• Bombenanschlag in Kreuzberg verhindert Zusammenhang mit einer Zwangsräumung möglich

Überregionales : Bombenanschlag in Kreuzberg verhindert Zusammenhang mit einer Zwangsräumung möglich

Berlin - Die Berliner Polizei hat im Stadtteil Kreuzberg offenbar einen Anschlag verhindert. Am Donnerstagmorgen entdeckte ein Mitarbeiter der McDonald’s-Filiale in der Wrangelstraße eine Gasflasche mit einer Zündvorrichtung und einem Schlauch, der in die Räume führte. Aus dem Schlauch trat Gas aus. „Hätte es einen Funken gegeben, wäre es vermutlich zu einer Explosion gekommen“, hieß es in Sicherheitskreisen. Auf der Flasche stand „Acetylen“. Dabei handelt es sich um ein farbloses Gas, das in einer bestimmten Mischung mit Sauerstoff explosionsfähig ist. Es habe offenkundig „jemand einen Schaden anrichten wollen“, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Kriminaltechniker würden nun Gasflasche, Zünder und Schlauch untersuchen. Zu der Tat habe sich bislang niemand bekannt, sagte der Sprecher.

Die McDonald’s-Filiale war anfangs in Kreuzberg umstritten. Antiamerikanische Linksextremisten attackierten das Schnellrestaurant mehrmals mit Farbbeuteln. In den vergangenen Jahren habe es aber keine Vorfälle mehr gegeben, hieß es bei der Polizei. Sicherheitskreise halten es für denkbar, dass der Anschlagsversuch im Zusammenhang mit der Räumung des linken Kiezladens „Friedel 54“ im Berliner Bezirk Neukölln und womöglich auch mit der militanten Kampagne von Linksextremisten vor dem G-20-Gipfel in Hamburg zu sehen ist. Die Polizei rückte am Donnerstag mit 500 Beamten bei dem Szenetreff in der Friedelstraße an. Ungefähr 150 Linke, die sich vor dem Eingang befanden, wurden weggetragen. Die Polizisten nahmen eine Person wegen Widerstands fest.

Der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) sprach den an der Räumung beteiligten Polizisten seinen Respekt aus. Die Beamten seien „angemessen und besonnen“ mit der Lage umgegangen. „Einen Extraweg für einige wenige, die glauben, sie könnten die Spielregeln des Zusammenlebens einseitig bestimmen, darf es nicht geben“, sagte Geisel, wobei die „wichtigen Fragen zu Verdrängung und steigenden Mieten“ beantwortet werden müssten. Die Polizei hatte den Laden geräumt, um einem Gerichtsvollzieher Zutritt zu verschaffen. Der Beamte soll die 70-Quadratmeter-Erdgeschoss-Räume dem neuen Eigentümer übergeben. Die letzten fünf Besetzer wurden am Mittag aus dem Haus gebracht.

Die Räumung in Neukölln wird kommende Woche im Abgeordnetenhaus besprochen, Grüne und Linke meldeten Gesprächsbedarf an. Einige Funktionäre der Linkspartei sprachen von „ernsten Problemen“, die man nun mit der SPD habe – es ist die erste Räumung unter Rot-Rot- Grün. Es stehe nicht fest, ob alle Möglichkeiten zur Vermeidung der Räumung ausgeschöpft worden seien, sagte Linken-Innenpolitiker Hakan Tas. Zudem müsse geklärt werden, ob Polizisten die Menschen im Haus unnötig gefährdet hätten.

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