• SV Babelsberg 03 gegen BFC Dynamo: Emotionen jenseits des Spiels

SV Babelsberg 03 gegen BFC Dynamo : Emotionen jenseits des Spiels

Der SV Babelsberg 03 und BFC Dynamo zeigen in der Fußball-Regionalliga Nordost eine tolle Partie, die letztlich doch unwichtig ist. Ein Schicksalsschlag zeigt, was wirklich bedeutsam ist.

Sven Reimann zählte zu den emotionalen Leadern des SV Babelsberg 03 im rassigen Derby gegen den BFC Dynamo.
Sven Reimann zählte zu den emotionalen Leadern des SV Babelsberg 03 im rassigen Derby gegen den BFC Dynamo.Foto: Jan Kuppert

Potsdam - Auch wenn es eine Werbung für den Regionalliga-Fußball war, was der SV Babelsberg 03 und der BFC Dynamo am vergangenen Samstag beim 1:1 (0:0) auf den Platz brachten, für Almedin Civa rückte das alles in den Hintergrund. Sichtlich betroffen und den Tränen nahe würdigte der SVB-Trainer nach dem Spiel den in der Vorwoche plötzlich und unerwartet verstorbenen Ex-Vorstand und Aufsichtsratsmitglied Götz Schulze. Seine Gedanken und sein ganzes Mitgefühl gelten der Frau und den vier Kindern des 54-Jährigen. Ohne Götz Schulze, der nach dem Drittliga-Abstieg des SVB in der Stunde Null Verantwortung übernahm, würde es den Verein nicht mehr geben, erinnerte Civa. Auch in der Fangruppe „Filmstadt Inferno“ hatten die Anhänger ein sensibles Gespür für den Schicksalsschlag und dankten Götz Schulze mit einem Transparent.

„Fußball war heute total unwichtig“, meinte Civa, kam aber nicht umhin, auch in seiner Analyse der 90 Minuten emotional zu werden: „Solche Spiele erlebt man nicht jeden Tag in der Regionalliga. Sein Berliner Kollege René Rydlewicz sah das ganz genauso. „Für die Zuschauer war das ein toller Nachmittag.“ In der Tat: 2712 Zuschauer  sahen eine Partie, die sich nahezu keine Atempause gönnte. Tempo, rassige Zweikämpfe, Emotionen, Strafraumszenen und eine stimmungsvolle Atmosphäre auf den Rängen – dieses Fußballspiel machte einfach Spaß. Der BFC spielte dabei zunächst den etwas offensiveren Part, trug seine Angriffe schnell und mit viel Zug zum Tor vor. Durch viel Laufarbeit fand sich immer wieder eine Anspielmöglichkeit, so dass die Gäste einen attraktiven Kombinationsfußball vortrugen. Nur mit dem Abschluss haperte es. Oder anders: Die Babelsberger Defensive hatte etwas von Block-Arbeit: Ein gutes Dutzend der Dynamo-Schüsse blockten die Nulldreier ab. Wie sie sich den Bällen entgegenwarfen, war Ausdruck einer Leidenschaft und eines Willens, „was wir uns in den letzten zwei Wochen wieder erarbeitet haben“, meinte Valentin Rode. Und es sei, so verriet der Innenverteidiger, auch Resultat einer Ansprache des Trainers. 

SVB mit guten Chancen, BFC mit starken Keeper

Der SVB agierte im heimischen Stadion eher aus einer Konterstellung – und das durchaus mit Unterhaltungswert und einer Reihe von Torchancen. Allein Tom Nattermann vergab dreimal aus guter Position beziehungsweise zwang BFC-Keeper Bernhard Hendl zu Glanzparaden, ebenso wie Pieter Wolf. „Die Qualität unserer Chancen war besser“, befand Civa nach Spielschluss, gleichwohl er letztlich von einem gerechten Unentschieden sprach. Die Babelsberger Führung hatte Valentin Rode besorgt, als er in der 53. Minute nach einer Ecke den Ball von Lukas Wilton aufgelegt bekam und aus 15 Metern in den Winkel hämmerte. Der 21-Jährige krönte mit dem Tor seine Leistungssteigerung der letzten Wochen, die ihn erneut in die Startelf brachte. „Je mehr Spielzeit ich bekomme, desto mehr steigt mein Selbstvertrauen“, so Rode, von dessen Veranlagung Civa schon immer überzeugt war. „Fußballspielen“, so der Trainer im vergangenen Sommer, „bringe ich ihm schon noch bei.“ Das trägt zunehmend Früchte. „Valentin verinnerlicht immer mehr unsere Spielweise und unser System“, lobt Philip Saalbach. Dem Nulldrei-Kapitän waren Emotionen und Leidenschaft im Spiel gegen seinen Ex-Verein besonders anzumerken, was ihm zwar eine Gelbe Karte einbrachte, aber auch das Lob von Gäste-Trainer Rydlewicz. „Diese emotionalen Typen wollen wir doch. Wäre ich vor drei Jahren schon Trainer beim BFC gewesen, hätte ich Saalbach nicht ziehen lassen“. 

Ein Sonntagsschuss aus 25 Metern von Niklas Brandt führte in der 78. Minute zum verdienten Ausgleich, was möglicherweise dazu beitrug, dass es im Stadion noch friedlich blieb. Denn die Stimmung in Teilen beider Fanlager hatte sich während des Spiel zunehmend aufgeheizt – vor dem Stadion entlud sie sich später.

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