Sport : Stänkernder Spielverderber

Mit einer aggressiven Spielweise zähmte Turbine Potsdam die Wölfinnen und meldete sich durch den Erfolg zurück im Titelkampf. Im nächsten Spitzenspiel gegen Bayern München soll wieder energisch gekämpft werden

Mahnt zur Konzentration. Turbines Abwehrchefin Johanna Elsig.
Mahnt zur Konzentration. Turbines Abwehrchefin Johanna Elsig.Foto: J. Kuppert

Es brennt ein heißer Vierkampf um die Meisterschaft in der Frauenfußball-Bundesliga und die beiden Qualifikationsplätze für die Champions League in der kommenden Saison. Entfacht hat das Feuer der 1. FFC Turbine Potsdam, der dem Tabellenführer VfL Wolfsburg mit dem 2:0 am vergangenen Sonntag die erste Liga-Pleite nach 382 Tagen zugefügt hatte und damit die Teams an der Tabellenspitze noch enger zusammenrücken lassen hat.

Noch befinden sich die Potsdamerinnen in der schlechteren Position innerhalb des Quartetts. Turbine ist Tabellenvierter. Punktgleich mit dem 1. FFC Frankfurt bei deutlich schwächerer Tordifferenz, ein Zähler schlechter als Bayern München, zwei Punkte hinter Wolfsburg. Mit dem aufgefrischten Selbstbewusstsein kann Turbine seine Lage nun aber nachhaltig verbessern – mit dem nächsten Erfolg im nächsten Spitzenspiel. Am Freitag tritt Potsdam um 18 Uhr beim FC Bayern München an. „Durch den Sieg gegen Wolfsburg dürfen wir jetzt aber nicht abheben“, mahnt Verteidigerin Johanna Elsig. „Die drei Punkte haben uns überhaupt erst wieder so richtig ins Rennen gebracht. Dieser Erfolg ist im Endeffekt jedoch nichts wert, wenn wir am Freitag nicht gewinnen“, sagt sie. Denn nur mit einem Auswärtssieg im altehrwürdigen Stadion an der Grünwalder Straße würde das tabellarische Überholmanöver gelingen. Zwei Punkte hätte Turbine dann mehr auf dem Konto als die Münchnerinnen.

Um dem Saisonziel von Rang zwei oder eins nahe zu kommen, müsste die Elf von Trainer Bernd Schröder dann aber auch anschließend in den verbleibenden vier Saisonpartien gegen Duisburg, Leverkusen, Sand und Jena makellos bleiben sowie auf Punktverluste von Wolfsburg und Frankfurt hoffen – und die werden sich zwingend ergeben. Nicht unbedingt am heutigen Mittwoch, an dem der VfL und der 1. FFC gegen Sand beziehungsweise Essen Pflichtaufgaben zu bewältigen haben. Vielmehr wird stattdessen zumindest einer der beiden diesjährigen Champions-League-Teilnehmer am letzten Spieltag Federn lassen. Schließlich treffen die beiden Klubs dann im direkten Duell aufeinander. „Damit dürfen wir uns aber noch gar nicht beschäftigen. Jetzt müssen wir uns voll auf die kommende Partie konzentrieren“, findet Turbines Abwehrchefin Johanna Elsig.

Und das wird wieder eine enorm große Herausforderung. Erst fünf Gegentore hat die starke Bayern-Defensive in 17 Partien kassiert. Doch wie man knüppelharten Beton porös und rissig werden lässt, haben die Turbinen schon gegen Wolfsburg bewiesen, als sie der Mannschaft aus Niedersachsen zwei Tore in 90 Minuten einschenkten. Das waren für den VfL doppelt so viele wie in den vorherigen 16 Ligaspielen insgesamt.

Nachdem die Autostädterinnen ihren Status als unbezwingbarer Gigant verloren haben, ist nur noch der FC Bayern in der Bundesliga bislang ohne Saisonpleite. Nicht ohne Grund: In punkto Spielanlage hat München in diesem Jahr überzeugt. Stabil, temporeich, zielstrebig, kombinationsfreudig. „Diese Spielfreude muss man ihnen nehmen“, sagt Johanna Elsig. Mit einer aggressiven und energischen Gangart hatte Turbine bereits die Wölfinnen gezähmt und durch viel Einsatzwillen die eigenen spielerischen Defizite ausgeglichen. Die intensiv geführten Zweikämpfe waren Nadelstiche für den Gegner, richtige Spaßbremsen. Effektiv und erfolgreich gaben die Potsdamerinnen den stänkernden Spielverderber auf dem Rasen. Tobias Gutsche

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