• Turbine Potsdam gegen den 1. FFC Frankfurt: Spektakel mit Schlusspointe

Turbine Potsdam gegen den 1. FFC Frankfurt : Spektakel mit Schlusspointe

Turbine Potsdam spielt stark gegen den Rivalen 1. FFC Frankfurt, verliert die 50. Auflage des Frauenfußball-Klassikers jedoch mit 3:4. Nach der hochklassigen Partie endete die Pressekonferenz mit einer besonderen Geste von Frankfurts Manager Siegfried Dietrich.

Geschlagen. Turbines Torhüterin Bryane Heaberlin und Verteidigerin Lidija Kulis sind fassungslos nach dem 3:4.
Geschlagen. Turbines Torhüterin Bryane Heaberlin und Verteidigerin Lidija Kulis sind fassungslos nach dem 3:4.Foto: Jan Kuppert

Das 50. Aufeinandertreffen zwischen den Frauenfußball-Traditionsvereinen Turbine Potsdam und 1. FFC Frankfurt hatte am Sonntagnachmittag bereits viel Spektakel geboten, als sich Dzsenifer Marozsan kurz vor Ablauf der 90. Spielminute ein Herz fasste und zur sensationellen Schlusspointe der Partie ausholte. Traumhaft hämmerte sie mit ihrem linken Fuß den Ball aus gut 25 Metern Entfernung ins linke obere Eck des Turbine-Tores. Es war der 4:3 (2:1)-Siegtreffer für das Gästeteam vom Main.

Nach dem spannenden, intensiv, aber fair geführten Klassiker, der viele fußballerische Höhepunkte bereitgehalten hatte, befand Frankfurts Cheftrainer Matt Ross, dass schlussendlich Dzsenifer Maroszan „mit ihrer individuellen Qualität den Unterschied zwischen den beiden Mannschaften ausgemacht hatte“. Turbines Coach Bernd Schröder nickte zustimmend. Auch wenn es den 73-Jährigen, der zum Ende der Saison seine Trainertätigkeit beenden wird, sichtlich ärgerte, in seinem letzten Duell mit dem einstigen Erzrivalen verloren zu haben, so durfte er dennoch – völlig berechtigt – zufrieden mit der Vorstellung seiner Elf sein. Sie habe, meinte Schröder, „in der Besetzung das gebracht, was sie kann“.

Turbine zeigt Kampfstärke, Lauffreude und Spielwitz

Mit „der Besetzung“ spielte er auf die großen personellen Potsdamer Probleme an, die sich in den zurückliegenden Monaten aufgrund einer Flut an Verletzungen aufgebaut haben. Neben zahlreichen Kickerinnen, die über einen längeren Zeitraum ausfallen, musste Turbine gestern auch noch kurzfristig auf die Dienste der angeschlagenen Torhüterin Vanessa Fischer sowie der beiden deutschen Nationalspielerinnen Tabea Kemme und Felicitas Rauch verzichten. Dafür gaben aber Abwehrakteurin Inka Wesely und Offensivkraft Patricia Hanebeck ihr Startelf-Comeback, nachdem sich dieses Duo Anfang November im DFB-Pokalduell mit der TSG 1899 Hoffenheim schwer verletzt hatte.

Gegen den amtierenden Champions-League-Sieger aus Frankfurt präsentierten sich die Turbinen gestern vor 1830 Zuschauern – das sind verhältnismäßig wenig für ein Match dieser beiden Kontrahenten im Karl-Liebknecht-Stadion – von Beginn an sehr druckvoll. Die für die vielen Triumphe früherer Jahre maßgeblichen Potsdamer Grundtugenden – Kampfstärke und Lauffreude – wurden dabei so entschlossen wie schon lange nicht mehr in die Waagschale geworfen, hinzu kam eine ordentliche Portion Spielwitz.

Nach bitterer Niederlage: Schlechtester Rückrundenstart der Turbine-Bundesligageschichte

So gingen die Gastgeberinnen dann auch bereits in der temporeichen Anfangsphase durch Sturmspitze Svenja Huth in Führung (7.), allerdings drehte die Ross-Truppe das Resultat noch vor der Halbzeitpause. Simone Laudehr (33.) und Laura Störzel (42.) sorgten mit ihren Treffern für das 2:1. Nach dem Seitenwechsel wurde die Partie auf gleichbleibend hohem Niveau fortgesetzt. Den zwischenzeitlichen Ausgleich von Patricia Hanebeck (55.) konterten die Hessinnen sechs Minuten später durch Dzsenifer Maroszans ersten Streich – und Potsdam lieferte wiederum dafür die passende Antwort, denn Svenja Huth traf gegen ihren Ex-Club erneut (66.). „Wir haben so ein starkes Spiel gemacht, uns zweimal nach Rückstand zurückgekämpft“, sagte die mit nunmehr acht Saisontoren beste Turbine-Angreiferin. „Einen Punkt hätten wir mindestens verdient gehabt.“ Doch das verhinderte Maroszan mit ihrem fulminanten Distanzschuss in der Schlussminute, bei dem sich Potsdams aus den USA kommender, erstmalig eingesetzter Winterneuzugang Bryane Heaberlin vergeblich im Tor streckte.

Für Frankfurt zog dieser Lucky Punch einen tabellarischen Sprung nach sich. Weil sich der bereits enteilte Spitzenreiter Bayern München und Verfolger VfL Wolfsburg am Samstag 1:1 getrennt hatten, schob sich der deutsche Rekordmeister an den Wölfinnen vorbei auf den Champions-League-Qualifikationsrang zwei. Turbine rutschte hingegen aufgrund der dritten Niederlage im dritten Rückrundenspiel – so schlecht ist der Verein noch nie seit seiner Bundesligazugehörigkeit in eine zweite Halbserie der Saison gestartet – einen Rang nach unten und ist nun mit zwölf Punkten Rückstand auf Frankfurt Neunter. Was bleiben da noch für Ziele in der restlichen Saison, die zum dritten Mal in Serie ohne Europapokal-Qualifikation enden wird? „Wir nehmen uns nur noch eines vor: Wir werden von Spiel zu Spiel denken und wollen uns dabei weiterentwickeln. Irgendwas anderes auszurufen, macht jetzt keinen Sinn“, erklärte Svenja Huth an einem verregneten Frauenfußballtag im Karli, der sein Ende in einer ganz besonderen Geste fand.

Dietrich wünscht Schröder und Turbine alles Gute für die Zukunft

Zum Abschluss der Pressekonferenz nach der Partie ergriff Siegfried Dietrich das Wort. Frankfurts Manager, der wie Bernd Schröder seit vielen Jahrzehnten ein großer Macher im deutschen Frauenfußball ist, wollte es sich nicht nehmen lassen, Schröder zu würdigen. Im Angesicht des bevorstehenden Abgangs von dem Urgestein zollte er Respekt für dessen erbrachte Leistungen sowie Verdienste und wünschte sowohl ihm persönlich als auch dem ganzen Club aus Brandenburgs Landeshauptstadt alles Gute für die Zukunft. Ein fairer und – so wie es klang – ehrlicher Zug von Dietrich, der sich in der Vergangenheit so manch eine harsche verbale Reiberei mit Schröder geliefert hatte.

Turbine: Heaberlin – Wesely, Draws, Kulis – Siwinska, Wälti, Kellond-Knight – Hanebeck – Schwalm, Huth, Meister

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