• Turbine Potsdam: Nullnummer mit Nebengeräusch

Turbine Potsdam : Nullnummer mit Nebengeräusch

Leverkusens Torhüterin Schmitz wechselt im Sommer nach Potsdam – dies bedeutet das Aus für Anna Sarholz nach neun Jahren im Verein.

Kommen und gehen. Anna Sarholz (l.) wird nach neun Jahren Turbine verlassen, Lisa Schmitz wird künftig in Potsdam spielen. Am gestrigen Sonntag begegneten sich die Torfrauen im Karl-Liebknecht-Stadion.
Kommen und gehen. Anna Sarholz (l.) wird nach neun Jahren Turbine verlassen, Lisa Schmitz wird künftig in Potsdam spielen. Am...Foto: M. Thomas

Nach dem 0:0 zwischen Turbine Potsdam und Bayer Leverkusen standen Anna Sarholz und Lisa Schmitz am Sonntag noch einige Minuten auf dem Rasen des Karl-Liebknecht-Stadions beisammen und plauderten. Zwei Fußball-Torhüterinnen unter sich, ein Dialog zwischen gebürtigen Kölnerinnen. Als die schwache Bundesligapartie ausgewertet war, gab es zur Verabschiedung ein freundschaftliches Händeschütteln – im Sommer werden sich die beiden 22-Jährigen dann bei Turbine die Klinke in die Hand geben.

Denn während der Vertrag von Anna Sarholz ausläuft und nicht mehr verlängert wird, wechselt Lisa Schmitz zur kommenden Saison vom Rhein an die Havel. „Ich freue mich darauf, mehr um einen Platz in der Startelf kämpfen zu müssen“, erklärte die Leverkusenerin, die seit 2008 bei Bayer spielt und sich seitdem als Stammkraft 84-mal in der Bundesliga zwischen die Pfosten des Teams gestellt hat. „Wir brauchen noch mehr Konkurrenzkampf auf der Torhüterposition. Lisa und Fei Wang werden sich gut ergänzen“, begründete Potsdams Cheftrainer Bernd Schröder die Verpflichtung der früheren U17- und U19-Europameisterin.

Für Anna Sarholz ist es ein Schlag ins Gesicht

Für Anna Sarholz sind solche Aussagen wie ein wuchtiger Schlag ins Gesicht. Seit 2006 steht sie in Diensten des Brandenburger Frauenfußballklubs und erarbeitete sich dabei Kult- und Heldenstatus – vor allem durch ihr forsches und unerschrockenes Auftreten beim Champions-League-Triumph 2010, als sie im Endspiel gegen Olympique Lyon mit zwei Paraden und einem verwandelten Schuss zur entscheidenden Figur des Elfmeterschießens wurde.

Im Laufe der Jahre ist aus der Protagonistin aber eine Komparsin geworden, die ihre Daseinsberechtigung durch den Schmitz-Wechsel nun völlig verliert. „Das ist enttäuschend und tut unheimlich weh“, kommentierte Anna Sarholz ihr bevorstehendes Aus bei Turbine. „Dass Spielerinnen kommen und gehen, gehört zum Geschäft. Dennoch macht mich das Ende nach so langer Zeit traurig.“ Wie und wo es für sie weitergeht, sei bisher noch nicht spruchreif. „Dazu äußere ich mich erst, wenn die Tinte trocken ist.“

Der Vertrag von Lisa Schmitz ist unterschrieben

Unter dem bis Juni 2017 datierten Kontrakt von Lisa Schmitz ist dies bereits geschehen. 2 060 Zuschauer nutzten daher am Sonntag die Chance, die baldige Potsdamerin bei der Arbeit zu beobachten. Doch so richtig auszeichnen konnte sich die 1,72 Meter große Sportlerin nicht. „Wir haben sehr gut verteidigt, deshalb hatte ich nicht viel zu tun“, sagte die Keeperin. Ihr strahlend gelbes Trikot dokumentierte dies – es war auch nach dem Abpfiff noch so sauber wie zu Spielbeginn.

Die Gastgeberinnen, weiterhin Tabellenvierte, rannten sich bei ihren unkontrollierten Angriffsbemühungen immer wieder in der Bayer-Abwehr fest und eröffneten dem Kontrahenten bei Gegenstößen und nach Eckbällen einige gute Tormöglichkeiten. Die besten der Partie hatte aber Turbine – in Person von Genoveva Anonma. Zunächst traf die Stürmerin in der 13. Minute bei einem Schuss aus 25 Metern die Latte, dann schoss sie den Ball von Höhe des Elfmeterpunkts über den Querbalken (44.).

„Für uns war das ein wichtiger und nicht unbedingt zu erwartender Punktgewinn“, konstatierte eine zufriedene Lisa Schmitz, deren Team als Neunter vier Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz hat. Den Klassenerhalt will sie mit der Werkself an den letzten beiden Spieltagen der Saison perfekt machen. Und dann gibt es ein neues – persönliches – Ziel: „Ganz klar, ich will die Nummer eins bei Turbine werden.“ Diesen Status hatte in der Hinrunde noch Anna Sarholz genossen. Dann kam Fei Wang, nun kommt Lisa Schmitz.  

 

Turbine: Wang; Pedersen, Elsig, Wesely; Nagasato, Kemme, Wälti, Rauch (68. Cramer); Schwalm, Anonma (59. Krso), Kulis (46. Andonova)