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SV Babelsberg 03 : Mit besonderer Note

Der SV Babelsberg 03 empfängt den Regionalliga-Primus Energie Cottbus zum Brandenburg-Derby, das eine brisante Vorgeschichte hat. Das vergangene Duell beider Klubs im "Karli" wirkt diesmal noch nach. Die Partie bewegt auch auf politischer Ebene.

Matthias Schütt
Er trifft und trifft. Seinen fünften Treffer in der fünften Partie in Folge erzielte Abdulkadir Beyazit (r.) am vergangenen Mittwoch beim 1:1 gegen Altglienicke. Insgesamt sechs Treffer hat der Nulldrei-Stürmer nun auf dem Saisonkonto.
Er trifft und trifft. Seinen fünften Treffer in der fünften Partie in Folge erzielte Abdulkadir Beyazit (r.) am vergangenen...Foto: Matthias Schütt

Mit lautstarken „Nulldrei“-Sprechchören schickten die Anhänger von Fußball-Regionalligist SV Babelsberg 03 ihre Mannschaft am vergangenen Mittwochabend nach dem 1:1 (1:0) gegen VSG Altglienicke in die Umkleidekabinen im Berliner Jahnsportpark. Es war weniger das 13. Saison-Unentschieden, was die Fans feierten. Vielmehr stimmten sie sich schon auf das bevorstehende Brandenburg-Derby ein. Am Sonntag gastiert Spitzenreiter FC Energie Cottbus zur prestigeträchtigen Partie im Karl-Liebknecht-Stadion (Beginn: 13.30 Uhr).

Keine Energie-Fans zugelassen

„Wir sind zu Hause eine Macht und wollen das mit unseren Fans im Rücken auch zeigen und die Partie gewinnen“, so SVB-Abwehrmann Mike Eglseder, der bei dem 2:1-Derbysieg gegen die Cottbuser vor knapp einem Jahr auf dem Rasen des „Karli“ stand. Die damals unschönen Szenen im Gästeblock mit Hitlergrüßen, Nazi-Gesängen, Platzsturm und dem Abbrennen von Pyrotechnik in beiden Fankurven führte über Monate zu einem sportjuristischen Nachspiel. Eine der verhängten Strafe: Der Lausitzklub darf am kommenden Sonntag keine Fans mit nach Babelsberg bringen. Stattdessen wird im Gästeblock ein überdimensionales Soli-Shirt des SV Babelsberg 03 mit dem Aufdruck „Nazis raus aus den Stadien“ zu sehen sein. Links und rechts werden mehr als 100 Logos von Unternehmen, Vereinen und Institutionen die Aktion als sichtbaren Support flankieren.

In einer Pressemitteilung vom Mittwoch hatten beide Vereine darauf hingewiesen, dass „erkennbaren Personen aus der Fanszene des FC Energie Cottbus der Zutritt zum Stadion verwehrt beziehungsweise sie des Stadions verwiesen werden“. „Beide Klubs“, so heißt es weiter, „freuen sich auf ein spannendes, emotionales Fußballspiel am Babelsberger Park.“

Sechster Saisontreffer von Beyazit

Das Sportliche soll also im Vordergrund stehen bei dieser Generalprobe für das diesjährige Landespokalfinale am 21. Mai. Auch da kommt der FC Energie zum SVB ins „Karli“. Für die sonntägliche Liga-Pflicht heißt es für den SVB, die gute Serie aus dem laufenden Kalenderjahr auszubauen. 2018 gab es noch keine Pflichtspielniederlage für die SVB-Mannschaft von Trainer Almedin Civa. Auch nicht am Mittwochabend bei der VSG Altglienicke. Das 1:1 war das gleiche Ergebnis wie im Hinspiel. „Am Ende ist es ein glücklicher Punktgewinn“, bilanzierte der SVB-Coach, der im Vergleich zum siegreichen Kick zuvor gegen die TSG Neustrelitz (2:0) mit Tobias Dombrowa und Kubilay Büyükdemir für Farid Abderrahmane und Manuel Hoffmann zwei Positionen in seiner Startelf änderte.

Zu Beginn fanden die Babelsberger kaum in die Partie und „wir spielten die schlechtesten 30 Minuten der gesamten Spielzeit“, so Civa. So erspielten sich die Gastgeber zahlreiche Chancen, konnten aber wie so oft in dieser Spielzeit keinen Treffer erzielen. Erst zum Ende der Halbzeit wurden Offensivbemühungen der Nulldreier erkennbar. Während Tobias Dombrowa noch im Eins-gegen-eins-Duell gegen den gegnerischen Keeper Dan Twardzik in der 41. Spielminute scheiterte, machte es nur drei Minuten später Abdulkadir Beyazit besser. Der 21-Jährige, der jeweils in den vergangenen fünf Partien immer einen Treffer erzielte und mittlerweile bei sechs Saisontreffern steht, netzte per Kopf zur 1:0-Führung ein. Nach Wiederanpfiff verpassten Tino Schmidt (47.) sowie Andis Shala mit einer Doppelchance (51./52.) die Vorentscheidung. Und nachdem die SVB-Abwehr einen Ball nicht richtig im eigenen Strafraum klären konnte, erzielte Kevin Stephan den 1:1-Ausgleich (54.) für den Aufsteiger. „Danach plätscherte die Partie dann vor sich hin“, befand Mike Eglseder. Chancen waren in der Folgezeit Mangelware. Fast wäre die Serie ohne Niederlagen 2018 für das Team aus der brandenburgischen Landeshauptstadt doch gerissen, aber ein Angriff der Altglienicker in der 91. Spielminute endete nur gegen die Latte des SVB-Kastens von Marvin Gladrow. Da skandierten die SVB-Fans schon ihre Sprechchöre und bereiteten sich auf das anstehende Brandenburg-Derby gegen den Tabellenführer aus Cottbus vor.

+++ Beide Oberbürgermeister im Stadion +++

Nach rechtsextremen Ausfällen von Cottbuser Fußballfans im vergangenen Jahr wollen die Oberbürgermeister von Potsdam und Cottbus ein Zeichen setzten. Beide kündigten deshalb ihren Besuch im Stadion am Sonntag zum Spiel zwischen Babelsberg 03 und Energie Cottbus an. „Ich bin stolz, dass das Bündnis ,Potsdam! bekennt Farbe’ die Schirmherrschaft für dieses wichtige Spiel übernommen hat und damit die Kampagne ,Nazis raus aus den Stadien’ stärkt“, so der Bündnisvorsitzende und Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Rassismus habe weder in den Stadien noch in der Gesellschaft etwas zu suchen, betonte der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU). „Der FC Energie Cottbus hat nicht erst seit den Vorfällen vor einem Jahr in Babelsberg sehr konsequent auf diese sogenannten Fans reagiert“, sagte Kelch. „Solche ,Fans’ gehören nicht zum FCE.“ Der Club arbeitet auch mit dem Bündnis „Cottbuser Aufbruch“ zusammen, das wie das Potsdamer Bündnis für Toleranz und gegen Rassismus eintritt. Auch die Bundesvorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock aus Potsdam, wird am Sonntag im Stadion sein. 

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