• SG Bornim gewinnt Potsdamer Hallenmasters 2020: Einfach und geduldig zum Triumph

SG Bornim gewinnt Potsdamer Hallenmasters 2020 : Einfach und geduldig zum Triumph

Bei der 25. Auflage des traditionsreichen Hallenturniers heißt der Sieger zum ersten Mal SG Bornim - heraus ragte dabei ein Penalty-König. Allerdings ist die Zukunft des Events offen.

Die SG Bornim holte den Turniersieg - überraschend, aber verdient. 
Die SG Bornim holte den Turniersieg - überraschend, aber verdient. Foto: Benjamin Feller

Potsdam - Was für eine Stimmung in der MBS-Arena am vergangenen Samstagnachmittag: Auf der einen Seite sangen die Fans von Grün-Weiß Golm, auf der anderen die von Juventas Crew Alpha. Und auf der dritten Tribüne feuerte der Bornimer Fußballnachwuchs seine Männertruppe an. Potsdamer Fußballschlachtgesänge sind in der schmucken Halle im Luftschiffhafen eine Seltenheit. Gewöhnlich sind es die Bundesliga-Volleyballerinnen des SC oder die Drittliga-Handballer des VfL, die in der rund 2000 Zuschauer fassenden Halle ihre Heimspiele austragen. Mit seinem Potsdamer Hallenmasters indes holt Sven Thoß einen Teil der Potsdamer Sportfamilie zumindest für einen Nachmittag im Jahr in die Arena – Fußballvereine von der Kreis- bis zur Brandenburgliga aus der Stadt und deren Umland. 

Der Fanblock des Finalisten Grün-Weiß Golm sorgte für beste Stimmung in der Arena. 
Der Fanblock des Finalisten Grün-Weiß Golm sorgte für beste Stimmung in der Arena. Foto: Benjamin Feller

Und die dankten es mit engagierten Auftritten und Hallenfußball auf gutem Niveau bei der 25. Auflage des Masters, an dessen Ende die SG Bornim überraschender, wenn auch verdienter Sieg war. „Das war ganz sicher nicht geplant“, gestand SG-Trainer Janko Müller, während seine Mannschaft den Pokal entgegennahm. „Einfach und geduldig spielen“, nannte er als Erfolgsrezept, das seine Mannschaft bei dem einzigen Hallenturnier, bei dem Bornim in dieser Winterpause teilnahm, bestens umgesetzt hat.

Tim Dethloff (r.) und Patrick Richter waren mit je vier Treffern die besten Torschützen des Turniers. 
Tim Dethloff (r.) und Patrick Richter waren mit je vier Treffern die besten Torschützen des Turniers. Foto: Benjamin Feller

Das Turnier nahm vor 1450 Zuschauern einen Verlauf mit durchaus interessanten Wendungen und Überraschungen. Titelverteidiger Werderaner FC, hoch gehandelter Favorit und als Brandenburgligist die höchstklassige Mannschaft im Teilnehmerfeld mühte sich durch die Vorrunde. Juventas Crew Alpha und der FC Deetz, die beiden Kreisligisten, hatten jeweils die Züge eines Turnierschrecks. Sie überraschten mit Siegen und leidenschaftlich erkämpften Unentschieden. So wurde die Schlaatz-Crew zum Stolperstein für die SG Michendorf (2:3), Eintracht Glindow (3:3) und auch Golm (1:1) – Deetz wiederum gewann gegen die einstigen Regional- und Oberliga-Kicker von „Henne & Friends“ mit 3:1 und gegen Landesligist VfB Trebbin 1:0. Als Tabellendritte verpassten beide am Ende aber doch den Sprung in die Endrunde der besten Vier.

SG-Keeper Albrecht glänzt in seiner Nicht-Lieblingsübung

Im ersten Halbfinale machte es Turnier-Mitfavorit Fortuna Babelsberg spannend. Bis fünf Sekunden vor Schluss lag der Landesligist gegen die eine Klasse tiefer spielende SG Bornim mit 0:1 zurück, dann sorgte Hannes Seidel mit dem 1:1 für das erste Penaltyschießen des Abends. Und da hatten die Bornimer mit Janek Albrecht den entscheidenden Mann auf dem Parkett: Der Schlussmann parierte drei Penalties und sorgte für den ersten Bornimer Finaleinzug seit vielen Jahren. Erst einmal zuvor, als das Masters noch in der Halle an der Heinrich-Mann-Allee ausgetragen wurde, standen die Rand-Potsdamer im Endspiel. Im zweiten Halbfinale trafen zwei Turniersieger der vergangenen Jahre aufeinander: der Werderaner FC (2019) und Grün-Weiß Golm (2016). Letztere gingen schnell mit 2:0 in Führung und sorgten damit bei ihren Anhängern für lautstarke Begeisterung, die durch den 4:2-Sieg schließlich endgültig in Finalstimmung waren. 

