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VfL Potsdam : Der verlängerte Arm

Daniel Deutsch steht vor einer besonderen Rückrunde beim Handball-Drittligisten VfL Potsdam. In dieser soll er wie bisher auf dem Parkett das Sprachrohr von Coach Jens Deffke sein. Also von dem Mann, dessen Posten er zur neuen Saison übernehmen wird.

Er dirigiert das Geschehen auf dem Parkett. Daniel Deutsch ist unumstrittener Führungsspieler beim Handball-Drittligisten VfL Potsdam. Ab Sommer sind seine Qualitäten als Cheftrainer gefragt.
Er dirigiert das Geschehen auf dem Parkett. Daniel Deutsch ist unumstrittener Führungsspieler beim Handball-Drittligisten VfL...Foto: Julius Frick

Die Vereinsfunktionäre des VfL Potsdam waren in den vergangenen Wochen bemüht, zu betonen, dass der Handball-Drittligist kein Proficlub ist. Angesichts der Diskussion, für die defizitär betriebene MBS-Arena den SC Potsdam oder eben den VfL stärker zur Kasse zu bitten, weil es vermeintlich Profivereine seien, sah sich VfL-Präsident Norbert Ahrend zur Klarstellung genötigt: „Weder die Strukturen des Vereins noch der Bereich des Leistungssports, in diesem Fall die erste Männermeisterschaft des VfL, sind mit einem Profiverein gleichzusetzen.“ Doch wird vor allem in den kommenden Wochen äußerst viel Professionalität beim VfL gefordert sein.

Die sensible Konstellation, dass der Vertrag mit dem amtierenden Trainer Jens Deffke zum Saisonende nicht verlängert wird, sondern Daniel Deutsch als derzeit aktiver Spieler das Amt des Chefcoaches übernimmt, erfordert einen professionellen Umgang. „Das ist sicher keine normale Situation“, gibt Deutsch zu. Auch wenn er und Deffke bereits seit einigen Spieltagen gewusst haben, dass es möglicherweise zu diesem Personalwechsel kommt, ist seit gut zwei Wochen nun auch das gesamte Team im Bilde. „Ich habe kurz mit der Mannschaft gesprochen und betont, dass ich das kommende halbe Jahr ausschließlich Spieler bin“, sagt Deutsch.

Daniel Deutsch avancierte schnell zum Führungsspieler

Als dieser ist der 35-jährige Rückraumspieler indes längst der verlängerte Arm von Trainer Deffke. Mit seiner Erfahrung unter anderem aus vier Jahren 2. Bundesliga bei TSV Hannover-Burgdorf sowie als Kapitän des einstigen VfL-Drittligarivalen HF Springe, mit seiner Routine und Persönlichkeit avancierte Deutsch seit seiner Ankunft in Potsdam im Sommer 2015 zu Deffkes Vertrautem auf dem Trainings- und Punktspielparkett. „Das ist normal“, sagt Deutsch, „in jeder Mannschaft gibt es ein, zwei solcher Spieler.“

Auf die Trainerbank zu wechseln, ist für Deutsch kein Zufallsprodukt. „Natürlich ist der Trainerjob schwer planbar“, sagt er und freut sich daher umso mehr, ab Sommer – gleich bei einem Drittligisten – die Chance zu haben. Die Möglichkeiten, mit jungen Spielern unter guten Trainingsbedingungen zu arbeiten, seien sehr gut. Er ist übrigens nicht der erste VfL-Trainer, der den Rollenwechsel vom Spieler zum Trainer so schnell vollzieht: 2006 war es Alexander Haase, der nach einer schweren Verletzung seine Karriere beendete und fortan die Regie als Trainer übernahm und den Zweitligaaufstieg meisterte. Heute ist Haase Co-Trainer der deutschen Handballauswahl und sportlicher Leiter beim VfL – und damit mitverantwortlich für den Trainerwechsel nach Saisonende. „Ich traue Daniel eine erfolgreiche Trainerkarriere zu, für die der VfL ein gutes Sprungbrett sein kann“, so Haase.

Zum Rückrundenstart gegen den Letzten und Vorletzten

15 Spiele sind es noch bis zum wohl gravierendsten Positionswechsel in Deutschs bisherigem Handballerleben. Eine komplette Rückrunde in der Nordstaffel der 3. Handball-Liga Nord, in der der VfL die knapp dreiwöchige Spielpause während des Jahreswechsels auf Platz vier verbracht hat. Mit zwei siegreichen Spielen hatte der VfL die Hinrunde beendet. „Die Rückrunde wird schwieriger“, ahnt Daniel Deutsch und meint damit nicht nur die Auswärtsspiele bei den drei aktuell führenden Teams – Norderstedt/Henstedt-UlzburgAltenholz und Hamburg. Auch die Spiele in Fredenbeck und Flensburg, die in Potsdam knapp mit einem Tor verloren beziehungsweise gewonnen wurden, werden nicht nur wegen der langen Anfahrt eine Herausforderung. „Und die Teams, die tabellarisch scheinbar leicht zu schlagen sind, werden gleich zu Beginn der Rückrunde alles investieren, um den Abstiegsplätzen zu entkommen“, vermutet Deutsch.

Mit gleich zwei Vertretern aus dem Tabellenkeller bekommt es der VfL zum Rückrundenstart zu tun. Am Sonntag gastiert Schlusslicht SV Beckdorf in der MBS-Arena (Beginn: 16 Uhr). Auf dem Papier eine klare Angelegenheit, doch ist dem VfL die Erfahrung der vergangenen Saison Warnung genug. Da fuhren die Adler siegessicher zum Rückrundenauftakt zum Tabellenletzten nach Usedom – und verloren. „Gerade in der Pause vor der Rückrunde rücken abstiegsbedrohte Teams noch einmal zusammen und schwören sich ein“, glaubt Deutsch.

Keine gewöhnlichen Spiele mehr für Daniel Deutsch

Auch knapp zwei Wochen später sei dies zu erwarten, wenn am 20. Januar zusätzlich Derby-Atmosphäre die MBS-Arena einheizt. Dann kommt der aktuell Vorletzte, HV Grün-Weiß Werder, nach Potsdam. In dessen Reihen spielen bekanntlich eine Vielzahl ehemaliger VfL-Handballer. Kein gewöhnliches Spiel. Aber das sind die kommenden für Daniel Deutsch ohnehin nicht.