Überregionales : Arzneiskandal weitet sich in Berlin aus

Potsdam/Berlin - Der Skandal um mutmaßlich gestohlene, möglicherweise unwirksame Krebsmedikamente weitet sich aus: Eine zweite Berliner Apotheke ist von der Brandenburger Firma Lunapharm beliefert worden, die geklaute Medikamente aus Griechenland weiterverkauft haben soll. Das teilte die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit am Donnerstag mit. Das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) habe im Zuge des Rückrufs der Medikamente die Information erhalten, dass eine zweite Berliner Apotheke beliefert worden ist. Nach einer Mitteilung der Regierung von Oberfranken habe die Apotheke Ware von Lunapharm über einen bayerischen Großhandel bezogen. „Wiederum war für die Apotheke nicht erkennbar, dass es sich um gestohlene Arzneimittel handeln könnte, da der bayerische Großhändler eine gültige Handelserlaubnis hat“, so die Senatsverwaltung. Derzeit gebe es keine Erkenntnisse, dass in Berlin Patienten geschädigt wurden.

In Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Gesundheit habe das Lageso daraufhin unverzüglich die Apotheke informiert und eine anlassbezogene Überprüfung durchgeführt. Die Empfänger der betroffenen Arzneimittel sind fünf Arztpraxen beziehungsweise medizinische Einrichtungen, davon drei in Berlin. Diese werden jetzt wie im ersten Fall von der Apotheke benachrichtigt, damit die Praxen individuell ihre Patienten ansprechen können, hieß es aus Berlin.

Bislang ist nicht bekannt, ob die Medikamente auch an Brandenburger Apotheken ausgeliefert wurden. Insgesamt ging die Arznei über Lunapharm an elf Bundesländer. Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) hatte am Mittwoch in einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses im Landtag umfassende Aufklärung des Falls zugesagt. Da durch den Rückruf bislang keine Medikamente zurückgegeben wurden, wird sich aber kaum aufklären lassen, ob diese tatsächlich unwirksam waren oder nicht. mak