Überregionales : Anschlagsserie legt Bahnverkehr lahm

Vor dem G-20-Gipfel: Linksextremisten bekennen sich zu bundesweiten Brandattacken

Frank Jansen

Berlin - Knapp drei Wochen vor Beginn des G-20-Gipfels in Hamburg eskaliert offenbar der Protest gegen das Treffen der Staats- und Regierungschefs. Mutmaßlich militante Linksextremisten attackierten in der Nacht zum Montag in Hamburg, Berlin, Leipzig, Dortmund, Köln und im niedersächsischen Bad Bevensen mit Brandsätzen Kabelschächte der Deutschen Bahn. Die Anschläge legten Signalanlagen lahm, in Fern- und Regionalverkehr sowie bei S-Bahnen fielen zahlreiche Züge aus. Tausende Reisende mussten große Verspätungen hinnehmen. Die Bundespolizei zählte insgesamt 13 Angriffe. Sicherheitskreise sprachen von einer offenkundig „konzertierten Aktion“, das sei „sehr besorgniserregend“.

Zu den Anschlägen bekannte sich auf der linksextremen Internetplattform „linksunten.indymedia.org“ eine Gruppe namens „Shutdown G20 – Hamburg vom Netz nehmen“. Mit der Parole „Shut Down G-20“ mobilisieren Autonome seit Monaten zu Protestveranstaltungen gegen den Gipfel, der am 7. und 8. Juli stattfindet und bei dem auch US-Präsident Donald Trump auftreten soll.

In dem Schreiben mit der Überschrift „Kurze Unterbrechung der Reibungslosigkeit anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg“ heißt es: „Wir greifen ein in eines der zentralen Nervensysteme des Kapitalismus: mehrere Zehntausend Kilometer Bahnstrecke. Hier fließen Waren, Arbeitskräfte, insbesondere Daten.“ Die Polizei in den betroffenen fünf Ländern prüfte am Montag, ob die Selbstbezichtigung authentisch ist. Sicherheitsexperten sagten dieser Zeitung, es sei kaum zu bezweifeln, dass die Gruppierung für den Angriff verantwortlich ist. Dafür spreche schon die 2016 begonnene Serie linksextremer Brandanschläge und weiterer Delikte mit Bezug zum Gipfel. Die Polizei hat mehr als 180 Straftaten in Hamburg und weiteren Ländern registriert.

Am Samstag hatten sich zudem in Hamburg Autonome aus Deutschland und anderen Staaten zu einer „Kick-off-Konferenz für Aktionen gegen den G20-Gipfel“ getroffen. Die Linksextremisten versammelten sich in der „Roten Flora“, einem seit 1989 besetzten Gebäude im Schanzenviertel. Der Stadtteil befindet sich in der Nähe der Messehallen, in denen der Gipfel abgehalten wird. Die gewaltorientierte Vereinigung „Interventionistische Linke“ kündigte nach dem Treffen an, „wir treten heute in die heiße Phase ein – bereits einige Tage vor der Polizei“. In der Mitteilung drohte zudem ein Sprecher des Autonomen-Bündnisses „Welcome to Hell“, mit „vielfältigem, massenhaftem und unberechenbarem Widerstand wird der reibungslose Ablauf der Gipfelinszenierung gestört werden“. Die Autonomen planen für den 6. Juli eine Demonstration am Hamburger Fischmarkt, die Polizei erwartet bis zu 8000 militante Linksextremisten. Außerdem sind für den 7. und 8. Juli weitere Aktionen angekündigt, darunter „Massenblockaden“ und eine „Besetzung“ des Hafens.

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