Überregionales : Beamte in Köln befürchteten Tote

Leitender Polizeidirektor spricht von Spießrutenlauf für die Frauen. Merkel will Ausweisungsregeln überprüfen – SPD dafür offen

Frank Jansen Hans Monath

Berlin - Die sexistischen Krawalle in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof haben Polizeikräfte als Ausbruch lebensgefährlicher Gewalt erlebt. Die Situation hätte, fürchteten Polizisten, zu erheblichen Verletzungen, „wenn nicht sogar zu Toten führen“ können, heißt es in einem vom 4. Januar datierten internen Bericht eines Beamten der Bundespolizei. Er nennt in dem in der „Bild“ abgedruckten und vom Bundespolizeipräsidium in Potsdam als echt bezeichneten „Einsatzerfahrungsbericht“ dramatische Details.

„Gegen 22.45 Uhr füllte sich der gut gefüllte Bahnhofsvorplatz und Bahnhof weiter mit Menschen mit Migrationshintergrund. Frauen mit Begleitung oder ohne durchliefen einen im wahrsten Sinne ,Spießrutenlauf‘ durch die stark alkoholisierten Männermassen, wie man es nicht beschreiben kann“, schrieb der Beamte. Massiver „Pyrogebrauch in Form von Werfen und Abschießen in die Menschenmenge“ habe zugenommen.

Der Polizist schildert, dass die Räumung des Platzes vor dem Bahnhof wenig nutzte. Die „Einsatzkräfte Land und Bund“ seien mit Feuerwerkskörpern beschossen und mit Flaschen beworfen worden. „Im Einsatzverlauf erschienen zahlreiche weinende und schockierte Frauen/Mädchen bei den eingesetzten Beamten und schilderten sex. Übergriffe durch mehrere männliche Migranten/-gruppen.“ Eine Identifizierung der Täter sei nicht möglich gewesen. Die Polizisten seien „an die Grenze zur Frustration“ gelangt. Einer der Randalierer soll gesagt haben: „Ich bin Syrer, ihr müsst mich freundlich behandeln. Frau Merkel hat mich eingeladen“. Ein anderer habe grinsend seinen „Aufenthaltstitel“ zerrissen und gesagt, „ihr könnt mir nix, hole mir morgen einen neuen“.

Das Bundespolizeipräsidium äußerte sich nur knapp. Es gebe zum Geschehen auch einen „Gesamteinsatzverlaufsbericht“, der ausgewertet werde. Dieser könne, meinte ein Sprecher, zu keinem anderen Ergebnis kommen als die Darstellung des Beamten. Das nordrhein-westfälische Innenministerium kündigte an, am Montag werde dem Landtag in einer Sondersitzung des Innenausschusses ein Bericht der Kölner Polizei vorgelegt.

Laut Kölner „Express“ hat bereits am 2. Januar der Chef einer Einsatzhundertschaft von vier Festnahmen, elf „Ingewahrsahmnahmen“ und 71 „Personalienfeststellungen“ berichtet. Bei den meisten Personen soll es sich um Asylsuchende gehandelt haben. Unterdessen berichtet der „Südkurier“, im badischen Weil am Rhein seien vier junge Syrer festgenommen worden, die Silvester zwei Mädchen vergewaltigt haben sollen.

Kanzlerin Angela Merkel hält nach den Übergriffen auf Frauen weitreichende Konsequenzen für nötig. „Was in der Silvesternacht passiert ist, das ist völlig inakzeptabel“, sagte Merkel in Berlin. Der Staat habe die Pflicht, die richtigen Antworten zu finden, „wenn es rechtlicher Änderungen bedarf oder wenn es auch Polizeipräsenz bedarf“. Zu reden sei unter anderem über mögliche Änderungen bei der Ausweisung straffälliger Ausländer und die Grundlagen des kulturellen Zusammenlebens. Es stelle sich die Frage, ob es „in Teilen von Gruppen“ Frauenverachtung gebe. „Wir müssen dem mit aller Entschiedenheit entgegentreten. Denn ich glaube nicht, dass es nur Einzelfälle sind“, betonte Merkel. Auch die SPD zeigt sich bereit zu Gesprächen über eine Verschärfung der Regeln für die Ausweisung krimineller Migranten. „Über eine Absenkung der Hürden für die Abschiebung müssen wir nachdenken“, sagte SPD-Vizefraktionschefin Eva Högl dieser Zeitung. mit dpa

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