• SV Babelsberg 03 gegen FC Viktoria 1889 Berlin: "Ein geiler Kick" ohne Sieger

SV Babelsberg 03 gegen FC Viktoria 1889 Berlin : "Ein geiler Kick" ohne Sieger

Unterhaltsam ging es in der Fußball-Regionalligapartie zwischen dem SV Babelsberg 03 und FC Viktoria 1889 Berlin zur Sache. Spät, aber verdient erzielten die Babelsberger den Ausgleich.

Harter Fight. Tom Nattermann (r.) lieferte sich mit dem SV Babelsberg 03 ein intensives Ringen gegen die Berliner Viktoria. 
Harter Fight. Tom Nattermann (r.) lieferte sich mit dem SV Babelsberg 03 ein intensives Ringen gegen die Berliner Viktoria. Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Manchmal dauert es, bis sich Erfolg einstellt. Eine gefühlte Ewigkeit sei der Ball unterwegs gewesen, erzählte Farid Abderrahmane später von seinem Empfinden, als er von der linken Seite eine lange Flanke schlug, die nach ihrem Langstreckenflug Bogdan Rangelov erreichte, der das Leder schließlich ins Tor schob. Auch auf diesen Moment hatten die 1910 Zuschauer am Freitagabend im Karl-Liebknecht-Stadion lange gewartet. Bis zur 86. Minute hatte der FC Viktoria 1889 Berlin beim SV Babelsberg 03 mit 1:0 geführt. Dann erlöste Rangelov die Gastgeber mit dem späten, aber verdienten Ausgleich.

Zwei Kreativspieler fehlten den Kiezkickern

Viktoria-Trainer Jörg Goslar trauerte nach Abpfiff den vergebenen Konterchancen hinterher, die sich seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit erspielt hatte. „Da musst du das 2:0 machen“, sagte er und empfand den späten Ausgleich daher als „bitter“. Sein Kollege Almedin Civa atmete indes durch: „Der eine Punkt ist sehr wichtig. Gut, dass wir nach diesem hochklassigen Spiel nicht mit leeren Händen dastehen.“

Noch rechtzeitig zugeschlagen. Kurz vor Schluss traf Bogdan Rangelov (hier beim Kopfball) das 1:1 für den SVB.
Noch rechtzeitig zugeschlagen. Kurz vor Schluss traf Bogdan Rangelov (hier beim Kopfball) das 1:1 für den SVB.Foto: Sebastian Gabsch

Dass die 90 Minuten am vergangenen Freitag dieses Prädikat verdient hatten, darin waren sich beide Trainer einig. Von einem „geilen Kick“ schwärmte Goslar, zu dem beiden Mannschaften beitrugen. Die Führung für seine Elf in der 20. Minute bezeichnete er jedoch als glücklich. Vielleicht war auch er überrascht, wie leicht sich Kwabenaboye Schulz an der rechten Strafraumgrenze gegen die an sich starke Babelsberger Innenverteidigung durchsetzen, den Ball flach hereingeben und Rafael Brand einschieben konnte. Fortan war der SVB zwar die spielbestimmende Mannschaft, doch schafften es die Hausherren nicht, eine ihrer vielen Möglichkeiten zu verwerten. Keine 60 Sekunden nach der Viktoria-Führung klärte Tobias Gunte einen Kopfball von Rangelov knapp vor der Linie, kurz danach war der quirlige Nulldrei-Offensivspieler von einer scharfen Hereingabe durch Lionel Salla zu überrascht, um konzentriert abzuschließen. In der Folge scheiterten Tom Nattermann der starke Leonard Koch und Timothy Mason. Mit den verletzten David Danko (Knie-Innenbanddehnung) und Manuel Hoffmann (Rippenverletzung) fehlten zudem zwei Kreativspieler.

Babelsbergs Coach Civa monierte "zu leichte Ballverluste"

Auf der anderen Seite zwangen die Berliner die Hausherren immer wieder zur Wachsamkeit: Bei Ballbesitz spielten sie schnell und zielstrebig Richtung SVB-Tor, sodass das Viktoria-Sturmduo Timur Gayret und Nick Scharkowski gute Möglichkeiten hatte. Schließlich war es erneut Rangelov, der kurz vor der Pause das 1:1 für den SVB auf dem Fuß hatte, als er frei auf Gäste-Torhüter Stephan Flauder zulief, der mit toller Fußabwehr klärte.

Erhobener Zeigefinger. SVB-Trainer Almedin Civa forderte mehr Ruhe in den Aktionen seiner Spieler. 
Erhobener Zeigefinger. SVB-Trainer Almedin Civa forderte mehr Ruhe in den Aktionen seiner Spieler. Foto: Manfred Thomas

Mit Wiederanpfiff erhöhte SVB-Trainer Civa die Schlagzahl in der Offensive, indem er Pieter Wolf für Mason brachte und damit ein gutes Händchen bewies. Der 19-Jährige führte sich gleich mit einer Chance ein und belebte das SVB-Angriffsspiel deutlich. „Ruhig, ruhig“, musste Civa seine Elf von der Seitenlinie aus zügeln, die nun vehement auf den Ausgleich drängte, dabei zuweilen aber zu hektisch und mit Fehlern agierte. „Zu leichte Ballverluste“ monierte Civa dann auch später. So gelang es Viktoria zunehmend, das Geschehen zu kontrollieren, ohne dass die Partie an Tempo und Intensität verlor – acht Gelbe Karten sollte Schiedsrichter Richard Hempel am Ende auf seinem Zettel notiert haben. 

SVB-Auswechslung zerstört Viktorias Ordnung

Schließlich ging Civa volles Risiko. Er wechselte 20 Minuten vor Schluss gegen die spielstarke Viktoria, die laut Goslar zunehmend die Konter spielte, „die wir uns vorgestellt haben“, zunächst mit Tobias Dombrowa einen weiteren Offensivspieler ein. Und schließlich Stürmer Ahmet Sagat, was sich als Schlüsselmoment für den Ausgleich erweisen sollte. Denn durch die Einwechslung vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit geriet die Zuordnung in der Viktoria-Abwehr für einen Moment auseinander, sodass der lange Flankenball von Farid Abderrahmane am hinteren Pfosten den völlig allein gelassenen Rangelov erreichte, der schließlich zum umjubelten 1:1 einschoss. 

„Bei der Fülle an Chancen müssen wir normalerweise die Tore machen“, haderte SVB-Innenverteidiger Franko Uzelac nach Spielschluss mit den vergebenen Möglichkeiten, zeigte sich aber letztlich erleichtert und zufrieden mit dem Punkt. Froh über die gezeigte Mentalität war auch Viktorias Trainer Goslar: „Das Selbstverständnis brauchen wir am kommenden Mittwoch im Landespokal.“ Da spielen die Lichterfelder im Halbfinale beim BFC Dynamo, nur vier Tage später treffen sich beide Berliner Klubs gleich wieder zum Ligaduell.