ein Hubschrauber im Einsatz, zudem war Verstärkung durch zusätzliche Tanklöschwagen eingetroffen.

Der Deutsche Wetterdienst rechnete für die neue Woche allerdings wieder mit steigenden Temperaturen mit bis zu 37 Grad in der Spitze. Die Gefahr von Wald- und Feldbränden werde damit auch wieder zunehmen.(mit fha/eb/dpa)

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