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Überregionales : Briten wollen Amerikaner nicht mehr informieren Streit über Umgang mit Details aus Manchester

Frank Jansen

Berlin - Nach dem Attentat in Manchester gibt es Streit zwischen den britischen und den US-Sicherheitsbehörden. Die Briten halten den Amerikanern vor, sie hätten vertrauliche Ermittlungsergebnisse zu „Manchester“ an die Medien weitergegeben. Die BBC berichtet, die britische Polizei wolle die Kooperation mit den US-Behörden im Fall Manchester aussetzen. Premierministerin Theresa May hat sich am Donnerstag beim Nato-Gipfel in Brüssel bei US-Präsident Donald Trump über die „leaks“ beschwert. Trump kündigte daraufhin an, die Verantwortlichen für die Weitergabe interner Ermittlungsergebnisse zu „verfolgen“.

Die britischen Behörden ärgert, dass der Name des Attentäters, Salman Abedi, sowie Details zu dem am Montagabend verübten Anschlag früh in US-Medien auftauchten. Allerdings hatten am Dienstag auch deutsche Medien, darunter diese Zeitung, den Namen Salman Abedi veröffentlicht, kurz bevor er auch bei britischen Medien erschien. Die britischen Behörden wollten offenbar den Namen wenigstens 36 Stunden zurückhalten, um Verwandte von Abedi in Großbritannien ausfindig machen zu können.

Deutsche Sicherheitskreise äußerten Verständnis für den Unmut der Briten. „Sie sind unter Druck, weil sie einen weiteren Anschlag befürchten“, hieß es. Ein größeres Zerwürfnis oder gar eine Unterbrechung der traditionell engen Kooperation zwischen britischen und US-amerikanischen Nachrichtendiensten wird jedoch ausgeschlossen, auch für weitere Untersuchungen zum Anschlag in Manchester.

Am Dienstag soll die Polizei nach Informationen der britischen Zeitung „The Independent“ dann einen älteren Bruder des Attentäters in Manchester festgenommen haben. In Libyens Hauptstadt Tripolis wurden Abedis Vater und ein weiterer Bruder festgenommen. Mitglieder der Familie waren in der Zeit des Gaddafi-Regimes aus Libyen nach Großbritannien geflohen und kehrten nach dem Sturz des Diktators in die alte Heimat zurück.

Die „New York Times“ hatte auch früh Polizeibilder vom Tatort in der „Manchester Arena“ veröffentlicht. Im Foyer hatte sich Abedi am Montagabend mit einer Bombe kurz nach dem Ende des Konzert des US-Teeniestars Ariana Grande in die Luft gesprengt und 22 Menschen, darunter Kinder und Jugendliche, mit in den Tod gerissen. Die „New York Times“ zeigte den möglichen Zünder der Bombe, dazu blaue Stoffreste, die vom Rucksack des Täters stammen könnten, sowie eine Schraube und eine Schraubenmutter auf dem Boden des Foyers. Die Bombe war offenbar mit Schrauben und Schraubenmuttern präpariert.Frank Jansen

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