Von Matthias Koch : Fussball mit ss

Der BFC Dynamo will sein neues Logo als Marketingtrick verstanden wissen

Matthias Koch
Modern sieht keines aus. Norbert Uhlig, Präsident des BFC Dynamo, vor dem alten Logo des Klubs (links) und dem neuen.Alle Bilder anzeigen
Fotos: Max Poschmann
12.06.2009 04:16Modern sieht keines aus. Norbert Uhlig, Präsident des BFC Dynamo, vor dem alten Logo des Klubs (links) und dem neuen.

Berlin - Viele Anhänger des Fußball- Oberligisten BFC Dynamo zückten ihre Handys. Sie fotografierten beim Heimspiel gegen Tennis Borussia das neue Emblem des Vereins, das auf der Rückseite der Haupttribüne im Sportforum prangte. Da der Schriftzug BFC und das traditionelle D geschützt sind, wurden der Ost- Berliner Bär, das Gründungsjahr 1966 und der Schriftzug „Berliner Fussball Club Dynamo“ ausgewählt. Fussball statt Fußball – bewusst mit ss in Frakturschrift.

„Als Vorlage diente unsere mehr als 40 Jahre alte Traditionsanstecknadel“, sagt Peter Meyer. Der Chef des Wirtschaftsrates verweist auf das damals in der Rechtschreibung gebräuchliche Doppel-s und bezeichnet die Neuauflage als einen Marketing-Trick, den man sich beim Weltverband Fifa abgeschaut habe, der in der Schweiz sitzt und auch „Fussball“ schreibt. „Wir hofften, dass sich alle über die Schreibweise aufregen und unser Logo so durch die Republik wandert“, sagt Meyer. „Frei nach dem Motto: Ihr könnt uns alle Scheiße finden, aber wir sind der BFC und nur wir schreiben Fussball mit kleinem ss.“

In den Fan-Foren wurde mehr über die falsche Rechtschreibung als über die Nazi-Anspielung diskutiert. Aber „die meisten Fans nehmen diese Veränderung hin. Sie wissen, warum es zu diesem Schritt kommen musste“, sagt der Fanbeauftrage Rainer Lüdtke.

Ein Jahrzehnt lang haben Klub-Funktionäre versucht, die Rechte am Vereinslogo zurückzuerlangen. Sie gingen in der Phase verloren, als der Verein FC Berlin hieß. „1992 hat mich die Registrierung als Geschmacksmuster und dann als Wort- und Bildmarke 80 Mark gekostet", erinnert sich der Berliner Souvenierhändler Peter Klaus Dieter Mager. Später konnte er kistenweise nachgearbeitete Fanartikel verkaufen. „Das war ein gutes Geschäft“, berichtet Mager.

Das wollte nach der Rückbenennung 1999 auch der BFC machen, der zunächst vergeblich gegen Mager prozessiert hatte. 2001 verkaufte Mager, der sich immer wieder kleineren Drohungen aus dem BFC-Umfeld ausgesetzt sah, die historische Marke für rund 50 000 Mark an Rayk Bernt, der zusammen mit André Sommer 2001 als Notvorstand den Verein vor dem Aus gerettet hatte. Beide stehen der in Deutschland teilweise verbotenen Motorradgruppierung Hells Angels nahe. Bernt beteiligte seinen Klub mit zehn Prozent am Gewinn. Seit einer Teilung der bestehenden Marke im Frühjahr 2007 ist Bernt wohl nur noch Verwalter.

Beim Deutschen Patent- und Markenamt ist auch Thomas Thiel als Besitzer eingetragen. Der ehemalige Hauptsponsor und Aufsichtsrat von Tennis Borussia verbüßt seit April 2009 wegen häuslicher Gewalt und Kindesmissbrauchs eine Haftstrafe. Thiel soll das alte Logo für eine sechsstellige Summe gekauft haben.