Anhalter Bahnhof : Allianzen der Kunst

Nicola Kuhn

Heute Abend ist es wieder so weit, das 13. Gallery Weekend beginnt mit dem traditionellen Empfang, diesmal im neuen Boulez- Saal, die Musiker der Barenboim-Said- Akademie geben ein Konzert. Anschließend trifft sich die Gästeschar im Foyer, Tipps werden ausgetauscht, welche Galerien, welche der mit neuer Kunst bespielten Lofts und Lager in den nächsten drei Tagen unbedingt zu besuchen seien. Und noch ein Thema wird es geben: Was die Kölner nun schon wieder treiben.

Letztes Jahr konnte man sich noch über die Ankündigung des Art-Cologne-Chefs Daniel Hug ärgern, dass er die nächste Kölner Messe just aufs Gallery Weekend 2017 zu legen plant. Welch unverschämte Konkurrenz! In diesem Jahr hatten sich die Berliner Galeristen bereits damit zu arrangieren. So mancher Händler musste sich entscheiden, ob er nun zu Hause in seiner Galerie die angereisten Gäste empfängt oder seine Kunst in einer Koje auf der Kölner Messe anpreist. Teilen können sich die wenigsten, nur Galeristenpaaren wie Meyer-Riegger gelingt das Kunststück.

Diesmal sorgt die Art Cologne mit einer weiteren Ankündigung für Gesprächsstoff. Sie will nun in Berlin gleich eine ganze Messe installieren, die „Art Berlin“, mit Maike Cruse als Chefin, der Direktorin des Gallery Weekend Berlin. Das könnte man Chuzpe nennen oder einfach genial. Nach der Wende hatten Kölner Galeristen das Berliner Art Forum angeschoben, das jedoch 2011 von der Berliner Messegesellschaft als ungeliebt und wenig rentabel wieder fallen gelassen wurde.

Ein Jahrzehnt später will Köln den Berlinern nochmals Starthilfe geben, in einer Stadt, die sich bislang keinen Ruf für grandiose Kunstverkäufe erworben hat. Das Rheinland blieb trotz Wegzug zahlreicher Ateliers und Galerien nach Berlin weiterhin lukrativer. Als Lösung ließ man sich hier das Gallery Weekend einfallen, mit dem die Galeristen den Sammlern den roten Teppich bis vor die Ausstellungsräume ausrollen. Die Kombination Berlins als cooler Location mit Kölns kaufmännischer Expertise könnte dem Kunstbusiness der Stadt endlich richtig auf die Beine helfen. Die „Art Berlin“ soll übrigens im Herbst stattfinden. Da haben sowohl die Berliner als auch die Kölner Händler Zeit. Nicola Kuhn