Überregionales : Berlin testet intelligentes Stromnetz

Micro Smart Grid erprobt Erzeugung, Speicherung und Verwendung erneuerbarer Energie

Henrik Mortsiefer

Berlin - Energiewende praktisch: Mitten in Berlin wird unter realistischen Bedingungen erprobt, wie sich Energie aus Wind- und Sonnenkraft in ein intelligentes Stromnetz (Smart Grid) integrieren lässt – und welche Rolle Elektroautos als Speicher dabei spielen. Auf dem Gelände des Euref-Campus am Gasometer in Berlin-Schöneberg ging am Freitag ein so genanntes Micro Smart Grid ans Netz. Das Vorhaben ist Teil des vom Bund mit 5,4 Millionen Euro geförderten Forschungsprojekts „Be-Mobility – Berlin elektro- mobil“ und ein Kernprojekt der Bewerbung der Haupstadtregion für den Schaufenster-Wettbewerb Elektromobilität der Bundesregierung.

„Mit diesem Projekt können wir demonstrieren, wie Energiewende und Elektromobilität zusammengehen“, sagte Stefan Schmitt, Referatsleiter im Bundesverkehrsministerium. Er stellte in Aussicht, dass bis April entschieden werde, welche deutschen Regionen den Zuschlag für eine Schaufenster-Förderung bekommen. Berlin habe eine „herausragende Bewerbung“ abgegeben. Insgesamt wurden 23 Bewerbungen eingereicht.

Das Micro Smart Grid auf dem Euref- Campus werde internationale Ausstrahlung haben, sagte Christoph von Knobelsdorff, Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft. Der Campus sei besonders für Unternehmen attraktiv, die sich mit innovativen Energie- und Mobilitätssystemen beschäftigten.

Bis Ende 2011 wurden auf dem Euref- Gelände, wo derzeit mehr als 600 Beschäftigte arbeiten, mit Unterstützung der Gasag, dem Reiner Lemoine Institut sowie den Unternehmen Schneider Electric und Solon fünf Kleinwindanlagen, drei Solaranlagen und eine Großbatterie als Netzpuffer installiert. Verbunden wurden die Anlagen mit Ladesäulen für Elektroautos und einer Energieleitwarte, von der aus die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg alle Energieflüsse innerhalb des Smart Grids steuert. „Damit kann jetzt neben dem Strom aus dem öffentlichen Netz auch lokal produzierte regenerative Energie gezielt für die Versorgung der Elektrofahrzeuge und für ausgewählte Mieter auf dem Euref-Campus eingesetzt werden“, teilte das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (Innoz) mit, das das Standortmanagement übernimmt.

Der französische Projektpartner Schneider Electric wird seine 250 auf das Berliner Stadtgebiet verteilten Mitarbeiter auf dem Schöneberger Campus unter einem Dach versammeln. „Das Smart Grid Projekt ist uns sehr wichtig, weil es uns zum ersten Mal die Gelegenheit bietet, die Technologie zu testen“, sagte Rada Rodriguez, Deutschland-Chefin von Schneider. Henrik Mortsiefer

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