• Von Thomas Gantz: Dem Spektakel verpflichtet

Von Thomas Gantz : Dem Spektakel verpflichtet

Fußball-Regionalliga: Der SV Babelsberg 03 ist nach dem 3:2 über Türkiyemspor Berlin Tabellenzweiter

Thomas Gantz

Hätte ein Hellseher den Ausgang dieser Partie vorhergesagt, die Spieler des SV Babelsberg 03 hätten sicher nichts gegen das Endresultat einzuwenden gehabt. Wie der harte Kern der Anhänger nach dem Abpfiff deutlich vernehmbar mitteilte, ist ein Abschlussstand in Höhe von 3:2 sowieso nach ihrem Gusto. Vor zwei Wochen entschieden die Gastgeber ihr Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg schon mit diesem Ergebnis für sich. Vorgestern nun wurde auch noch die für Viertliga-Verhältnisse ausgesprochen ansehnliche Partie gegen Türkiyemspor Berlin mit dem ultimativen Traum-Abschlussstand der Fans gewonnen. Schöne Wochen am Babelsberger Park also.

Der SVB, vor einigen Wochen noch nach schwachem Saisonstart im Stimmungstief, ist mittlerweile nach vier Siegen in Folge Tabellenzweiter. Die Babelsberger blieben diesmal über die Dauer des gesamten Spiels dem Spektakel verpflichtet. Gäbe es nach solch einer Partie überhaupt etwas zu beanstanden, ist es die geringe Zuschauerresonanz. SVB-Cheftrainer Dietmar Demuth zeigte sich hinterher regelrecht geschockt über die Zahl von lediglich 1312 Besuchern im Karl–Liebknecht-Stadion. „Ich bin im Moment ratlos, was wir da noch machen können. Mit dieser Situation kann ich persönlich nur schwer umgehen“, sinnierte Demuth am Rande des Pressegespräches, nachdem er zuvor von einer sehr interessanten und ansehnlichen Partie gesprochen hatte, in der beide Teams sich das Idiom eines gewissen Sepp H. zu eigen machten, nach dem ein Fußballspiel neunzig Minuten dauert.

Abdenour Amachaibou (2.) und der frühere Babelsberger Florian Grossert (29./Handelfmeter) besorgten die Führung für die erstaunlich gefestigt wirkenden Berliner. Nachdem Anton Müller (25.) und Daniel Frahn mit seinem nunmehr schon zehnten Saisontor (48.) jeweils egalisieren konnten, entwickelte sich ein spannungsreiches Auf und Ab, in dem der erst 25-jährige Schiedsrichter Steffen Hösel aus Rövershagen bei Rostock teils die Übersicht verlor. Speziell der Elfmeterpfiff gegen den aus Nahdistanz angeschossenen Almedin Civa war eigentlich eine Provokation.

Hösel bekam die Partie danach nicht mehr in den Griff und gefiel sich stattdessen nach beiderseitigen Fehlentscheidungen in der für junge Unparteiische an sich nicht üblichen Pose des Selbstdarstellers. Kurios, dass sich Hösel schlussendlich mit dem Frust der zuvor von ihm durchaus protegierten Gäste zu beschäftigen hatte. Ursächlich lag dies an Sven Hartwig, der acht Minuten nach seiner Einwechslung einen Freistoß so platzierte, wie man ihn passgerechter kaum platzieren kann. Die Nachspielzeit war schon voran geschritten, als Hartwig das ruhende Leder mit Vehemenz an die Lattenunterkante donnerte. Von dort fand es den Weg ins Tor (90. + 2).

Jubel und Chaos waren die Folge. Im Gedächtnis blieb die Szene, in der Almedin Civa den im Sturmschritt herannahenden Türkiyemspor-Trainer Taskin Aksoy in einer entschlossenen Umarmung vom Schiedsrichter wegführte und ihn somit vor einer möglicherweise folgenschweren Kurzschlussreaktion bewahrte. Aksoy hatte sich schnell wieder beruhigt und lächelte wissend, als sein Babelsberger Kollege ausführte, dass an so einem Tag auch einmal das Glück dazugehört. Das Glück des Tüchtigen wohlgemerkt, denn Babelsberg 03 hat es vorgestern wieder verstanden, für den dreifachen Punktgewinn alle Reserven zu mobilisieren.