SERIE : Qualität statt Tradition Bundesliga im Test

Wolfsburg kann sich unter Felix Magath zu einem Spitzenklub entwickeln

Mathias Klappenbach

Am 15. August beginnt die Fußball-Bundesliga. In unserer Serie testen wir die Vereine auf Stars, Stimmung und Chancen. Heute Folge 14: VfL Wolfsburg.

Was hat sich verbessert? Noch einmal der Kader. Nachdem Felix Magath in der vergangenen Saison eine neue Mannschaft auf den Platz gestellt hatte, verstärkte er das Team jetzt auf den schwächer beziehungsweise noch nicht ganz so stark besetzten Positionen. Das waren vor allem die der Außenverteidiger, wo rechts nun Weltmeister Cristian Zaccardo verteidigt, links steht der Brasilianer Rodrigo Alvim bereit. Noch wichtiger ist, dass der hochwertige Kader nun eingespielt ist.

Wer sind die Stars? Magath legt Wert auf fußballerische Qualität, Glamourfaktor und Vermarktungsmöglichkeit einzelner Spieler interessieren ihn nicht. Teuerster Zugang ist mit 14 Millionen Euro Verteidiger Andrea Bar zag li, ebenfalls Weltmeister. Zaccardo hat nur halb so viel gekostet. Aber Abwehrspieler aus Italien sind keine Stars wie Luca Toni. Am spektakulärsten spielt noch immer Marcelinho. Der hat jetzt ein Angebot von Flamengo Rio de Janeiro. „Die haben erst einmal mündlich bei angefragt“, sagte Marcelinhos Berater Wolfgang Nothdurft gestern Abend. Ein Wechsel sei möglich, Marcelinhos Bleiben aber wahrscheinlicher. Beim VfL hat der 33-Jährige in Zvezdan Misimovic, einem herausragenden Fußballer, Konkurrenz bekommen.

Welche Taktik ist zu erwarten? Wolfsburg ist ein unangenehmer Gegner. Verliert der VfL den Ball, ziehen sich die äußeren Mittelfeldspieler sofort zurück und bilden mit dem zentralen defensiven Mann eine Dreierkette vor der Abwehr. Das kompakte Mittelfeld verschiebt optimal zwischen Abwehr und Angriff. Das ist schön anzusehen, denn vor dem Regisseur Marcelinho (oder Misimovic) sind die Spitzen Grafite und Edin Dzeko immer gut anspielbar. Zudem soll noch ein Top- Stürmer geholt werden, gehandelt werden Antonio Di Natale (noch ein Italiener) und der Argentinier Javier Saviola, der Real Madrid verlassen kann.

Wer hat das Sagen im Verein? Natürlich der Trainermanagergeschäftsführer Felix Magath. Er ist vom Personal bis zur Nachwuchsförderung für alles zuständig.

Wie ist die Stimmung im Stadion? Diskret, aber gut. Auch wenn selbstgerechte Fans sogenannter Traditionsvereine auf Klubs wie Wolfsburg schimpfen: Hier hat sich in den vergangenen Jahren mit etwas Nachhilfe vom Klub eine Fanszene entwickelt. Dass derzeit schon mehr als 15 000 Dauerkarten verkauft sind, liegt nicht nur daran, dass in Wolfsburg viele Italiener leben. Familien sind gern gesehene Gäste, und die neuen Bierbecher sind jetzt pfandfrei und recycelbar. Dass ein Bier dafür statt 0,5 nur noch 0,4 Liter groß ist, würde nur bei manchem Traditionsverein für Aufruhr sorgen.

Welche Platzierung ist zu erwarten? Marcelinho redet von der möglichen Meisterschaft, das hat er aber früher auch bei Hertha getan. So weit wie die Bayern und auch Schalke und Bremen sind die Wolfsburger nicht. Noch nicht. Vorne mitzuspielen und sich in der Spitze zu etablieren, ist ein sehr realistisches Ziel.

Morgen: Hamburger SV. Die gesamte Serie finden Sie im Internet unter: www.tagesspiegel.de/sport

Folge 14:

VFL WOLFSBURG