Überregionales : Behörden befürchten Terror-Nachahmer

Attacke in London „hochgefährlicher Präzedenzfall“. Anschlag mit Auto in Antwerpen verhindert

Sascha Zastiral Frank Jansen Berlin

Nach der Terrorattacke von London befürchten deutsche Sicherheitskreise ähnliche Anschläge von Nachahmern. London sei ein „hochgefährlicher Präzedenzfall“, hieß es. In einschlägigen Internetforen seien Beiträge zu finden, in denen Salafisten darüber diskutieren, Autos zu beschaffen. Dieses „Grundrauschen“ sei deutlich stärker als nach dem Lkw-Anschlag von Anis Amri auf dem Breitscheidplatz in Berlin.

Es gebe kaum Zweifel daran, dass der Anschlag einen islamistischen Hintergrund hat. „Das passt alles zum Konzept des Do-it-yourself-Terrors, das der ,Islamische Staat‘ (IS) und Al Qaida propagieren“, hieß es in Sicherheitskreisen. „Das Tatmittel Fahrzeug ist für Terroristen leider ideal“, sagt ein hochrangiger Sicherheitsexperte. „Jeder kann sich einen Wagen besorgen und damit in eine Menschenmenge rasen. Der ganze Aufwand für den Bau einer Bombe entfällt.“ Selbst ein streng bewachtes Areal wie die Umgebung des britischen Parlaments sei gegen solche Taten nicht zu schützen, wenn in der Nähe eine viel befahrene Straße verlaufe.

In Antwerpen nahm die Polizei am Donnerstag einen bewaffneten Mann fest, der mit einem Wagen mit hoher Geschwindigkeit durch eine belebte Einkaufsstraße gerast war. Wie die Bundesanwaltschaft in der belgischen Hafenstadt mitteilte, mussten sich die Fußgänger vielfach durch einen Sprung zur Seite in Sicherheit bringen. Im Kofferraum des Wagens wurden mehrere Stichwaffen, eine Pumpgun sowie ein Kanister mit unbekanntem Inhalt gefunden. Der Vorfall ereignete sich in der bekannten Meir-Einkaufsstraße. Bei dem Mann handelte es sich um einen 39-jährigen Franzosen nordafrikanischer Abstammung. Laut Bundesanwaltschaft raste er am Vormittag gegen 10.45 Uhr durch die Einkaufsstraße. Mehrmals habe der Fahrer Fußgänger in Gefahr gebracht, hieß es weiter. Als die Polizei den Mann stoppen wollte, flüchtete dieser zunächst mit dem Wagen. Nach einer Verfolgungsjagd gelang es den Sicherheitskräften, das Auto zu stoppen und den Fahrer festzunehmen.

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ bekannte sich am Donnerstag zum Anschlag mit vier Toten und etwa 40 Verletzten in London. Einer ihrer „Soldaten“ habe die Operation ausgeführt, meldete das IS-Sprachrohr Amak. Der Angreifer sei Aufrufen gefolgt, Bewohner von Staaten der internationalen Koalition anzugreifen.

Der Attentäter war der Polizei einschlägig bekannt. Gegen den aus Großbritannien stammenden 52-jährigen Khalid Masood war bereits vor einigen Jahren ermittelt worden, berichtete Premierministerin Theresa May. Er stand im Verdacht, ein gewalttätiger Extremist zu sein. May sagte weiter: „Gestern wurde versucht, mit einem Terrorakt unsere Demokratie zum Schweigen zu bringen. Aber heute treten wir wie gewohnt zusammen, so wie es Generationen vor uns getan haben und wie es zukünftige Generationen tun werden, um eine einfache Botschaft zu vermitteln: Wir haben keine Angst und unsere Entschlossenheit wird niemals dem Terrorismus weichen.“ mit dpa/AFP