Überregionales : Behörden befürchten weitere Attacken

Keine heiße Spur zum Dortmunder Anschlag. Neues Bekennerschreiben geht beim Tagesspiegel ein

Frank Jansen

Berlin - Nach dem Sprengstoffanschlag in Dortmund bleibt die Gefahr hoch, dass der Täter oder die Tätergruppierung wieder Terrorattacken verüben. Das Bundeskriminalamt behält in seiner Risikoprognose die zweithöchste Stufe bei. Die Behörden beunruhigt, dass sie keine heiße Spur haben. Es werde weiter in alle Richtungen ermittelt, sagten Sicherheitskreise am Karfreitag. Ein islamistischer Hintergrund sei trotz des fragwürdigen Bekennerschreibens am Tatort möglich. In dem Papier wird im Radebrech-Stil die Terrormiliz IS genannt, Bundeskanzlerin Angela Merkel beschimpft und gefordert, Deutschland solle die Tornado-Kampfflugzeuge aus Syrien abziehen.

Ein rechtsextremer Hintergrund des Anschlags sei aber auch keineswegs auszuschließen, sagten Sicherheitsexperten. Eine offenkundig rechtsextreme Bekennermail, die am Donnerstagabend beim Tagesspiegel einging, nehmen die Behörden jedenfalls ernst. In der Mail behauptet der anonyme Verfasser, der sich auf Adolf Hitler bezieht und gegen „Multi Kulti“ hetzt, der Anschlag in Dortmund sei eine „letzte Warnung“. Außerdem wird ein weiterer Angriff angekündigt. Am 22. April werde „buntes Blut fließen“, heißt es. Der „Trupp Köln“ stehe bereit. Die Drohung zielt vermutlich auf die zu erwartenden zahlreichen Demonstranten, die gegen den an diesem Tag in Köln stattfindenden Bundesparteitag der AfD protestieren wollen. Eine der gängigen Parolen bei solchen Demonstrationen lautet „bunt statt braun“.

„Wir müssen alles ernst nehmen, da wir keine Spur zum Täter von Dortmund haben“, hieß es aus Sicherheitskreisen. Die Bekennermail könne mit dem Anschlag zu tun haben, „es könnte aber auch ein Trittbrettfahrer sein“. Selbst dann bleibe die Mail riskant. Die Ankündigung von Gewalt gegen Demonstranten, die sich der AfD entgegenstellen wollen, „kann Extremisten von rechts und links anstacheln, ebenfalls militant aktiv zu werden“.

Die Diktion der Mail unterscheide sich von den Parolen im Bekennerschreiben, das die Polizei in Dortmund fand. „Aber auch das muss nichts heißen“, sagte ein Sicherheitsexperte. Es sei weiterhin denkbar, dass das in holprigem Deutsch verfasste Schreiben vom Tatort ein Rassist formuliert habe, der muslimische Migranten diskreditieren wolle.

Außer dem Schreiben und der Mail gibt es bislang kein weiteres Bekenntnis zu dem am Dienstag verübten Anschlag in Dortmund. Sicherheitskreise halten es inzwischen auch für möglich, dass hinter dem Angriff auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ein ausländischer Nachrichtendienst steckt. „Stutzig macht, dass bei dem Anschlag militärische Zünder zum Einsatz kamen“, hieß es. Solche Zünder seien in Deutschland nicht leicht zu beschaffen.

Der Tatverdacht gegen zwei Salafisten aus Nordrhein-Westfalen hat sich bislang nicht bestätigt. Der am Mittwoch in Wuppertal festgenommene Iraker Abdul Beset al O. kam dennoch am Donnerstag in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann vor, im Irak ein IS-Kommando geführt zu haben, das Entführungen, Erpressungen und Tötungen vorbereitete. Ein Islamist aus der Nähe von Unna, dessen Wohnung ebenfalls durchsucht wurde, bleibt auf freiem Fuß.