• UJKC Potsdam: Aus dem Judo-Land und einem Land des Krieges

UJKC Potsdam : Aus dem Judo-Land und einem Land des Krieges

Mit 38 Athleten plant der UJKC Potsdam für die diesjährige Judo-Bundesligasaison. Darunter sind zwei ausländische Gaststarter mit besonders interessanten Geschichten: Ein Japaner, der eigentlich nur noch Trainer ist und nun in die Bundesligahistorie eingeht, sowie ein syrischer Geflüchteter.

Für die Judo-Bundesligasaison 2018 hat der UJKC Potsdam einen 38-köpfigen Kader formiert. 21 Kämpfer stammen aus den eigenen Club-Reihen, fünf Aktive kommen vom kooperierenden Berliner Stützpunkt und den Rest bilden ausländische Gaststarter. Zur letzteren zwölf Mann starken Gruppe gehören im Gewichtslimit bis 60 Kilogramm zwei Sportler mit besonders interessanten Geschichten: Takafumi Kitahara und Mohamad Akkash.

Kitahara wird der erste Athlet aus dem Judo-Mutterland Japan sein, der auf die deutsche Bundesliga-Matte tritt. Beim ersten Kampftag am Samstag gegen den amtierenden Titelträger Hamburger JT (Beginn: 18 Uhr/MBS-Arena) sei der 26-Jährige gleich dabei, kündigt UJKC-Cheftrainer Mario Schendel an. „Das wird ein Überraschungspaket. Ich bin sehr gespannt, denn ich habe ihn tatsächlich noch nie kämpfen sehen.“ Das liegt vor allem daran, dass der Asiate eigentlich gar nicht mehr aktiv ist. Er arbeitet seit vergangenem Sommer als Trainer in Schottland, wohin der Potsdamer Verein schon lange einen engen Kontakt pflegt. Es entstand dann die Idee, den Coach zu reaktivieren. Für Potsdam. „Takafumi ist heiß darauf, selbst zu kämpfen. Angeblich trainiert er zurzeit mehr als seine Sportler, wurde mir berichtet“, erklärt Schendel grinsend und glaubt, Kitahara könne seine Truppe enorm bereichern. „In Japan ist er zwar nicht über Platz vier der nationalen Rangliste hinausgekommen. Aber wir sprechen hier von Japan. Also ist das immer noch verdammt gut.“

"Das wäre der Knall im All"

Verdammt ehrgeizig sei wiederum Mohamad Akkash. Vor zwei Jahren floh er mit seinem Bruder aus dem kriegsgebeutelten Syrien. Beide hatten in ihrer Heimat das Judo-Abc gelernt. Als sie dann nach Ludwigsfelde kamen, schlossen sich die Geschwister dem dortigen Judoverein an, bei dem einst Olympiasiegerin Yvonne Bönisch ihre glorreiche Karriere begann. Für die Ludwigsfelder Truppe war das syrische Duo allerdings verhältnismäßig zu gut. Daraufhin wurden sie weitervermittelt. Zunächst an den SV Motor Babelsberg, wo beide jedoch auch wieder über dem Niveau der anderen agierten. Deshalb schickte Daniel Keller, Motor-Präsident und Vorsitzender des Brandenburgischen Judo-Verbandes, sie zum UJKC.

Vor allem Mohamad Akkash beeindruckte dann Mario Schendel. „Der Junge kann Judo. Ihm fehlen zwar noch ein paar taktische Finessen, aber er hat großen Willen“, sagt der Coach. Drei- bis viermal in der Woche trainiert Akkash, der mit seinem Bruder inzwischen auch in Potsdam untergebracht ist, nun am Luftschiffhafen mit. „Er wird seine Bundesligaeinsätze kriegen“, verspricht Schendel. „Und wenn er dann auch noch gewinnt, wäre die Geschichte natürlich rund. Das wäre der Knall im All.“ 

+++ Potsdamer Mannschaftskader +++

Gewichtsklasse bis 60 Kilogramm:
Paul Schwisow, Nick Pöppler, Lawrence Reysin, Mohamad Akkash (Syrien), Takafumi Kitahara (Japan), Yanislav Gerchev (Bulgarien)
Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm:
Bennet Pröhl, Linus Zarse, Acland Wendt, Florian Hecht, Baruch Shmailov (Israel), Denislav Ivanov (Bulgarien), Neil MacDonald (Großbritannien) 
Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm:
Martin Setz, Kilian Ochs, Ruven Lemke, Georg Siegemund (Berlin)
Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm:
Janosch Hunfeld (Berlin), Paul Gaffke, Tom Dielforder, Paul Böhme, Ivaylo Ivanov (Bulgarien), Laszlo Csoknyai (Ungarn), Stuart McWatt, Jan Gosiewski (beide Großbritannien)
Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm:
Tim Schmidt, Marvin Belz, Fabian Galandi, Christopher Schwarzer, Matteo Habermann (Berlin), Faruch Bulekulov (Kirgistan), Krisztian Toth (Ungarn)
Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm:
Philipp Galandi, Ole Buth, Yvo Witassek, Daniel Zorn (Berlin)
Gewichtsklasse über 100 Kilogramm:
Erik Abramov, Niklas Pelz (Berlin)