Überregionales : BER-Chef hält an Terminplan fest

Lütke Daldrup will trotz neuer Pannen am 15. Dezember ein Eröffnungsdatum für den Flughafen vorschlagen

S. Beikler A. Fröhlich T. Metzner U. Zawatka-Gerlach

Berlin - Trotz „wesentlicher Mängel“ auf der Baustelle des Hauptstadt-Airports BER, die von der Flughafengesellschaft am Donnerstag bestätigt wurden, will Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am 15. Dezember dem Aufsichtsrat einen „unternehmerisch verantwortlichen Termin zur Inbetriebnahme vorschlagen“. Er gab aber zu, dass der bisherige Terminplan, der eine Fertigstellung der Bauarbeiten zum 31. August 2018 vorsieht, „ambitioniert“ und „bewusst ohne Puffer“ geplant sei.

Die Flughafengesellschaft bestätigte einen PNN-Bericht, wonach der Tüv Rheinland bei geprüften Anlagen gravierende Mängel festgestellt hatte. Es besteht deshalb die Gefahr, dass der BER nicht im Frühjahr oder Herbst 2020, sondern vielleicht erst 2021 eröffnet werden kann. Erhebliche Mängel wiesen im Mainpier Nord die Brandmeldeanlage, das elektroakustische Notrufwarnsystem, die Sicherheitsbeleuchtung und die Sicherheitsstromversorgung auf, bestätigte die Flughafengesellschaft. Auch hätten die Tüv-Gutachter bei der Entrauchungssteuerung und der Sprinkleranlage festgestellt, dass eine „Wirksamkeit und Betriebssicherheit“ nicht gewährleistet sei.

Für die Flughafengesellschaft stehe jetzt die Erfüllung des Baurechts, insbesondere die Abnahmefähigkeit der prüfpflichtigen Anlagen, im Vordergrund, sagte Lütke Daldrup. Bei der Berichterstattung der PNN über Prüfergebnisse des Tüv und einen aktuellen Statusbericht handele es sich um bekannte Sachverhalte. Aus Kreisen des BER-Aufsichtsrats heißt es dagegen, dass dem Kontrollgremium der Tüv-Bericht bisher nichts bekannt gewesen sei.

Der Fraktionschef der Grünen im Landtag Brandenburg, Axel Vogel, sprach von einem deprimierenden Zeugnis systemischen Versagens. Die Flughafengesellschaft seit unfähig, bauen zu lassen. Die Anteilseigner Brandenburg, Berlin, Bund und der FFB-Aufsichtsrat seien nicht in der Lage, die richtigen Korrekturen einzuleiten. Vogel warf Lüdke Daldrup persönlich vor, den Eigentümern verschwiegen zu haben, wie es um die Fertigstellung des BER wirklich stehe. Am Montag habe Lüdke Daldrup im BER-Sonderausschusses nur Stimmung für einen gigantischen BER-Ausbau gemacht und wundervolle Luftschlösser an die Wand gemalt.

CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke kritisierte, Lüdke Daldrup habe dem Landtag den Tüv-Bericht von Anfang November verschwiegen und stattdessen blumige Vorträge gehalten. „Die Glaubwürdigkeit der Flughafenbosse halte ich für schwer beschädigt“, sagte Genilke. Lütke Daldrups Ankündigung, am 15. Dezember einen Eröffnungstermin bekanntzugeben, sei kaum noch ernst zu nehmen. „Märchenstunden zu Eröffnungsterminen gab es in den letzten 2000 Tagen schon genug“, sagte Genilke.

Auch die Verkehrsexperten der Koalition im Berliner Abgeordnetenhaus zeigten sich völlig überrascht. Ein Senatsmitglied, das nicht namentlich zitiert werden wollte, bezeichnete den unvollendeten Hauptstadt-Airport als einen „Experimentalbau, an dem nichts die Regel, sondern alles die Ausnahme ist“.

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.