• SV Babelsberg 03 gegen Hertha BSC: Zeichen gesetzt

SV Babelsberg 03 gegen Hertha BSC : Zeichen gesetzt

Gegen den Fußball-Bundesligisten Hertha BSC verlor der Regionalligavertreter SV Babelsberg das Testspiel im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion mit 1:4. Dabei sorgten die Babelsberger aber vor und während der Partie für Akzente.

Doppelter Torschütze. Davie Selke von Hertha BSC (l.), der sich unter anderem gegen den Babelsbergs Ex-Herthaner Farid Abderrahmane durchsetzen musste, traf im „Karli“ gleich zwei Mal für die Gäste aus Berlin.
Doppelter Torschütze. Davie Selke von Hertha BSC (l.), der sich unter anderem gegen den Babelsbergs Ex-Herthaner Farid...Foto: Julius Frick

Die stärksten Aktionen fanden vor dem Anpfiff statt. Ehe am gestrigen Donnerstag das Fußball-Testspiel zwischen dem Regionalligisten SV Babelsberg 03 und Bundesligavertreter Hertha BSC im Karl-Liebknecht-Stadion begann, setzten beide Vereine ein Zeichen des Respekts. Die Teams absolvierten das Aufwärmprogramm in Shirts, die eine klare Botschaft vermittelten. Auf denen des SVB stand passend zur eigenen Kampagne „Nazis raus aus den Stadien“, die Herthaner proklamierten „In Berlin kannst du alles sein - außer Rassist“. Zudem gab es ein gemeinsames Foto vor einer Regenbogen-Bande, die neben den Clublogos die Aufschrift „Fußball für Vielfalt und Toleranz in Berlin und Brandenburg“ trug.

Vor dem Spiel gab es eine gemeinsame Aktion des Bundes- und des Regionalligisten für mehr Toleranz im Fußball in Berlin und Brandenburg.
Vor dem Spiel gab es eine gemeinsame Aktion des Bundes- und des Regionalligisten für mehr Toleranz im Fußball in Berlin und...Foto: Julius Frick

Anschließend rollte im „Karli“ der Ball. Und der aktuell Tabellenfünfte der ersten Liga, der namhafte Akteure wie Fabian Lustenberger, Marvin Plattenhardt und Vladimir Darida aufbot, wurde von den Hausherren mächtig gefordert. Letztlich setzten sich die Gäste mit 4:1 (1:1) durch - um zwei Tore deutlicher als beim zuvor viel besprochenen DFB-Pokalduell 2001. Damals spielten die heutigen Trainer Almedin Civa und Pal Dardai gegeneinander. Nach dem Hertha-Führungstreffer in der dritten Minute durch Davie Selke hatte gestern das 19 Jahre alte SVB-Eigengewächs Tobias Dombrowa den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt. Einen herrlichen Spielzug schloss er fulminant ab (33.). „Es war ein schönes Gefühl, gegen gestandene Profis spielen zu können, und dabei sogar so zu treffen“, sagte Dombrowa nach dem Abpfiff. In Halbzeit zwei sorgten Maurice Covic (72.), erneut Selke (86.) und Pascal Köpke (89.) für den zu hohen Berliner Sieg.

Jürgen Klinsmann schwärmt vom SVB-Treffer

Einen anspruchsvollen Testspielgegner hatte sich Dardai für sein Erstligateam in der Länderspielpause gewünscht. Einen mit fußballerischer Qualität, feinem Spielwitz. Der SV Babelsberg 03 erwies sich als solcher, verlangte den Hauptstädtern mit viel Verteidigungsdruck eine Menge ab und sorgte durch sehenswertes Kombinationsspiel für offensive Akzente. Dass die von Civa trainierten Nulldreier dieser Tage überhaupt Zeit zu dem Vergleich hatten, lag an einem Scheitern von ihnen. In der zweiten Runde des AOK-Landespokals schieden sie gegen Union Fürstenwalde aus. Das Treffen mit den Blau-Weißen von der Spree wäre jetzt nicht zustande gekommen, würde Babelsberg am Wochenende noch im Cup-Achtelfinale dabei sein.

So nahm der Kiezklub die Testspielanfrage der Herthaner gerne an. Die Hoffnung auf eine besonders große Kulisse blieb jedoch unerfüllt. Lediglich 2204 Besucher kamen ins Stadion. Darunter war die deutsche Fußballikone Jürgen Klinsmann - sein Sohn Jonathan stand bei Hertha zwischen den Pfosten. Bereits vorige Saison war der Weltmeister von 1990 im „Karli“ und begutachtete seinen Spross bei der Regionalligapartie des SVB gegen die U23 aus Berlin. „Mir gefällt es hier in Babelsberg“, sagte Jürgen Klinsmann gestern. Das Testspiel, dessen Einnahmen sich die beiden Vereine teilen, empfand er als „unterhaltsam“ – und das Dombrowa-Tor sei „wunderschön“ gewesen.

Am Freitag geht es für Nulldrei gegen Union Berlin weiter

Keineswegs wunderschön waren die anscheinend notwendigen Sicherheitsvorkehrungen. Ein Großaufgebot der Polizei flankierte die Partie. Sogar Wasserwerfer standen bereit. Dass es das alles bei einem sogenannten Freundschaftsspiel braucht, zeichnet ein eher betrübliches Bild des Fußballs. Im Stadion war dann ein negativer Zwischenfall zu vernehmen. Ein Schiedsrichterassistent wurde mit einem Gegenstand aus dem Nulldrei-Fanblock beworfen, woraufhin der Stadionsprecher die SVB-Anhänger zur Einhaltung der eigenen, vor Spielbeginn noch deutlich gemachten Werte ermahnen musste: Respekt und Fairness.

Am heutigen Freitag gehen die Berliner Festspiele für den SVB weiter. Um 14 Uhr gastiert das Civa-Team auf dem Fritz-Lesch-Sportplatz in der Adlershofer Dörpfeldstraße, um sich mit dem derzeitigen Zweitligazweiten 1. FC Union zu messen. Dieses Duell gab es weitaus öfter als die gestrige Konstellation. 25 Mal kickten beide Teams laut Union-Statistik bereits gegeneinander - zuletzt vor 15 Monaten beim Test in Babelsberg. SVB-Mittelfeldmann Leonard Koch, der wie Mannschaftskollege Lionel Salla einst für die Köpenicker spielte, freue sich auf das Wiedersehen mit dem Ex-Club, sagte er. Wenngleich Koch betont: „Viel lieber wäre ich dieses Wochenende noch im Landespokal dabei.“ (mit pek und fkö)

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