Überregionales : Durchbruch für Krampnitz

Deutsche Wohnen AG übernimmt TG Potsdam und steigt als Investor ein. Quartier für 6500 Menschen

Potsdam - Es ist ein überraschender Durchbruch: Nach jahrelangem Rechtsstreit ist der Weg für eine Entwicklung des früheren Kasernengeländes Krampnitz im Potsdamer Norden frei.

Die Deutsche Wohnen AG, Berlins größter Privatvermieter, hat einen Großteil des denkmalgeschützten Komplexes gekauft und will dort ab Ende 2018 binnen zwei Jahren durch Sanierung und Neubau rund 1500 Wohnungen schaffen. Bis zu 400 Millionen Euro plant das Unternehmen am Standort zu investieren. Die restlichen Flächen soll der städtische Entwicklungsträger nach dem Vorbild des Bornstedter Feldes sukzessive an andere Investoren verkaufen, die dort ebenfalls Wohnungen bauen sollen. Bereits in diesem Jahr soll ein städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt werden, dessen Ziel auch eine Verdichtung des künftigen Viertels ist. Angesichts des anhaltenden Wachstums der Stadt wurden auch die Zielmarken für Krampnitz deutlich nach oben korrigiert. Statt wie geplant Wohnungen für 3800 Menschen zu bauen, soll dort nun Wohnraum für bis zu 6500 Menschen geschaffen werden. Diese überraschenden Pläne gaben Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD), Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) und der Geschäftsführer des Entwicklungsträgers für das Gebiet, Bert Nicke, am Mittwoch bekannt.

Um die Entwicklung der Krampnitzer Kasernen im Norden der Stadt war fast sieben Jahre gestritten worden. Im Fokus stand dabei der Firmenverbund TG Potsdam, der die lukrativsten Teile des Areals vor rund zehn Jahren vom Land unter dubiosen Umständen erworben hatte. Seitdem hatten Stadt und Land diverse Prozesse gegen die TG mit dem Ziel einer Rückabwicklung der Kaufverträge geführt. Das Ende war nicht absehbar.

Diese Auseinandersetzungen sind nun alle Makulatur. Die Deutsche Wohnen habe die TG Potsdam übernommen, sagte Jakobs. Das Land habe alle Flächen zurückerhalten und das gesamte Kasernengelände für 5,2 Millionen Euro an den städtischen Entwicklungsträger verkauft, sagte Görke. Dieser wiederum veräußerte einen Teil des Geländes, insgesamt 25 Hektar, an die Deutsche Wohnen, die die darauf befindlichen Kasernen nun bis Ende 2020 denkmalgerecht sanieren und um einige Neubauten ergänzen will. Die Mieten sollen für Potsdamer Verhältnisse preisgünstig sein: 8,50 Euro pro Quadratmeter würden im Durchschnitt angestrebt, sagte Deutsche-Wohnen-Vorstandschef Michael Zahn.

Binnen zehn Jahren soll das gesamte Areal fertig entwickelt sein. Etwaige Überschüsse aus Verkäufen fließen je zur Hälfte in die Stadt- und die Landeskasse. Zudem wolle man sich beim Bund um Fördermittel für den Weiterbau der Tramstrecke vom Jungfernsee bis Krampnitz bemühen, kündigte Jakobs an.