Bornims Janek Albrecht war bester Torhüter des Masters -  er übernahm im Halbfinale und Finale eine entscheidende Rolle.
Bornims Janek Albrecht war bester Torhüter des Masters -  er übernahm im Halbfinale und Finale eine entscheidende Rolle.Foto: Benjamin Feller

Im Endspiel der beiden Landesklasse-Konkurrenten waren es erneut die Golmer, die zunächst jubelten: Jeff Salpeter, in der Winterpause aus der Oberliga vom Ludwigsfelder FC zu den Grün-Weißen zurückgekehrt, brachte seine Farben in Führung. Christian Zielasko glich zum 1:1-Endstand aus, sodass das 25. Finale der Masters-Geschichte im Penaltyschießen entschieden wurde. Und da war es wiederum Bornims Torhüter Albrecht, der zwei von drei Golmer Schützen den Schneid abkaufte und so seine Mannschaftskollegen sowie die SG-Fans jubeln ließ. „Wir haben tatsächlich im letzten Training vor dem Hallenturnier Penaltyschießen geprobt“, erzählte der 22-Jährige später und gestand: „Das war nicht meine Lieblingsübung. Von 22 Versuchen haben ich keinen pariert.“ Doch unter dem Wettkampfdruck am Samstagabend avancierte er in beiden Finalspielen schließlich zum Penalty-König und Matchwinner. 

Bornim stellte auch den besten Spieler des Turniers: Enrico Freitag.
Bornim stellte auch den besten Spieler des Turniers: Enrico Freitag.Foto: Benjamin Feller

„Hier in der Halle zu spielen, ist schon eine perfekte Sache", befand der Lehramtsstudent, der bei der SG Bornim die U13 betreut und sich daher wünscht, dass die MBS-Arena häufiger und auch mehr für den Nachwuchs zur Verfügung stünde. Keine 24 Stunden und emsige Aufräumarbeiten später war die Arena indes wieder Bundesliga-Spielstätte für Potsdams Volleyballerinnen. Und für Turniervater Sven Thoß wird es immer schwieriger, das Potsdamer Masters am Leben zu halten. Zwar haben ihm gleich im Anschluss Hauptsponsor „Küchen & Möbel Christ“ sowie weitere Förderer signalisiert, auch im kommenden Jahr das Traditionsevent zu unterstützen. Doch werden Thoß zufolge die Auflagen der Lufschiffhafen GmbH und die Kosten immer höher. Daher ließ er bei aller Zufriedenheit mit der Jubiläumsauflage seines Masters dessen Zukunft offen.

+++ Turnierstatistik im Überblick +++

Vorrundengruppe A: Henne & Friends - Deetz 1:3, Trebbin - Bornim 0:3, Deetz - Werder 1:7, Bornim - Henne & Friends 3:1, Werder - Trebbin 2:2, Deetz - Bornim 2:4, Werder - Henne & Friends 3:3, Trebbin - Deetz 0:1, Bornim - Werder 3:5, Henne & Friends - Trebbin 4:0.

1.SG Bornim10:39
2.Werderaner FC17:98
3.FC Deetz7:126
4. Henne & Friends9:94

Vorrundengruppe B: Michendorf - Juventas Crew Alpha 2:3, Golm - Glindow 2:0, Juventas - Fortuna Babelsberg 2:3, Glindow - Michendorf 1:1, Fortuna Babelsberg - Golm 1:2, Juventas - Glindow 3:3, Fortuna Babelsberg - Michendorf 0:1, Golm - Juventas 1:1, Glindow - Fortuna Babelsberg 2:3, Michendorf - Golm 0:4.

1.Grün-Weiß Golm9:2102.Fortuna Babelsberg7:763.Juventas Crew Alpha9:954. SG Michendorf4:845. Eintracht Glindow6:92

Halbfinale: SG Bornim - Fortuna Babelsberg 3:2 (1:1) n.P., Werderaner FC - Grün-Weiß Golm 2:4

Spiel um Platz 3: Fortuna Babelsberg - Werderaner FC 3:4

Finale: SG Bornim - Grün-Weiß Golm 3:2 (1:1) n.P.

Bester Spieler: Enrico Freitag (SG Bornim)

Bester Torhüter: Janek Albrecht (SG Bornim)

Beste Torschützen: Tim Dethloff (Fortuna Babelsberg) und Patrick Richter (Werderaner FC) mit jeweils vier Treffern