• UJKC Potsdam: Viel Hoffnung im „Kindergarten“

UJKC Potsdam : Viel Hoffnung im „Kindergarten“

Zwar schieden die Judo-Männer des UJKC Potsdam gegen den JC Leipzig wieder im Bundesliga-Viertelfinale aus, doch beim Blick auf die Altersstruktur der Mannschaft schöpft der Verein Mut. Es wird auf den Reifungsprozess gesetzt - auch im weiblichen Bereich.

Aufstrebend. Erik Abramov gehört zu den großen UJKC-Talenten.
Aufstrebend. Erik Abramov gehört zu den großen UJKC-Talenten.Foto: Gerhard Pohl

Auch wenn zum fünften Mal in Folge für die Judo-Männer des UJKC Potsdam die Tür zum Halbfinale der deutschen Mannschaftsmeisterschaft verschlossen blieb, war Mario Schendel stolz. „Was unsere Truppe diese Saison abgeliefert hat, ist phänomenal“, sagte der UJKC-Cheftrainer, dessen Team am Samstag den Bundesliga-Viertelfinalrückkampf beim JC Leipzig 6:8 verlor – mit demselben Ergebnis ging bereits das erste Duell der beiden Teams eine Woche zuvor in der MBS-Arena aus, sodass der UJKC wieder seine Endstation in der Runde der besten Acht fand. Dreimal kam Potsdam bislang unter die Top 4 – zuletzt 2012.

"Es tut ein bisschen weh, aber keine Enttäuschung"

Dass der erneute Sprung in die Spitze nun verpasst wurde, hing in nicht gerade geringem Maße mit der personellen Situation zusammen. Verletzungen und Nationalmannschaftsberufungen dünnten den Kader der Brandenburger aus. Im Falle von UJKC-Frontmann Philipp Galandi traf beides zu. Den Hinkampf gegen Leipzig verpasste der U23-EM- und Universiade-Dritte wegen einer Blessur, vorgestern fehlte er, weil ihm kurzfristig vom Deutschen Judo-Bund angeboten wurde, zu einem Lehrgang nach Brasilien zu reisen. „Es wurde uns als Verein die Entscheidung überlassen, ob wir das Okay geben“, erklärte Schendel. „Das haben wir, denn die Liga ist zwar eine schöne Sache, im Endeffekt geht es uns jedoch um die persönliche Entwicklung unserer Athleten. Wir wollen sie unterstützen, damit sie irgendwann bei Olympia stehen.“ Dafür wurde die Schwächung auf der Bundesliga-Matte in Kauf genommen.

Dort tummelte sich gegen Leipzig „ein Kindergarten“ aus Potsdam, wie Mario Schendel befand. Im Schnitt unter 20 Jahre alt seien seine Sportler gewesen. „Da mangelt es eben an Erfahrung. Trotzdem haben sie sich klasse verkauft.“ Das tat die „Rasselbande“ schon in der Hauptrunde. Diese hatte der UJKC erstmalig als Sieger der Nordstaffel abgeschlossen und traf deshalb im Viertelfinale auf den vermeintlich leichtesten Gegner – der Kontrahent aus Sachsen belegte „nur“ Rang vier im Süden. „Die Chance aufs Weiterkommen war mit so einer guten Ausgangslage groß“, meinte der Coach. „Daher tut es ein bisschen weh, dass es nicht geklappt hat. Von Enttäuschung spreche ich aber ganz sicher nicht. Eher machen unsere Auftritte Mut für die Zukunft. Geben wir den Jungs noch ein, zwei Jahre, dann sieht das alles schon ganz anders aus.“

Zwei Potsdamerinnen standen in Liga-Endrunde

Und nicht nur im männlichen Bereich wird hoffnungsvoll auf den Reifungsprozess gesetzt. Auch für die jungen Damen vom Luftschiffhafen gilt dies. Der dreifache deutsche Frauenjudo-Mannschaftsmeister Potsdam stellt seit dem Jahr 2011 keine weibliche Truppe mehr im Ligabetrieb. Laut Vereinspräsident Helmar Hentschke ist es jedoch das erklärte Ziel, perspektivisch wieder zurückzukehren. Etliche eigene Talente entwickeln gerade das nötige Format für dieses Vorhaben.

Zwei von ihnen sind inzwischen bereits mit der Bundesliga-Bühne vertraut, allerdings mussten sie am vergangenen Wochenende wie die UJKC-Herren einen mannschaftlichen Misserfolg hinnehmen. Dena Pohl, unlängst Bronzemedaillengewinnerin der U21-Europameisterschaft geworden, sowie die amtierende U18-Europa- und -Weltmeisterin Marlene Galandi scheiterten als Gaststarter mit ihren Clubs bei der nationalen Team-Endrunde in Bottrop jeweils am neuen Champion TSG Backnang. Erst musste sich im Halbfinale Galandis JSV Speyer knapp 6:8 geschlagen geben, ehe im dramatischen Finale der JC Wiesbaden um Pohl noch knapper das Nachsehen hatte – das 7:7 nach Einzelsiegen wurde über die Unterpunkte zugunsten Backnangs entschieden. Marlene Galandi setzte allerdings ein persönliches Ausrufezeichen: Die 17-Jährige bezwang vorzeitig Martyna Trajdos, Europameisterin von 2015. 

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