Bayerischer Merkel-Fanclub : Die Stimmen der Anderen

Robert Birnbaum

Der Theo war ja, von dahoam aus betrachtet, vielen immer schon verdächtig. Ein Teilzeitpreuße in der Rheinprovinz, von Montag bis Freitag auf dem Schoß bei Helmut Kohl – ein wahrer Erbe des Franz Josef Strauß wie, äh, der Stoiber Edmund konnte das Wirken Theo Waigels zur Rechten des Pfälzers nie richtig gutheißen. Gegen den Kreuther Trennungsbeschluss von Kreuth hatte der auch gestimmt. Und jetzt ein Fanclub für die Merkel. Na typisch wieder!

Am Donnerstag stellt sich der Verein offiziell im Münchner Presseclub vor. Auf dem Podium sitzen imposante 375 Jahre Leben: die Ex-CSU-Chefs Waigel (78) und Erwin Huber (70), der frühere Landtagspräsident Alois Glück (77), der ehemalige Kultusminister Hans Maier (85) und – als Nesthäkchen – die Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (65), besser bekannt als „Rosenheim-Angie“.

Initiator Waigel muss anfangs erst mal etwas klarstellen: Seine Wählerinitiative zur Unterstützung der Kanzlerin stehe „in vollem Einvernehmen mit der CSU“. Der amtierende Chef Horst Seehofer sei sogar einer der Ersten gewesen, dem er sie vorgestellt habe.

Das war zu Jahresanfang, als Seehofer nach eineinhalb Jahren schärfsten Angela-Merkel-Bashings gerade die Abklingphase eingeläutet hatte. Viel zu spät, fand Waigel. Die Bayern waren da schon nachhaltig gespalten in die, die es mit der Münchner Obrigkeit und den Sprüchen von der „Herrschaft des Unrechts“ hielten, und die Anderen.

Das Problem ist nun, dass von diesen Anderen viele kein Kreuz bei der CSU machen wollen, das Seehofer danach als Votum für die „Obergrenze“ verkauft. „Wir wollen denen grade eine Brücke bauen“, sagt Waigel. Ein bis zwei Anzeigen will die Initiative schalten und zur Wahl der CDU-Chefin aufrufen. „Ich sehe keinen Punkt, wo sie überzeugte Standpunkte der Union aufgegeben hätte“, betont der CSU-Ehrenvorsitzende unterm Nicken der Grauköpfe.

Nur der Älteste grantelt dann doch noch etwas in Richtung Staatskanzlei. Merkel, sagt Hans Maier, habe immer gewusst, dass eine gespaltene Union nicht gewählt werde, „andere haben das zwischenzeitlich vergessen“. Die Kanzlerin habe sich außerdem „mit Würde abkanzeln lassen“ – seinerzeit von Seehofer auf der offenen Parteitagsbühne.

Weitere Unbotmäßigkeiten werden aber nicht laut. Und der Maier darf das. Erstens, weil er schon gegen Franz Josef Strauß rebelliert hat, und zweitens, weil er einem probaten Prinzip folgt. Die CSU hat die Opposition gegen sich selbst schon immer gleich selber gemacht. Damit hat sie nämlich die Stimmen der Anderen dann meistens auch noch bekommen. Robert Birnbaum

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