• Von Michael Meyer: Kurze Dienstfahrt in die Heimat

Von Michael Meyer : Kurze Dienstfahrt in die Heimat

Sandra Sydlik will mit dem SC Potsdam nach der Niederlage gegen Vilsbiburg nun bei ihrem Ex-Verein Köpenicker SC punkten – vor den Augen ihrer Mutter Kathrin, die ihr Vorbild ist

Michael Meyer
Punkten für Potsdam. Sandra Sydlik – hier im Heimspiel gegen Sinsheim (3:0) am Netz – steht mit Aufsteiger SC nach drei Spielen in der 1. Volleyball-Bundesliga auf Tabellenplatz zehn und strebt nun bei ihrem Ex-Verein Köpenicker SC den zweiten Saisonsieg an.
Punkten für Potsdam. Sandra Sydlik – hier im Heimspiel gegen Sinsheim (3:0) am Netz – steht mit Aufsteiger SC nach drei Spielen in...Foto: Olaf Möldner

Abhaken und nach vorn schauen – für Sandra Sydlik, die Zuspielerin des Volleyball-Erstligisten SC Potsdam, ist dies nach der klaren 0:3-Heimniederlage des Aufsteigers am Samstag gegen Rote Raben Vilsbiburg mit besonderen Emotionen verbunden. Schließlich führt die nächste Dienstfahrt ihrer Mannschaft, die kürzeste der gesamten Saison, in Sydliks bisherige Heimat: zum Köpenicker SC. Von dem kam die Spielerin mit dem langen blonden Pferdeschwanz im Sommer nach Potsdam. „Ich brauche mal ein neues Umfeld, und da hat sich Potsdam angeboten“, begründete sie damals ihren Vereinswechsel.

„Ein bisschen denke ich natürlich schon an Köpenick, schließlich habe ich dort zehn Jahre gespielt, ehe ich nach Potsdam kam“, sagt Sandra Sydlik, der das Spiel am Netz praktisch im Blut liegt. Ihre Mutter Kathrin gehörte einst unter ihrem Mädchennamen Langschwager zu den besten Volleyballerinnen der DDR, wurde mit dem damaligen Nationalteam 1986 Weltmeisterschafts-Vierte, im Jahr darauf Europameisterin und 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul Fünfte. „Meine Mutter hat mich nie zum Volleyball gedrängt, aber für mich war das keine Frage, weil sie für mich ein Vorbild war und immer noch ist“, erzählt die 19-Jährige, die inzwischen selbst auf internationale Meriten verweisen kann. 2007 wurde Sandra Sydlik Jugend-Europameisterin, in diesem Jahr in Mexiko gemeinsam mit ihren SC-Kolleginnen Laura Weihenmaier und Janine Hinderlich Junioren-Weltmeisterin.

Mit dem aus diesen Erfolgen gespeisten Selbstvertrauen geht die 1,79 Meter große Spielerin mit der Trikotnummer 15 auch ihre neue Herausforderung in Potsdam an. Vor dem Konkurrenzkampf mit Kristina Bognar und Susanne Lange, den beiden anderen Zuspielerinnen des Erstligisten, hat sie keine Angst. „Das spornt mich eher an“, erklärt sie. Und auch den Wegzug aus Köpenick, „wohin ich jetzt nur noch selten komme“, hat sie gut verkraftet. Sie hat eine Wohnung in der Potsdamer Zeppelinstraße bezogen und will in diesem Schuljahr am Zehlendorfer Schadow-Gymnasium ihr Abitur machen. Täglich pendelt sie mit dem Auto zwischen Wohnung, Zehlendorf und Trainingsstätte, „und wenn ich in der Schule mal ein paar Freistunden habe, fahre ich zum Potsdamer Hauptbahnhof und mache dort mein Krafttraining“, so Sandra Sydlik, die sich persönlich auf eine Partie am liebsten mit einem oder zwei Stückchen Schokolade, guter und lauter Musik und kurz vor dem Spielbeginn mit einem Blick zu ihrer Familie vorbereitet. Denn Mutter Kathrin und Schwester Luisa (12), die bei Rotation Prenzlauer Berg ebenfalls Volleyball spielt, sind möglichst bei jedem Spiel in der Nähe dabei.

Die Familie wird natürlich auch am kommenden Samstag in der neuen Sporthalle Hämmerlingstraße dabei sein, wenn ihre Sandra mit dem SC ab 19 Uhr bei ihrem alten Verein antritt. „Das wird ein Spiel zweier Mannschaften auf Augenhöhe“, glaubt die Neu-Potsdamerin, die noch telefonischen Kontakt zu einigen ehemaligen Mitspielerinnen hat. „Die neue Halle dort kenne ich aber noch nicht, auf die bin ich auch neugierig“, meint Sandra Sydlik, die nach eigener Auskunft stes optimistisch in die Spiele am Netz geht. „Ans Verlieren denke ich immer erstmal gar nicht. Und nach der jetzigen Heimniederlage gegen Vilsbiburg werden wir auch nicht den Kopf hängen lassen“, erklärt sie. „Schließlich war das der Vizemeister und wir sind Aufsteiger. Wir werden unsere Fehler aus dieser Partie auswerten und dann nach vorn schauen.“ Richtung Köpenick.

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