Überregionales : Braune Hetze am grünen Rasen

Nicht alle Fußballklubs gehen konsequent gegen rechtsextreme Tendenzen vor

Potsdam – Brandenburgs Verfassungsschutz ist besorgt über rechtsextreme und rassistische Tendenzen in Fußballstadien und -vereinen im Land. „Das spielt sich besonders in den unteren Ligen ab. Nicht überall packen die Verantwortlichen vor Ort das Problem an“, sagte Präsidentin Winfriede Schreiber gestern auf einer von ihrer Behörde veranstalteten Fachtagung zu dem Thema. Es dürfe nicht sein, dass Fußballfans etwa „Ruhm und Ehre der Waffen-SS“ skandieren, dass sich Spieler als „Bimbo“ oder „dreckige schwarze Negersau“ beschimpfen lassen müssen, sagte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU). „Solche Fälle sind in Brandenburg vorgekommen.“ Und die braune Gefahr kommt in vielfältigen Formen daher, wie Gordian Meyer-Plath, Rechtsextremismus-Experte im Verfassungsschutz erläuterte. Er erinnerte an das vor der WM 2006 gegen den dunkelhäutigen Nationalspieler Gerald Asamoah gerichtete Hetz-Plakat „Du bist nicht Deutschland“ des mittlerweile verbotenen „Schutzbundes Deutschland“ und das „Juden“-Transparent, mit dem Cottbuser Fans 2006 bei einem Auswärtsspiel dem Gegner Dresden vorhielten.

Schreiber verwies auf Beispiele aus dem Alltag: Bei einem Kreisliga-Spiel vor ein paar Monaten in der Lausitz hätten Fans: „Wir bauen eine U-Bahn von Missen bis Auschwitz“ skandiert. Auch die NPD ist laut Meyer-Plath aktiv: Sie versuche mit Mannschaften an Fußballturnieren teilzunehmen oder eigene zu organisieren.

Manchmal gibt es Unsicherheiten vor Ort. „Was macht man, wenn der beste Torwart ein Rechtsextremist ist?“, sagte Meyer-Plath, der für klare Konsequenzen plädierte. „Was macht man, wenn der liebevolle Vater, der die Kinder zu Auswärtsspielen fährt, ein NPD-Funktionär ist?“ So zeige sich in Oberhavel der rechtsextreme Szeneanwalt und letzte Bundeschef der verbotenen Wiking-Jugend, Wolfram Nahrath, mit seinen Kindern aktiv im Verein Birkenwerder Ballspiel Club 1908.

Zur gewaltbereiten, teilweise rechtsextremen Hooligan-Szene zählen die Behörden in Brandenburg 350 registrierte Schläger. Berüchtigt sind etwa gewaltbereite Fans des Frankfurter Vereins FFC Viktoria 91, die regelmäßig zu Auswärtsspielen „linker“ Klubs mitreisen und randalieren, so geschehen im Oktober 2007 gegen Babelsberg 03. Die meisten Brandenburger Hooligans, etwa 140 kommen allerdings aus der Lausitz, was mit Cottbus als einziger Bundesliga-Mannschaft aus dem Land zusammenhängt. Dort haben sich Justiz und Behörden darauf eingestellt, dass Naziparolen gegrölt werden, der Hitlergruß gezeigt oder Gewalt verübt wird. Die Polizei nimmt die Täter für eine Nacht in Gewahrsam. „Einen Tag später, am Sonntag werden sie verurteilt“, sagt der Cottbuser Amtsgerichtsdirektor Wolfgang Rupieper. Das habe durchaus präventive Wirkung. Es sei wichtig, dass der Staat sofort reagiert.