• Berlin: Noch mehr Häftlinge entwichen Justiz gibt zu: Schon neun Männer geflohen

Überregionales : Berlin: Noch mehr Häftlinge entwichen Justiz gibt zu: Schon neun Männer geflohen

Hannes Heine Ronja Ringelstein

Berlin - Aus dem Berliner Gefängnis in Plötzensee sind zuletzt mehr Häftlinge geflohen als bisher bekannt. Noch am Dienstag hatte die Verwaltung von Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) von sieben Männern gesprochen, ehe später von insgesamt neun Flüchtigen die Rede war: Einige dieser Häftlinge waren wie berichtet aus der Anstalt ausgebrochen, die anderen aus dem offenen Vollzug, also nach einem Freigang, nicht nach Plötzensee zurückgekehrt. Bei den zwei bislang nicht kommunizierten Fällen handelt es sich um Häftlinge des offenen Vollzuges – also Männer, die sich vorrangig nachts in der Anstalt einzufinden haben.

Zwar werden sogenannte Entweichungen aus Freigängen nicht immer öffentlich vermeldet. Angesichts der Debatte um die Sicherheitspolitik der rot-rot-grünen Koalition und des Drucks auf Behrendt dürften die neuen Zahlen aber zu noch mehr Streit führen. Vor allem CDU und FDP forderten den Rücktritt des Senators. Wie berichtet war der Justizsenator aber auch in der SPD kritisiert worden.

Am Dienstag erklärte Behrendt, durch die Entweichungen aus dem offenen Vollzug seien „Irritationen“ entstanden. „Dies ist verständlich. Ich bedauere das.“ In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Plötzensee kämen nun alle Sicherheitsvorkehrungen auf den Prüfstand. Das Personal in der JVA werde erneut verstärkt. „Zudem habe ich heute eine Kommission aus internen und externen Sicherheitsexperten eingesetzt“, sagte Behrendt, „um Schwachstellen zu analysieren und zu beseitigen. Ich bin weiterhin jederzeit bereit, den Rechtsausschuss umfassend zu informieren.“

Zunächst waren am 28. Dezember vier Männer aus der JVA ausgebrochen. Dazu kamen ein Mann, der aus dem Freigang nicht zurückkehrte, sowie am Montag zwei neue Ausbruchsfälle. Am Dienstagnachmittag wurde bekannt, dass aber schon am Samstag und am Sonntag je ein weiterer Häftling aus der Anstalt geflohen waren – wiederum aus dem offenen Vollzug. Ein Sprecher des Senators sagte, man habe die Männer beim Zählappell nicht angetroffen. Beide verbüßten eine Ersatzfreiheitsstrafe, einer wegen Erschleichens von Leistung, der andere wegen Diebstahls. Dass bisher von sieben statt von neun Geflohenen die Rede war, erklärte der Sprecher damit, dass die Justizverwaltung das Entweichen aus dem offenen Vollzug grundsätzlich nicht öffentlich melde. Hannes Heine/Ronja Ringelstein

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