Überregionales : Erdogan droht dem Nato-Partner USA

Im Syrien-Konflikt warnt der türkische Präsident Washington vor einer militärischen Konfrontation

Susanne Güsten

Washington - Ähnlich wie beim Verhältnis der Türkei zur Europäischen Union verschlechtern sich auch die Beziehungen Ankaras zum westlichen Hauptverbündeten und Nato-Partner USA rapide. Nach der Bekanntgabe von US-Haftbefehlen gegen Leibwächter von Präsident Recep Tayyip Erdogan, die bei einem Besuch in Washington eine Gruppe Erdogan-kritischer Demonstranten verprügelt hatten, ließ die türkische Regierung den US-Botschafter in Ankara einbestellen. Mit Blick auf Syrien, wo Washington die Kurden unterstützt, warnte der türkische Staatschef die Amerikaner jetzt vor einer militärischen Konfrontation.

In Syrien gingen die Vereinigten Staaten zusammen mit kurdischen Terroristen gegen den „Islamischen Staat“ (IS) vor, sagte Erdogan in einem Interview mit dem portugiesischen Fernsehen. Ankara sieht die von Washington unterstützte syrische Kurdenmiliz YPG als Vertreterin der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Er habe Washington nicht von der Zusammenarbeit mit der YPG abbringen können, sagte Erdogan. Daher warne er die USA: Wenn erforderlich, „werden wir das Nötige tun, und zwar ohne uns vorher mit irgendjemandem abzusprechen“. Da US-Soldaten und kurdische Kämpfer im Norden Syriens gemeinsam vorgehen, könnten türkische Gegenschläge für Amerikas Soldaten gefährlich werden. Schon in den vergangenen Wochen waren türkische Luftangriffe im Nordosten Syriens US-Soldaten sehr nahe gekommen. In einer Rede in Ankara deutete Erdogan neue Einsätze in Syrien an. Er erinnerte an die türkische Truppenentsendung ins Nachbarland im vergangenen Jahr und sagte, die Türkei werde ab sofort „Probleme direkt an der Quelle bekämpfen“.

Streit schwelt auch im Fall Katar, das von Erdogan im Streit mit anderen Golfstaaten unterstützt wird. US-Präsident Donald Trump hat sich auf die Seite von Saudi-Arabien gestellt, das Katar vorwirft, radikale Gruppen wie die Muslimbruderschaft und die Hamas zu finanzieren. Erdogan ist besorgt, dass auch die Türkei wegen ihrer Hilfe für die Muslimbrüder unter Druck geraten könnte. Laut Medienberichten fordert der ägyptische Staatschef Abdel Fattah al Sisi, ein enger Partner von Trump, die Boykottmaßnahmen der Golf-Araber gegen Katar auf die Türkei auszuweiten. Vor diesem Hintergrund kann jede weitere Verstimmung zu einer neuen Krise werden.

Die Polizei in Washington hatte am Donnerstag erklärt, zwölf Leibwächter Erdogans müssten bei künftigen Einreisen in die USA mit ihrer Festnahme rechnen. Die Personenschützer sollen bei Erdogans Besuch im Mai vor der Residenz des türkischen Botschafters in Washington auf Demonstranten losgegangen sein. Videos von der Schlägerei hatten in den Vereinigten Staaten große Empörung ausgelöst. Die Haftbefehle gegen die in die Türkei heimgekehrten Leibwächter sind zwar eher symbolisch, markieren aber einen neuen Tiefpunkt in den Beziehungen. Das türkische Außenamt nannte den Schritt inakzeptabel.

Ankara gibt der US-Polizei die Schuld an der Schlägerei, weil sie beim Schutz der türkischen Residenz versagt habe. Auch Erdogan reagierte mit Unverständnis auf die Haftbefehle: „Was ist denn das für ein Gesetz?“, fragte er. Seine Regierung werde weiter mit rechtlichen und politischen Mitteln für die eigene Position in diesem Streit mit den USA kämpfen. Das aggressive Vorgehen der Personenschützer hat das Bild der Türkei in den USA erheblich verschlechtert. In Zeitungskommentaren wurde Erdogan aufgefordert, sich nicht mehr in den USA blicken zu lassen.Susanne Güsten

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