Jugend und Medien : Kettenbriefe sind ein Phänomen unserer Gesellschaft

Mörderische Briefe? Kettenbriefe klingen oft bedrohlich, sind jedoch meist harmlos. Trotzdem sollte man vorsichtig sein, denn manchmal enthalten sie Schadsoftware

Victoria Höving
Foto: Karl-Josef Hildenbrand /dpa

Wenn du diese Nachricht nicht an zehn weitere Kontakte schickst, wird dir das gleiche zustoßen wie Tom. Tom hat diese Nachricht nicht an zehn weitere Kontakte geschickt und drei Tage später ist seine Mutter bei einem Unfall ums Leben gekommen.“

Kettenbriefe. Sie klingen oft bedrohlich, jagen vielen Angst ein und verursachen schlaflose Nächte voller Sorgen. Die Drohungen in den Nachrichten werden oft durch Beispiele verstärkt. Wenn dann noch aus Zufall etwas passiert, lässt den Empfänger die Angst nicht mehr los. Natürlich gibt es auch andere Kettenbriefe. Es sind dann kurze schöne Texte, die oft dazu da sind, einem anderen Menschen zu sagen, wie toll er ist. Doch am Ende steht, wie auch in den Droh-Kettenbriefen, eine Aufforderung, die Nachricht an eine andere Person weiterzuleiten. Es gibt noch viele andere Arten von Kettenbriefen. Ein Brief ist dann ein Kettenbrief, sobald er eine Aufforderung zum Weiterschicken beinhaltet.

Kettenbriefe an sich gibt es schon lange, viel länger als es WhatsApp oder das Internet gibt. Die ersten Kettenbriefe waren einfache Briefe. Diese Briefe enthielten dann oft kleine Aufgaben. Zum Beispiel sollte man jemandem eine Postkarte schicken oder aus dem Rezept und dem Hefepilz, die sich im Inneren des Briefes befanden, einen Kuchen backen und einen neuen Hefepilz mit Rezept weiterschicken, sodass jemand anderes sich einen Kuchen backen konnte. Die Adressen der neuen Empfänger waren dann untereinander aufgelistet. Oft waren das unbekannte Adressen. Manchmal gab es auch Kettenbriefe, die die nationalen Grenzen überschritten und teilweise bis nach Amerika gingen. Doch auch damals gab es wie heute schon Drohbriefe.

Doch so bedrohlich diese auch klingen mögen – Kettenbriefe sind generell ungefährlich. Solche Briefe dienen einzig und allein dem Zweck, Angst hervorzurufen. Leider gelingt ihnen das häufig, obwohl den meisten Menschen die unsinnigen Inhalte bewusst sind.

Trotzdem sollte man vorsichtig mit solchen Nachrichten umgehen. Sie könnten Viren oder Schadsoftware beinhalten, die dem Computer oder Handy schaden könnten. WhatsApp hat sich für die Minimierung der Kettenbriefe im Internet eingesetzt. Jeder sieht nun, wenn Nachrichten weitergeleitet wurden. Mit einem Update soll es möglich sein, eine Nachricht nur noch drei Mal weiterzuleiten.

Doch ob diese Maßnahmen es wirklich schaffen, Kettenbriefe zu minimieren, ist fraglich. Kettenbriefe sind ein Phänomen unserer Gesellschaft, das man nicht so schnell aus unseren Alltag verbannen kann. Falls man doch einen Kettenbrief geschickt bekommt, sollte man ihn, sobald eine Drohung enthalten ist, nicht weiterschicken. Insbesondere nicht die mit einem Link. Diese könnten einen auf Seiten leiten, die einem selbst oder dem Handy schaden. Daher sollten solche Nachrichten am besten sofort gelöscht werden. Dagegen kann man Kettenbriefe mit freundlichen und harmlosen Inhalten natürlich an Freunde und Familie weiterleiten, solange der Empfänger sich nicht unter Druck gesetzt fühlt.