Überregionales : Beben in Mexiko: Verzweifelter Kampf gegen die Zeit

Mehr als 220 Menschen sterben und viele sind noch verschüttet. Nachbeben erschweren die Suche nach Überlebenden

Mexiko-Stadt - Riesige Trümmerhaufen türmen sich in der Millionenmetropole Mexiko-Stadt, verzweifelt suchen Nachbarn, Angehörige und Retter nach den vielen Verschütteten. Bei einem heftigen Erdbeben der Stärke 7,1 am Dienstag sind in Mexiko mehr als 220 Menschen ums Leben gekommen. Ausgerechnet am Jahrestag des verheerenden Erdbebens von 1985 – und nur kurz nach der alljährlichen Erdbebenübung. Die Zahl der Toten dürfte steigen: Da in der Hauptstadt viele Gebäude eingestürzt sind, wird mit weiteren Opfern gerechnet. Mehrere Nachbeben versetzten die Menschen zusätzlich in Angst und erschwerten die Suche.

Dramatisch war die Lage an der Grundschule „Enrique Rébsamen“ in Mexiko- Stadt. Dort war auch ein Kindergarten untergebracht. Bisher wurden die Leichen von 32 Kindern und fünf Erwachsenen geborgen. „Wir schätzen, dass noch zwischen 30 und 40 Menschen in den Trümmern gefangen sind. Wir hören aber Stimmen, einige sind noch am Leben“, sagte Marine-Sprecher José Luis Vergara. Weitere 209 Schulen in Mexiko-Stadt wurden geschlossen, 15 davon haben schwere Schäden, wie Bildungsminister Aurelio Nuño Mayer sagte.

Neben der Hauptstadt waren besonders die Bundesstaaten Morelos und Puebla betroffen, das Zentrum lag rund 130 Kilometer Luftlinie südöstlich von Mexiko-Stadt bei Axochiapan. In Atzala im Bundesstaat Puebla stürzten während einer Taufe das Dach und die Kuppel einer Kirche ein, mindestens elf Menschen wurden hier getötet. Mehr als 700 Menschen wurden durch das Erdbeben verletzt, 400 davon schwer. Da mehrere Krankenhäuser beschädigt wurden, mussten Verletzte teils unter freiem Himmel von Ärzten notdürftig versorgt werden. Nach Angaben des Energieunternehmens CFE waren 3,8 Millionen Menschen zeitweise ohne Strom, auch das Telefonnetz kollabierte in der Stadt. Der internationale Flughafen der Hauptstadt stellte den Betrieb ein.

Ausgerüstet mit Atemmasken, Fahrradhelmen, Spitzhacken und Schaufeln halfen Hunderte Freiwillige in Mexiko-Stadt bei den Rettungsarbeiten. Im Licht von Taschenlampen und Scheinwerfern suchten sie auch die ganze Nacht über zwischen den Steinen der zusammengestürzten Gebäude nach möglichen Überlebenden. „Dieses Erdbeben ist eine harte Probe und sehr schmerzhaft für unser Land, aber wir Mexikaner haben gelernt, dem mit dem Geist der Solidarität zu antworten“, sagte Staatspräsident Enrique Peña Nieto. Das Auswärtige Amt hatte am Mittwoch nach Angaben eines Sprechers noch keine Kenntnisse über mögliche deutsche Opfer.dpa

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