Bauern und die Dürre : Warum der Staat helfen soll

Heike Jahberg

Der heiße Sommer hat viele Gewinner. Eishersteller, Freibadbetreiber und Sonnencremeproduzenten machen das Geschäft ihres Lebens. Andere leiden unter der Hitze und der Dürre. Zu den größten Opfern dieses Sommers zählen die Bauern, vor allem diejenigen, die ihre Höfe im Norden oder Osten Deutschlands haben.

Ihre Verbandsvertreter rufen jetzt nach Hilfe. Eine Milliarde Euro wollen sie vom Staat als Entschädigung für die Ernteausfälle. Agrarministerin Julia Klöckner zögert zwar noch, den Notstand auszurufen und den Getreidebauern Geld zu geben, doch zahlreiche Länderminister sind bereit zu zahlen, darunter Brandenburg. Viele Menschen finden das ungerecht. Sie fragen, warum man die Bauern mit Steuergeld retten soll, wenn der Solariumspächter, der Fitnessstudiobetreiber oder der Wirt, der keine Sonnenterrasse und deshalb in diesem Sommer auch leider keine Gäste hat, leer ausgehen. Gleiches Recht für alle. Und das hieße im Zweifel: kein Geld für die Landwirte.

Das klingt plausibel, vergleicht aber Äpfel mit Birnen. Anders als Restaurants, die an einem schlechten Standort zu- und an einem besseren wieder aufmachen können, sind Bauern an ihr Land gebunden. Sie sind Unternehmer und bauen das an, wovon sie sich die höchsten Renditen versprechen. Doch ob die Rechnung aufgeht, liegt nicht allein in ihrer Macht. In diesem Sommer hat die Dürre vielen Bauern die Ernte vermiest. Einige Betriebe stehen vor dem Aus. Das Problem: Wenn der Bauer hinwirft, dann meist ganz. Für das freie Land interessieren sich alle möglichen Investoren, viele kommen aus dem Finanzbereich. In Ostdeutschland gehört bereits ein Drittel der Agrarunternehmen Ortsfremden, Tendenz steigend. Für den ländlichen Raum – seine Entwicklung und den Zusammenhalt vor Ort – ist das Gift.

Hinzu kommt: Bauern produzieren nicht irgendwas, sondern Lebensmittel. Natürlich kann man die auch auf den globalisierten Märkten in aller Welt kaufen, aber die heimische Produktion stellt sicher, dass es für die Bundesbürger auch dann genug zu essen und zu trinken gibt, wenn sich Regierungen in Handelskriegen verkämpfen. Deutschland hat ein Interesse daran, seine Landwirtschaft zu erhalten. Dafür lohnt es sich zu zahlen.

Aber wer zahlt, kann auch Forderungen stellen. Ein einfaches „Weiter so“ darf es nicht geben. Die Klimaherausforderungen nehmen zu, Herausforderungen, an denen die Landwirtschaft nicht unbeteiligt ist. Die Rinder in Massentierhaltung verursachen Methan, die Gülle auf dem Feld setzt Kohlendioxid, Ammoniak und Methan frei. Strengere Güllevorschriften sollen jetzt den Ausstoß begrenzen. Doch der Staat, der für seine Bauern zahlen soll, kann und muss noch mehr tun: Er kann von den Landwirten verlangen, dass sie ihre Monokulturen aufgeben und diversifizieren. Wenn der Weizen vertrocknet, tragen die Sojabohnen und die Hirse immer noch.

Auch ein strenges staatliches Tierwohllabel wäre ein Fortschritt. Wenn Verbraucher sicher erkennen können, ob Tiere mehr Platz haben, und bereit sind, dafür zu zahlen, haben auch die Tierhalter eine Chance, die nicht auf Riesenställe, sondern auf kleine Einheiten setzen. Hinzu kommt: Zusammen mit den Versicherern muss die Politik bezahlbare Policen entwickeln, damit Landwirte eine Chance haben, sich selbst gegen Wetterextreme abzusichern. Bauern, die das dann nicht nutzen, werden nur schwer begründen können, warum der Staat helfen soll.

Das alles läuft aber ins Leere, wenn die Agrarpolitik der EU falsche Anreize setzt. Und das ist der Fall. Anders als heute sollen Bauern, die etwas für die Umwelt tun, dafür künftig nicht mehr belohnt werden. Das ist fatal, denn die Brüsseler Milliarden bestimmen, wie die Landwirte wirtschaften. Auch in Deutschland. Julia Klöckner ist in diesen Tagen als Krisenmanagerin in Brandenburg, Berlin und Bramsche gefordert. Doch die wahre Herausforderung liegt in Brüssel.