Von Frank Bachner : Zum Jagen geschlittert

Bei den Meisterschaften im Eiskunstlauf drängen nach der Olympiasaison die Talente nach vorne. Nur Sawtschenko/Szolkowy sind ungefährdet

Frank Bachner
Muss sich strecken. Die 17-jährige Olympiateilnehmerin Sarah Hecken hat bereits jüngere Konkurrentinnen.
Muss sich strecken. Die 17-jährige Olympiateilnehmerin Sarah Hecken hat bereits jüngere Konkurrentinnen.Foto: dpa

Berlin - Der Weg von der Sporthalle in der Berliner Paul-Heyse-Straße zur Straße ist eisig glatt. Vor allem ist er rund 80 Meter lang, wer nicht aufpasst, knallt hin. Peter Liebers hat sich extra Sportschuhe mit besonders rauen Sohlen gekauft. Auf denen trottet er jetzt vorsichtig zu seinem Auto. Ein gebrochenes Bein, das würde ihm gerade noch fehlen.

Eigentlich war er quasi schon auf dem Weg zu den Deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften in Oberstdorf. Die beginnen heute, und Peter Liebers vom SC Berlin ist der große Favorit. Eigentlich, sagt seine Trainerin Viola Striegler, dürfte da nichts passieren. Eigentlich dürfte Liebers nur verlieren, wenn er ein paar mal aufs Eis purzelt.

So einfach ist das?

So einfach ist das nicht. „Die jüngeren Athleten jagen die älteren beziehungsweise etablierteren“, sagt Reinhard Ketterer, der Leitende Landestrainer in Berlin.

Oberstdorf 2011, das ist auch ein Kampf um Wachablösung, bei den Männern und den Frauen zumindest. Routiniers haben aufgehört, die Jungen, die hoffnungsvollen Talente drängen nach. Für das deutsche Eiskunstlaufen ist das von Vorteil, national gesehen. Die ganz andere Frage ist, wie sich die deutschen Athleten bei internationalen Wettkämpfen präsentieren.

Liebers hat seinen schärfsten Konkurrenten verloren, Stefan Lindemann, den WM-Dritten von 2004 und lange sein Trainingskumpel. Lindemann hat nach der Olympiasaison Schluss gemacht. 2010 ist er noch Deutscher Meister geworden. Klar ist Liebers Favorit, „aber die Jungen sind bissig“, sagt Ketterer. Talente wie Paul Fentz, Franz Streubel, Denis Wieczorek oder Daniel Dotzauer, alle 18, 19 Jahre alt. „Wenn einem von ihnen eine Glanzleistung gelingt und Peter etwas wackelig läuft, dann könnte es eng werden“, sagt Ketterer. Liebers hat die mit Abstand beste Ausstrahlung aller Läufer, die Ausstrahlung war bisher sein großes Manko, aber bei den Sprüngen sehen die Jüngeren nicht so viel schlechter aus.

Bei den Frauen muss Sarah Hecken gegen die Jüngeren kämpfen. Das hört sich etwas seltsam an, weil die Mannheimerin selber erst 17 Jahre alt ist, aber dahinter lauert schon zum Beispiel Constanze Paulinus, die 15-Jährige, die jetzt in Berlin trainiert. Hecken ist Titelverteidigerin und in der Favoritenrolle. Annette Dytrt, die lange das deutsche Eiskunstlaufen mit Pleiten, Pech und Erfolgen geprägt hatte, ist endgültig zurückgetreten. Hecken will jetzt ihren Platz als Nummer eins zementieren. Im Training springt sie vier verschiedene Dreifachsprünge. Constanze Paulinus dagegen hat eine bemerkenswert gute Ausstrahlung. „Bei den Frauen bin ich hochgradig gespannt“, sagte Viola Striegler.

Bei den Paaren dreht sich alles um die Doppel-Weltmeister Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy. Was haben sie ohne den Druck von Olympia drauf? Sie haben viel drauf, das hat man beim Grand-Prix-Finale gesehen. Dort haben sie grandios gewonnen. Aber sie orientieren sich vor allem an der EM und der WM. „Es waren noch nicht alle Elemente da, und wir können sie auch noch qualitativ besser machen“, sagte Szolkowy nach dem Grand-Prix-Finale.

Im Eistanz fehlen William und Christina Beier, die Meister von 2010 – auch sie haben aufgehört. Damit rücken Nailya Schiganschina und Alexander Gaszi in die Favoritenrolle. Aber Tanja Kolbe und Stefano Caruso können ihnen durchaus gefährlich werden. Bemerkenswert, das Paar läuft erst seit ein paar Monaten zusammen. Tanja Kolbe tanzte zuvor noch mit Sascha Rabe. Der hat aber einen anderen Termin im Kopf. Am 14. Januar wird das Urteil in seinem Prozess verkündet. Rabe fordert Schadensersatz von Udo Dönsdorf. Der DEU-Sportdirektor soll ihn sexuell belästigt haben.