• Sport in Potsdam: Arena, wechsle dich!

Sport in Potsdam : Arena, wechsle dich!

Blasmusik, Volleyball und Handball: In der Potsdamer MBS-Arena ist am Wochenende volles Programm – es kommt dadurch zum Kampf gegen die Zeit. Über eine "logistische Meisterprüfung".

Früher Sonntagnachmittag: Die MBS-Arena bietet eine Bühne für hochklassigen Volleyball.
Früher Sonntagnachmittag: Die MBS-Arena bietet eine Bühne für hochklassigen Volleyball.Foto: Gerhard Pohl

Potsdam - Eugen Benzel war glücklich. Als das Viertelfinale im Deutschen Volleyball-Pokal der Frauen ausgelost wurde, freute sich der Teammanager des SC Potsdam über den verhältnismäßig leichten Gegner der Potsdamerinnen – Erstliga-Aufsteiger Nawaro Straubing. Und über das Heimrecht für den SCP. Doch schon kurze Zeit später verging Benzel die gute Laune. Beim Blick auf den Belegungsplan der MBS-Arena musste er feststellen: Eigentlich ist am vorgesehenen Wochenende vom 23. bis 25. November überhaupt kein Platz für Volleyball. Ab Freitag laufen in der Stätte am Luftschiffhafen die Vorbereitungen für das tags darauf stattfindende Bläserklassenkonzert und am Sonntagnachmittag spielt Handball-Drittligist VfL Potsdam gegen die Mannschaft aus Hannover-Burgwedel.

Also mussten Organisationskünste her. „Wir haben viele Gespräche geführt und sind allen Beteiligten dankbar, dass jetzt diese Lösung gefunden wurde“, erzählt Eugen Benzel. Das Volleyball-Pokalspiel steigt am Sonntag bereits um 13 Uhr, wofür beim Verband eine Ausnahmegenehmigung eingeholt wurde, denn laut Statuten müssen Sonntagspartien zwischen 14 und 18 Uhr beginnen. Die VfL-Handballer verrücken derweil ihr Match um eine Stunde nach hinten auf 17 Uhr, den spätmöglichsten Termin, den die Drittliga-Regeln zulassen. Lediglich vier Stunden werden zwischen den Anpfiffen der beiden Sportevents liegen. Angesichts aufwendiger Ab- und Aufbaumaßnahmen in der Halle verspricht dies einen Kampf gegen die Zeit. „Das wird eine logistische Meisterprüfung“, meint Benzel.

Konzert mit 1250 Zuschauern ausverkauft

Arena, wechsle dich! So lautet das Motto am Wochenende. Am Samstag ist die Halle ein Konzertsaal. Der Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg (VdMK) veranstaltet um 15 Uhr sein traditionelles Bläserklassenkonzert. 360 Kinder aus 16 märkischen Schulen spielen gemeinsam mit 45 Mitgliedern des Landespolizeiorchesters. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wird zwar nicht wie in der Regierungsarbeit den Taktstock schwingen, aber immerhin die feierliche Eröffnung übernehmen. Nach anfangs zwei Jahren in Prenzlau ist die Potsdamer MBS-Arena seit ihrer Einweihung 2012 der jährliche Austragungsort des vom Land geförderten Musik-Highlights. „Dort aufzutreten ist für die Kinder etwas Herausragendes“, sagt die VdMK-Pressebetreuerin Katja Bobsin. „Es ist eine unvergleichliche Atmosphäre in einer solchen Arena.“

Samstagnachmittag: Eine Sportstätte wird zum Konzertsaal.
Samstagnachmittag: Eine Sportstätte wird zum Konzertsaal.Foto: Uwe Hauth/Promo

500 Stühle werden in der Halle für die Bläser aufgestellt. Die 1250 Zuschauertickets waren schnell ausverkauft. „Mit dieser Veranstaltung werden gute Einnahmen für die Landeshauptstadt generiert“, erklärt ein Verantwortlicher der kommunalen Luftschiffhafen GmbH, die die defizitäre Halle betreibt. Jene verstärkt auch für beispielsweise kulturelle Anlässe kommerziell zu nutzen, fällt aufgrund der damaligen Bauförderung aus dem Konjunkturpaket des Bundes schwer – schließlich war die Errichtung einer Sportstätte der klare Förderzweck. VdMK-Sprecherin Katja Bobsin sagt augenzwinkernd: „75 Minuten Konzert unter anderem auch mit Percussion-Elementen sind durchaus ziemlich sportlich.“

800 Quadratmeter Volleyball-Spezialboden werden verlegt

Sportlich anstrengend wird es definitiv, nachdem die letzten Töne der Bläser verstummt sind. Das Konzertambiente weicht noch am Samstagabend dem Volleyball-Antlitz. Zwei ehrenamtliche Helferteams um Spieltagskoordinator Thomas Dörfler richten stets die Halle für Partien des SC Potsdam her. Während sich acht Leute um das Drumherum kümmern, stemmen sieben Unterstützer ausschließlich den Aufbau des Spielfeldes. Seit 2015 wird extra ein Kunststoffbelag der Firma Gerflor verlegt. Der sorgt für eine bessere Visibilität des Volleyballs, denn störende Linien anderer Sportarten auf dem Boden verschwinden so. Die Nutzung eines solchen Untergrunds ist vom Ligaverband verpflichtend vorgegeben. Mithilfe von Sponsoren hatte sich der SCP vor drei Jahren den etwa 25.000 Euro teuren Belag in den Farben lachs und türkis zugelegt.

