• Termin-Ärger, ehe der Anlass ausfiel Duisburg reiste nicht mit Top-Elf nach München

Sport : Termin-Ärger, ehe der Anlass ausfiel Duisburg reiste nicht mit Top-Elf nach München

Ärger zwischen UEFA-Pokalsieger FCR Duisburg, Bundesliga-Vertretern und dem Deutschen Fußball-Bund vier Tage vor dem DFB-Pokalfinale der Frauen: Wegen der Terminierung des sportlich für den FCR nahezu bedeutungslosen Nachholspiels am gestrigen Dienstag beim Spitzenreiter Bayern München hatte Duisburgs Trainerin Martina Voss angekündigt, nicht mit ihrer Stammelf nach München zu reisen. Dort sollte der Coach der FCR-Reserve, Jürgen Raab, auf der Bank sitzen. Bayerns Frauen hätten mit einem Sieg erstmals die fast sichere Meisterschaft feiern können. Die Partie im Sportpark Aschheim wurde aber wegen starker Unwetter mit Gewittern am Abend abgesagt. Das Duell soll nun am nächsten Mittwoch ausgetragen werden. Dann möglicherweise mit der stärksten FCR-Elf.

Gestern bereitete Voss die Stammbesetzung des im Titelkampf fast abgeschlagenen Tabellen-Dritten auf das Pokal-Endspiel gegen Turbine Potsdam vor, statt nach München zu reisen. „Man hat uns dieses Nachholspiel zwischen zwei Endspielen diktiert. Das ist mehr als unglücklich. Der FC Bayern ist uns mehrfach bei Terminierungen – schon im Hinspiel – keinen Schritt entgegengekommen. Meine Aufgabe ist, mein Team so professionell wie möglich auf das Finale in Berlin vorzubereiten“, verteidigte Voss das Vorgehen, das beim DFB und in der Liga auf große Kritik stieß.

„Die Verantwortlichen beim FCR haben diese Entscheidung zu treffen. Der FCR war aber, wie alle Vereine, vor der Saison in die Terminplanungen eingebunden“, erklärte die für den Frauenfußball zuständige DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg. Im Sommer 2008 sei klar gewesen, dass es an den letzten beiden Bundesliga-Wochenenden zu Termin- Kollisionen kommen könnte, falls ein deutscher Club die UEFA-Cup-Endspiele erreicht. Für diesen Fall sei mit allen vereinbart worden, „nur den letzten Spieltag komplett auf den 7. Juni zu verschieben“. Dagegen sollte am vorletzten Spieltag lediglich die Partie des UEFA-Cup-Finalisten verlegt werden. Ratzeburg: „Die Clubs haben sich ausdrücklich für diese Variante ausgesprochen.“

Entsetzt reagierte der Manager des FFC Frankfurt, Siegfried Dietrich. Er sprach von „Wettbewerbsverzerrung“, nannte Duisburgs Verhalten „respektlos gegenüber dem FC Bayern und dem Rest der Liga“. „Der Imageschaden ist riesengroß. Ich hätte verstanden, wenn der FCR mit Blick auf das DFB-Pokalfinale einige Spielerinnen schont. Aber dass selbst die Trainerin nicht erscheint, ist nicht okay“, befand er. Man sei mit dem FFC in den vergangenen Jahren häufig in vergleichbaren Situation gewesen und habe sich „auch manchmal über Termine geärgert“, sagte Dietrich. „Aber bei allem Respekt, solch ein Verhalten schadet dem gesamten Frauenfußball.“ FCR DUISBURG]

Potsdams Coach Bernd Schröder dagegen winkte gestern Nachmittag ab. „Wir hätten sicher genauso gehandelt. Turbine nimmt das gelassen hin“, erklärte der Cheftrainer des Tabellenzweiten, der bei einer Bayern-Niederlage selbst noch geringe Chancen auf den Titel hätte. „Aber nur rein rechnerische, keine realistischen“, sagte Schröder. „Wir sind keine Phantasten.“ dpa/PNN