• Wenn der Bundestrainer in die Schule kommt

Sport : Wenn der Bundestrainer in die Schule kommt

Handball-Coach Dagur Sigurdsson ist beim AOK-Star-Training an der Stahnsdorfer Zille-Grundschule zu Gast. Dort spielt der Handball eine große Rolle

Lukas Kruse
Prominenter Besuch in der Penne. Dagur Sigurdsson, Bundestrainer und Ex-Coach der Füchse Berlin, stand mit Stahnsdorfer Schülern auf dem Handballfeld und gab ihnen Tipps.
Prominenter Besuch in der Penne. Dagur Sigurdsson, Bundestrainer und Ex-Coach der Füchse Berlin, stand mit Stahnsdorfer Schülern...Foto: Andreas Klaer

Konzentriert steht er an der Seitenlinie und verfolgt mit Argusaugen ein Handballspiel. Auf dem Feld erzielt Josi ein Tor nach dem anderen und sorgt beim Beobachter für Staunen. „Sie ist der Wahnsinn“, hört man ihn sagen. Er ist nicht irgendwer, sondern der deutsche Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson – und Josi ist eine Schülerin der Heinrich-Zille-Grundschule in Stahnsdorf.

Dass der Bundestrainer Josi am vergangenen Freitag spielen sieht, wurde durch eine gemeinsame Aktion des Deutschen Handballbundes und der Gesundheitskasse AOK Nordost ermöglicht. 1082 Schulen aus ganz Deutschland hatten sich für das so genannte AOK-Star-Training beworben, 22 von ihnen wurden dafür ausgewählt und dürfen sich über prominenten Besuch freuen.

Ein glücklicher Gewinner ist die Zille-Schule, die als sehr handballbegeistert eingestuft werden kann. Angefangen bei Sportlehrer Sebastian Heck, der sogar schon Dagur Sigurdsson in einem Spiel gegenüberstand. Heck sorgt dafür, dass der Handball nicht nur bei der besonderen Übungsstunde mit dem Ex-Coach der Füchse Berlin eine wichtige Rolle spielt, sondern auch im regulären Sportunterricht. Das sei aber nicht an allen deutschen Schulen der Fall, sagt er. „Handball ist ein sehr komplexer Sport. Die vielen Regeln sorgen dafür, dass es sehr zeitaufwendig ist, ihn im Unterricht zu behandeln“, erläutert Heck und hebt die Bedeutung der Lehrer hervor: Sie müssen das nötige Engagement zeigen, um diese Sportart an Schulen zu fördern.

Neben dem Eifer von Heck und Kollegen sorgt in der Region Teltow-Kleinmachnow-Stahnsdorf vor allem der RSV Eintracht mit seinen Arbeitsgemeinschaften an Schulen dafür, Kinder und Jugendliche für das Handballspielen zu gewinnen. Dass die Zille-Schüler deshalb beachtlich fit auf der Platte sind, entgeht Dagur Sigurdsson beim Star-Training nicht.

Während Axel Bornemann, A-Jugendtrainer des VfL Potsdam, und Adler-Spieler Caspar Jacques die Übungsstunde in zwei Gruppen leiten, mischt sich Sigurdsson immer wieder zwischen die begeisterten Nachwuchshandballer und gibt ihnen lehrreiche Hilfestellungen beim Torwurf und Dribbling. Mit Leichtigkeit und viel Spaß wird jede Aufgabe gemeistert. Ob es jetzt die Spiele zur Erwärmung, die Geschicklichkeits- und Wurfübungen oder das kleine Turnier zum Abschluss sind: Die Kleinen sind mit Leidenschaft dabei – und scheuen sich nicht, ihren prominenten Gast zwischendurch mit Fragen zu löchern. „Sind sie schon mal Weltmeister geworden? Wie alt sind sie? Bei wie vielen Mannschaften haben sie schon trainiert?“ Geduldig gibt der Bundestrainer Auskunft und stillt den Wissenshunger der neugierigen Schüler. Für Sigurdsson sind Aktionen wie das Star-Training sehr wichtig. Er sagt, es gehe hierbei nicht nur um die Sichtung verborgener Talente, sondern auch darum, ganz allgemein die Freude an der Bewegung zu vermitteln.

Dem Schulsport misst VfL-Spieler Caspar Jacques in dieser Hinsicht eine große Bedeutung bei, er sei die Grundlage für die Jugendarbeit jedes größeren Vereins. Nachwuchscoach Axel Bornemann sieht jedoch nicht nur die Schulen in der Verantwortung. „Durch die letzten Erfolge der Füchse Berlin hat der Handball an Popularität im Raum Berlin-Brandenburg gewonnen. Das gilt es zu nutzen“, sagt er und fordert daher von den Klubs, dass sie in Zukunft verstärkt auf die Schulen zugehen sollen, um spezielle Projekte aufzubauen. Der RSV Eintracht sei hierbei als großes Vorbild zu nennen.

Dass sich ein solcher Einsatz lohnt, zeigt sich bei dem abschließenden Turnier des Star-Trainings, bei dem die in vier Mannschaften aufgeteilten 40 Schüler nicht nur sichtlich Spaß hatten, sondern auch die Gäste an der Seitenlinie mit ihren Leistungen mächtig beeindrucken.

Vor allem die kleine Josi, die bereits seit vier Jahren Handball spielt und den Sport schon sehr gut beherrscht, sorgt für Erstaunen. Während sie für Dagur Sigurdsson der „Wahnsinn“ ist, mischt sich unter Axel Bornemanns Schwärmerei sogar ein wenig Wehmut: „Bei so einem starken Talent bin ich wirklich traurig, dass wir keine Mädchenmannschaft beim VfL Potsdam haben.“ Lukas Kruse

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