Rund 800 Quadratmeter misst er – verteilt auf 26 Rollbahnen, die eineinhalb Meter breit, sieben Millimeter dick und über 100 Kilogramm schwer sind. Mit einem speziellen doppelseitigen Klebeband, das keine Rückstände hinterlässt, werden die Bahnen auf dem eigentlichen Hallenboden fixiert. Anfangs brauchte der SCP 13 Rollen für ein Mal Verlegen, dank viel Routine sind es inzwischen bloß noch sechs bis sieben. Eine Rolle kostet 50 Euro. „Wir sind froh, dass wir den Hersteller Gerflor als Werbepartner gewinnen konnten und dadurch ohne die zusätzlichen Materialkosten durchkommen“, sagt Eugen Benzel. Nachdem der Rollboden liegt, werden darauf noch die entsprechenden Linien des Feldes geklebt. „Mit allem Drum und Dran ist unser eingespieltes Team nach zwei bis zweieinhalb Stunden fertig“, so der SCP-Teammanager. Der Abbau dauere maximal 55 Minuten – „wenn richtig auf die Tube gedrückt wird, auch nur 45 Minuten.“

Angst vor fünf Sätzen im Pokalduell der Volleyballerinnen

Das ist am Sonntag zwingend nötig. Denn wenn der Matchball verwandelt ist, muss schleunigst alles für das Torewerfen der Handballer hergerichtet werden. Dazu gehört unter anderem auch der Umbau von Tribünensegmenten und der LED-Werbebande. SCP und VfL agieren dann Hand in Hand – beide stocken ihre Helfertruppen auf. Der Volleyballverein hat drei zusätzliche Leute im Team, die Adler werden statt sechs bis acht Helfer diesmal voraussichtlich zwölf haben. „45 Minuten vor dem Anpfiff unseres Spiels muss alles am richtigen Fleck sein – das ist vorgeschrieben“, erläutert Arne Wiechmann. Er ist Vereinskoordinator des VfL und weiß: Der „worst case“, der schlimmste Fall, wäre es, wenn das Volleyballspiel – wie am Mittwoch beim Ligaduell gegen den USC Münster (2:3-Niederlage) – über fünf Sätze geht. Mehr als zwei Stunden würde die Partie dann wohl laufen „und es anschließend für unser Spiel richtig eng werden“. Normalerweise treffen sich die VfL-Helfer fünf Stunden vor Anpfiff und haben damit genügend Zeit, um alles aufzubauen. So viel steht nun keineswegs zur Verfügung.

Später Sonntagnachmittag: Zum Abschluss wird in der MBS-Arena Handball gespielt.
Später Sonntagnachmittag: Zum Abschluss wird in der MBS-Arena Handball gespielt.Foto: Julius Frick

Daher gibt es Vorleistungen. Am Donnerstag wurden die acht Sponsoren-Werbebanner des Handballclubs auf den Hallenboden geklebt. „Das muss sehr sorgfältig passieren, damit sie faltenfrei und eben keine Stolperstellen sind“, so Wiechmann. „Weil das rund eine Stunde in Anspruch nimmt, müssen wir das für Sonntag schon vorher drauf haben.“ Sowohl beim Konzert als auch beim Volleyballmatch sind die Banner, die den Belastungen des Spiels ein bis zwei Jahre standhalten und dann ausgetauscht werden, überdeckt. Vor allem hinsichtlich des Gerflor-Belags ist aber Präzision gefragt. „Dessen Klebeflächen dürfen nicht auf unsere Banner kommen. Sonst werden sie beschädigt“, sagt Wiechmann. Er ist optimistisch, dass alles gelingt und Punkt 17 Uhr Handball gespielt wird.

Rabattaktion für das Spiel der VfL-Handballer

Einen ähnlichen – letztlich erfolgreichen – Stresstest gab es nämlich schon. Beim internationalen Volleyball-Masters Anfang Oktober musste die MBS-Arena auch binnen weniger Stunden ihr Gesicht wandeln, um am späten Nachmittag dem Derby zwischen VfL und Oranienburger HC eine schöne Bühne zu bereiten. „Damals lief es super. Da hatten wir aber eine halbe Stunde mehr an zeitlichem Puffer“, erinnert sich SCP-Organisator Eugen Benzel. Er schnauft. „Wir kriegen das hin. Doch ich mache drei Kreuze, wenn wir das überstanden haben.“

Die Vereine nutzen die Extremsituation zugleich, um sich gegenseitig zu stärken. Jeder Fan, der sich übermorgen zunächst das Pokalspiel der Volleyballerinnen oder den Bundesliga-Auftritt der Turbine-Fußballerinnen gegen Bayer Leverkusen ansieht, erhält unter Vorlage des Tickets eine Eintrittskarte zum VfL-Match für nur fünf Euro, den halben Preis. Gleiches gilt für Besucher des Fußball-Regionalligaduells vom SV Babelsberg 03 am Samstag gegen den VfB Auerbach – andersherum gibt es ebenfalls eine Rabattaktion. „Wir müssen mit-, statt gegeneinander arbeiten“, betont VfL-Geschäftsstellenleiter Christian Barth. „Potsdam ist sportaffin. Wir müssen clever sein, damit wir das Zuschauerinteresse in der Stadt möglichst alle nutzen können.“