• Bombardier streicht jede vierte Stelle Hennigsdorf verliert Großserienproduktion von Zügen. 400 bis 500 Jobs am Standort fallen weg

Überregionales : Bombardier streicht jede vierte Stelle Hennigsdorf verliert Großserienproduktion von Zügen. 400 bis 500 Jobs am Standort fallen weg

Burkhard Fraune

Hennigsdorf - Beim Zughersteller Bombardier Transportation könnte jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland wegfallen. Der Konzern kündigte am Donnerstag an, in den nächsten drei Jahren bis zu 2200 seiner 8500 Arbeitsplätze hierzulande zu streichen. „Wir müssen uns neu aufstellen“, sagte Deutschlandchef Michael Fohrer nach einer Aufsichtsratssitzung in Hennigsdorf (Oberhavel).

Das Kontrollgremium billigte einvernehmlich Eckpunkte für einen Konzernumbau. Die sieben deutschen Werke sollen erhalten bleiben, sich aber stärker spezialisieren, um wettbewerbsfähiger zu werden. Vom Stellenabbau sind 700 Leiharbeiter betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2019 ausgeschlossen. „Mit dieser Aufstellung werden wir Innovationen fördern und uns fit für die Zukunft machen“, sagte Fohrer. Die beteiligten Arbeitnehmervertreter sprachen von schmerzlichen Schritten. Aufsichtsratschef Wolfgang Tölsner betonte, je nach Auftragslage könnten die Zahlen auch kleiner ausfallen.

Klar ist jedoch, dass der größte Standort Hennigsdorf sowie Görlitz in Sachsen am stärksten betroffen sein werden. Hennigsdorf verliert demnach 2019 die Großserienproduktion von Zügen und damit auch 400 bis 500 Arbeitsplätze. Dafür soll am Standort das globale Kompetenzzentrum für die Entwicklung von Produkten der Schienenverkehrssparte des Konzerns angesiedelt sein. Görlitz soll sich auf Wagenkästen spezialisieren und könnte bis zu 800 Arbeitsplätze verlieren. Dagegen könnte in Bautzen die Beschäftigtenzahl sogar steigen, so Fohrer.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wertete die Entscheidung trotz der herben Einschnitte für den Standort Hennigsdorf als Teilerfolg. „Hennigsdorf bleibt ein Standort für hochwertige Bahntechnologie“, so Brandenburgs Regierungschef. Dazu gehöre auch die Produktion von Kleinserien. Allerdings sei es nicht gelungen, die Produktion von Großserien zu erhalten. Woidke: „Das ist bitter“.

Bombardier Transportation mit seiner weltweiten Zentrale in Berlin ist die Zugsparte des kanadischen Bombardier-Konzerns, der auch Flugzeuge baut. Wegen Problemen im Flugzeuggeschäft steckt der Konzern in den roten Zahlen. Bombardier Transportation schreibt insgesamt zwar schwarze Zahlen, macht in Deutschland aber Verlust. Bombardier hatte erst im vergangenen Jahr 1430 Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen.

Fohrer sagte, Bombardier Transportation solle auch international profitabler werden, um im Wettbewerb mit Konkurrenten etwa aus China zu bestehen. Auch der IG-Metall-Chef von Berlin, Brandenburg und Sachsen, Olivier Höbel, sprach von Veränderungsdruck. Das Konzept bringe technische Effizienz, ökonomische Kompetenz und soziale Verantwortung in Einklang. Es sprach von einem schwierigen Weg, der nun zu gehen sei. Die Eckpunkte seien ein Kompromiss. Laut Fohrers sollten ursprünglich sogar 2800 Stellen wegfallen. dpa, PNN

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