Überregionales : Alles bleibt am Boden

An den Flughäfen Tegel und Schönefeld geht heute so gut wie nichts, weil das Bodenpersonal streikt

Alfons Frese Klaus Kurpjuweit

Berlin - Der Tarifkonflikt an den Berliner Flughäfen erreicht mit dem ganztägigen Streik am heutigen Freitag eine neue Stufe. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Zwar soll es am Wochenende keine weiteren Arbeitsniederlegungen des Bodenpersonals geben, doch für Anfang der kommenden Woche bereitet Verdi weitere Streiks vor, die den gesamten Flugbetrieb lahmlegen sollen. Auch am heutigen Streiktag rechnet man damit, dass alle – oder zumindest fast alle – Flüge ausfallen werden. Bei ankommenden Maschinen entscheidet die Flugsicherung, wohin sie umgeleitet werden, wenn die Landung in Berlin nicht möglich ist.

In dem Konflikt geht es um Einkommenserhöhungen für gut 2000 Abfertiger und Gepäckträger in Berlin und Tegel. Verdi will eine Erhöhung des durchschnittlichen Stundenlohns von elf auf zwölf Euro durchsetzen, die Arbeitgeber haben bislang 27 Cent angeboten. Nachdem fünf Verhandlungsrunden und einige Warnstreiks ohne Ergebnis geblieben waren, hatte Verdi vor einer Woche die Gewerkschaftsmitglieder über einen Arbeitskampf abstimmen lassen. Knapp 99 Prozent votierten dafür.

Die Gewerkschaft ruft aber nicht zu einem unbefristeten Arbeitskampf auf, um nicht gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu verstoßen und mithin ein Verbot der Streiks zu riskieren. Deshalb wird vermutlich in der kommenden Woche immer wieder mit eintägigen Streiks zu rechnen sein, weil die Arbeitgeber bislang eine Erhöhung ihres Angebots ablehnen. Die Firmen argumentieren mit den schwierigen Marktbedingungen an den Flughäfen. Alle fünf Unternehmen, die in Tegel und Schönefeld Bodendienstleistungen erledigen, schreiben angeblich rote Zahlen. Die Bodenverkehrsdienstleistungen war vor knapp zehn Jahren privatisiert worden. Seitdem gibt es einen Wettbewerb mit Preis- und Lohndumping.

Passagiere von Air Berlin, Lufthansa und Eurowings können ihre Tickets gegen einen Gutschein für eine Bahnfahrt umtauschen. Die Bahn, bei der die Züge freitags in der Regel ohnehin sehr voll sind, will bei Bedarf auf besonders belasteten Strecken zusätzliche Züge fahren lassen. Ihre Reserven an Fahrzeugen und Personal sind allerdings begrenzt. Die Lufthansa hat am Donnerstag versucht, Kunden über die Alternativen zu informieren. Der Tausch Flugticket gegen Bahngutschein ist bei ihr auch per Internet möglich. Bei Air Berlin erfolgt er an einem Flughafenschalter. In Tegel wurde ein zusätzlicher Serviceschalter eingerichtet.

Fällt der Flug aus oder verspätet er sich um mehr als fünf Stunden, gibt’s den Ticketpreis komplett zurück. Pauschalreisende müssen die Modalitäten mit ihren Vertragspartnern aushandeln. Grundsätzlich sind die Gesellschaften verpflichtet, die Passagiere ans vorgesehene Ziel zu bringen, egal auf welchen Wegen. Auch eine notwendige Zwischenübernachtung müssen die Airlines bezahlen. Nach der Wiederaufnahme der Arbeit am Samstag rechnet die Lufthansa mit einem normalen Betrieb. Die Flughafengesellschaft hält es für möglich, dass es zumindest in den ersten Stunden noch zu Einschränkungen kommen kann.

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